Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körperkunst gibt Hinweis auf Sprache bei Neandertalern

28.03.2008
Hunderte primitive "Malkreiden" gefunden

Aus Mangan-Pigmentstücken, die Wissenschaftler bei Ausgrabungen entdeckten, schließt Francesco d'Errico von der Universität von Bordeaux, dass Neandertaler sprechen konnten. Ob die Urmenschen Sprache besaßen ist bislang nicht geklärt.

Neandertaler hätten die dunklen Kreide-ähnlichen Malstifte aber benutzt, um ihre eigene helle Haut oder Tiere zu markieren, vermutet der Wissenschaftler. Körperkunst sei ein Mittel der Kommunikation und zeige, dass Neandertaler sprechen konnten, so d'Errico gegenüber New Scientist.

Gemeinsam mit Marie Soressi vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie entdeckte d'Errico in Pech de l'Azé in Frankreich Hunderte von schwarzen Mangan-Pigmentblöcken. Bereits an 39 anderen Fundorten waren ähnliche Stücke aufgetaucht. Die Pigmente hätten die Neandertaler nicht nur zur Tarnung benutzt, sondern primitive "Malkreiden" gefertigt. Mit den flachen, länglichen Oberflächen der Fundstücke hätten gut sichtbare gerade Linien gezeichnet werden können. "Vermutlich sind damit abstrakte Zeichnungen angefertigt worden", so d'Errico.

... mehr zu:
»Körperkunst »Neandertaler

Für die Weitergabe der Zeichenbedeutung und der Herstellungstechnik der Kreiden sei Sprache nötig gewesen, vermutet der Forscher. Körperkunst sei zudem nicht das einzige Mittel zur symbolischen Kommunikation gewesen. Neandertaler trugen Schmuckstücke, wie zum Beispiel Ketten aus Perlen. Auch der frühe Homo Sapiens, der vermutlich gleichzeitig mit den Neandertalern existierte, schmückte sich mit Ornamenten. Diese unterscheiden sich nach den Fundorten, was als Zeichen der ethnischen und kulturellen Vielfalt gedeutet wird. D'Errico behauptet nun, dass selbiges auf die Neandertaler zutrifft.

Wissenschaftler wendeten oft unterschiedliche Standards für Neandertaler und den frühen Homo Sapiens an, kritisiert d'Errico. Beweise für Bestattungen, Fürsorge für die Schwachen und soziale Zusammenarbeit würden stets unterschiedlich interpretiert. "Manche Archäologen bringen diese Eigenschaften beim frühen Homo Sapiens gerne mit Sprache in Verbindung, verneinen den Zusammenhang allerdings im Fall des Neandertalers", so Anthropologe Erik Trinkaus von der Washington University.

Sollten Neandertaler tatsächlich gesprochen haben, bedeute das jedoch nicht, sie hätten ähnlich wie Menschen kommuniziert. In der Forschung gäbe es keinen Hinweis, dass sie jemals ein ähnlich hohes kulturelles Niveau erreicht hätten, wie der moderne Mensch, erklärt der Linguist Phillip Lieberman von der Brown University. "Neandertaler besaßen Sprachvermögen, aber in ihren sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten waren sie den modernen Menschen unterlegen, die ihnen nachfolgten."

Georg Eckelsberger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.u-bordeaux1.fr/

Weitere Berichte zu: Körperkunst Neandertaler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

nachricht Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bewohner der Arktis aus?
18.05.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie