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Reines Wasser kommt aus einem alten Vulkan

29.07.2002


Geologe der Universität Jena erschließt neue Grundwasserreserven in der Eifel

 Wenn es etwas im Überfluss gibt in der Eifel, ist es das Wasser, denkt man - und täuscht sich. Obwohl die vielen Mineralquellen des Mittelgebirges nach wie vor kräftig sprudeln, müssen sich seine Bewohner im Sommer schon manchmal Gedanken um ihr Trinkwasser machen. Der Grund: Zwar lagern in den tiefen Gesteinsschichten der Eifel reiche Mineralwasservorkommen, doch für die Trinkwasserversorgung wird schlichtes Grundwasser benötigt. Das aber wird in trockenen Monaten zur Mangelware auf den Höhen zwischen Rhein und belgischer Grenze. Wie trotzdem sichergestellt werden kann, dass in der Region selbst an heißen Tagen immer genug Wasser aus dem Hahn kommt, ist jetzt in der Dissertation von Dr. Gerold Hesse nachzulesen. Der frisch promovierte Geologe von der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat einen bisher ungenutzten Grundwasserspeicher bei Gerolstein erkundet und der wirtschaftlichen Nutzung zugänglich gemacht: den Krater eines alten Eifelvulkans.

"Die Promotion von Gerold Hesse schließt ein Forschungsprojekt ab, das vor drei Jahren mit klar definiertem Anwendungsbezug gestartet wurde", erklärt Prof. Dr. Georg Büchel, Lehrstuhlinhaber für Angewandte Geologie an der Jenaer Universität. "Am Anfang stand ein Auftrag der Verbandsgemeinde Gerolstein an unser Institut für Geowissenschaften, das wasserwirtschaftliche Nutzungspotenzial des Geeser Maars zu bewerten", erläutert Hesses Doktorvater das Projekt.

Der verlandete Vulkan bei Gerolstein ist eine weite Geländemulde mit Wiesen und Wäldern. Wo heute Kühe grasen, riss vor einer Viertelmillion Jahren eine gewaltige Explosion die Erde auf. "Maarvulkane entstehen, wenn aufsteigendes Magma unter der Erdoberfläche auf Wasser trifft", erläutert Gerold Hesse das damalige Geschehen. In Sekundenbruchteilen verwandelt die glühende Gesteinsschmelze das Wasser in Dampf, und der ausbrechende Überdruck sprengt Schlamm, Staub und Steine kilometerhoch in die Luft. Wenn die vulkanische Aktivität zur Ruhe gekommen ist, bleibt ein wassergefüllter Krater zurück, dessen Ränder in den folgenden Zehntausenden von Jahren verwittern. Größere und kleinere Gesteinsbrocken fallen in den See und füllen ihn allmählich auf. "Irgendwann ist der See verschwunden, aber eine Vertiefung in der Landschaft besteht immer noch", so Hesse weiter.

Ein solches Trockenmaar wirkt wie ein Trichter und ein Schwamm zugleich. Regenwasser fließt die Hänge hinab und versickert in der Mulde, wo sich die porösen Ablagerungen mit Feuchtigkeit voll saugen. In den Gesteinen, die den ehemaligen Krater umgeben, sammelt sich das Wasser dagegen nicht: Sie sind zu wenig durchlässig. "Der Vulkanismus hat sozusagen eine Baugrube in den harten Eifelboden gesprengt, in der Verwitterung und Sedimentation im zweiten Schritt einen Grundwasserspeicher angelegt haben", macht der 27-jährige Geologe die Sonderstellung eines Trockenmaars anschaulich.

Allerdings sind Maarböden nicht überall im gleichen Maße wasserdurchlässig. Bohrt man an der falschen Stelle, bleibt der Brunnen trocken. Als Geologe wusste Hesse jedoch, wie sich die Sedimente in verlandeten Kraterseen üblicherweise verteilen: die feinkörnigen, fest zusammengepressten in der Mitte, die groben, locker gelagerten an den Rändern. Weil nur lockere Sedimentschichten Flüssigkeit speichern können, suchte und fand er das vermutete Grundwasserreservoir dort, wo man ihm bislang nicht nachgespürt hatte - in der Randzone des Maars.

"Das Projekt führte auch deswegen so schnell zu einem für die Auftraggeber erfreulichen Ergebnis, weil in Gerold Hesses Team - entsprechend der interdisziplinären Ausrichtung unseres Jenaer Instituts - Mineralogen, Geophysiker und Geologen Hand in Hand gearbeitet haben", hebt Prof. Büchel hervor. Für Gerolstein hat sich die Finanzierung des Forschungsprojekts in der Tat gelohnt: Spätestens nächstes Jahr wird ein Brunnen gebohrt, aus dem die Verbandsgemeinde künftig einen Großteil ihres Trinkwassers beziehen will. "Unsere Untersuchung hat Pilotcharakter", sagt Gerold Hesse. "In der Westeifel gibt es 70 Maare. Die meisten von ihnen könnten wie das Geeser Maar für die Trinkwasserversorgung genutzt werden", ist sich der Jenaer Geologe sicher. "Das eröffnet der Wasserwirtschaft in der ganzen Region neue Perspektiven."

Kontakt:
Dr. Gerold Hesse
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948643
Fax: 03641 / 948622
E-Mail: hesse@geo.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

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