Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tunguska-Katastrophe: Beweise für sauren Regen stützen Meteoritentheorie

01.07.2008
Bei der Tunguska-Katastrophe ist es 1908 offenbar zu starken sauren Niederschlägen gekommen.
Das schließen russische, italienische und deutsche Forscher aus Ergebnissen der Untersuchungen der Torfprofile des Katastrophengebietes. An der Grenze des Dauerfrostbodens von 1908 hatten sie deutlich erhöhte Werte der schweren

Stickstoff- and Kohlenstoff-Isotope 15N und 13C festgestellt.

Die maximale Anreicherung wurden für die Gebiete im Explosionsepizentrum and entlang der Flugbahn des kosmischen Körpers registriert. Erhöhte Konzentrationen von Iridium und Stickstoff in entsprechenden Torfschichten stützen die Theorie, dass die gefundene Isotopeneffekte eine Folge der Tunguska-Katastrophe sind und kosmische Ursachen haben. Schätzungen zufolge sind damals etwa 200.000 Tonnen Stickstoff auf die Tunkuska-Region in Sibirien herabgeregnet.

"Extrem hohe Temperaturen beim Eintritt eines Meteoriten in die Atmosphäre haben dafür gesorgt, dass der Sauerstoff in der Atmosphäre mit Stickstoff zu Stickstoffoxid reagiert hat", sagte Natalia Kolesnikova am Montag gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Die Wissenschaftlerin ist eine der Autoren der 2003 im Fachblatt Icarus veröffentlichten Studie der Lomonosov-Universität Moskau, der Universität Bologna und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).

Das Tunkuska-Ereignis gilt als eine der größten Naturkatastrophen der Neuzeit. Am 30. Juni 1908 ereigneten sich in der Nähe des Flusses Tunguska nördlich des Baikalsees eine oder mehrere Explosionen, die auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern rund 80 Millionen Bäume umknickten.

Die Kraft der Explosion wird auf fünf bis 30 Megatonnen TNT geschätzt. Das entspricht mehr als dem Tausendfachen der Hiroshimabombe. Die kaum besiedelte Region Sibiriens wurde erst 1927 von Professor Leonid Alexejewitsch Kulik untersucht. Zu den Ursachen der Katastrophe existieren inzwischen verschiedenste Theorien.

Die Mehrheit der Wissenschaftler geht jedoch von einer kosmischen Ursache wie dem Einschlag eines Meteoriten, Asteroiden oder Kometen aus. Wäre dieser damals knapp fünf Stunden später in der Atmosphäre explodiert, dann wäre aufgrund der Erdrotation die damalige russische Hauptstadt St. Petersburg komplett zerstört worden.

Russische und italienische Forscher hatten 1998 und 1999 während zweier Expeditionen Torfprofile von verschiedenen Stellen im sibirischen Katastrophengebiet entnommen. Die untersuchte Moosart Sphagnum fuscum, die im Torfmaterial recht häufig vorkommt, bezieht ihre mineralischen Nährstoffe ausschließlich aus Luftaerosolen und kann dadurch irdischen und außerirdischen Staub speichern. Die Proben wurden später in den Laboren der Universität Bologna und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Halle/Saale untersucht. Das UFZ hat sich unter anderem auf Isotopenanalysen von Boden und Wasser spezialisiert und wurde damals von den Moskauer Forschern um Dr. Evgeniy M. Kolesnikov um Mithilfe gebeten.

Kolesnikov, der seit über 20 Jahren das Tunguska-Ereignis untersucht, war bereits zweimal als Gastwissenschaftler mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Leipzig, um sich mit den Isotopenexperten zu beraten. "Eine solche Einreicherung des schweren Kohlenstoff-Isotopes 13C direkt an der Grenze des Permafrostbodens von 1908, die wir wiederholt in mehreren Torfprofilen aus dem Katastrophengebiet registriert haben, ist mit keinem terrestrischen Prozess zu erklären. Die Schlussfolgerung liegt also nahe, dass die Tunguska-Katastrophe eine kosmische Ursache hat und dass wir auf die Spuren dieser Materie gestoßen sind", erklärt Dr. Tatjana Böttger vom UFZ. In Frage kommt dafür beispielsweise ein Asteroid vom Typ C wie Mathilde 253 oder ein Komet wie Borelly.

Publikationen:
KOLESNIKOV,
E.M. LONGO, G., BOETTGER, T., KOLESNIKOVA N.V., GIOACCHINI, P., FORLANI, L., GIAMPERI, R., SERRA, R. (2003).
"Isotopic-geochemical study of nitrogen and carbon in peat from the Tunguska Cosmic Body explosion site". Icarus 161
(2): 235-243.
(ICARUS is the official publication of the Division for Planetary Sciences of the American Astronomical Society.)

KOLESNIKOV, E.M., STEPANOV, A.I., GORIDKO, E.A., BÖTTGER,T., KOLESNIKOVA, N.V. (2000). Isotopic and elemental anomalies in peat from the Tunguska Cosmic Body explosion epicentre are the probable traces of cosmic material presence. - In: Special issue "90 anniversary of Tunguska meteorite", ed. Romeiko, B.A., Moscow, MGDTDJ-Department of astronomy and astronautics, 43-49

KOLESNIKOV, E. M., BÖTTGER, T., KOLESNIKOVA, N. V. (1999).
Finding of probable Tunguska Cosmic Body material: isotopic anomalies of carbon and hydrogen in peat. - Planetary and Space Science 47, 6-7, 905-916

Tilo Arnhold | UFZ Leipzig-Halle
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=640
http://www.ufz.de/data/UFZ_XII_FT12_Klimaentwicklg4360.pdf

Weitere Berichte zu: KOLESNIKOVA Katastrophengebiet Tunguska Tunguska-Katastrophe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unter hohem Druck elastisch: Bayreuther Forscher erschließen Zusammensetzung des Erdmantels
30.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE