Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesiges Stück Schelfeis zerborsten

27.03.2008
Antarktis: Forscher beobachten Rissbildung im Eis

Plötzlich ging ein Riss durch das Eis und ein riesiger Eisberg löste sich aus dem Schelfeis der Antarktis. Forscher der Universitäten Münster und Bonn haben das Schauspiel verfolgt. Als Ursache vermuten sie Auftriebskräfte, die auf unterschiedlich dicke Eisregionen wirken.

Dr. Angelika Humbert von der Arbeitsgruppe Polargeophysik der Universität Münster und ihr Kollege Dr. Matthias Braun vom Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche der Universität Bonn haben anhand von Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA über Jahre hinweg die Entwicklung einer sensiblen Region im Wilkins-Schelfeis verfolgt, die das Schelfeis mit den beiden Inseln Charcot und Latady verbindet. Diese Region ist von zentraler Bedeutung für die Stabilität des Wilkins-Schelfeises. Bereits im Juli des Jahres 2007 haben die Wissenschaftler ein besonders spektakuläres Ereignis beobachtet: Innerhalb kürzester Zeit hat sich ein 52 Kilometer langer Riss im 200 bis 250 Meter dicken Eis gebildet. Der Riss ist in weniger als 30 Sekunden entstanden, so vermuten die Forscher.

Zwischen dem 28. und dem 29. Februar 2008 hat sich dann innerhalb von
24 Stunden der eigentliche Aufbruch ereignet. Das abgebrochene Stück ist nach Messungen der Forscher fast 400 Quadratkilometer groß - und in mehrere gigantische Eisberge zerborsten. Der Steg zwischen den beiden Inseln ist seit dem Bruch nur noch sechs statt 20 Kilometer breit, was sich vermutlich weiter auf die Stabilität des Schelfeises auswirkt.
... mehr zu:
»Schelfeis »Wilkins-Schelfeis

"Durch den Aufbruch haben sich bereits bestehende Schwächezonen vergrößert und vereinigt, so dass das gesamte Wilkins-Schelfeis mit einer Größe von 14.000 Quadratkilometern jetzt gefährdet ist", erklärt Dr. Humbert. "Spektakulär ist hierbei nicht der Bruch alleine, sondern dessen Effekt auf die gesamte schwimmende Eisplatte."

Der Bruch konnte insbesondere durch Radarbilder des Europäischen Umweltsatelliten ENVISAT eindrucksvoll dokumentiert werden. Zugute kam den Forschern dabei, dass derzeit im Rahmen des Internationalen Polarjahrs verstärkt Bilder dieses Sensors über den Polarregionen aufgezeichnet werden und durch die zunehmende Anzahl der Satelliten fast täglich Bilder der Region verfügbar werden.

Die Untersuchungen der Forscher zeigen, dass die Rissbildung im Schelfeis zwischen den beiden Inseln durch Auftriebskräfte entsteht:

"Die Eisplatte ist innen dicker als an den Außenseiten", erklärt Dr. Humbert. "Die Auftriebskraft führt dazu, dass im Eis Spannungen aufbauen. Wenn sich diese aufgestaut haben, dann knallt es irgendwann". Schmelzseen auf der Eisoberfläche spielen im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen keine Rolle.

Die Temperaturen entlang der Antarktischen Halbinsel sind im Vergleich zu anderen Regionen der Antarktis außergewöhnlich stark gestiegen.

Auch die Ozeantemperaturen zeigen einen Trend zur Erwärmung. Dies wirkt sich auf Schelfeise zweifach aus: Schmelzprozesse an der Unterseite von Schelfeisen werden verstärkt und damit möglicherweise auch Eisdickenunterschiede, die hier zum Aufbruch geführt haben. Zudem erwärmt sich die gesamte Eismasse und hat somit eine geringere Bruchzähigkeit, so die Forscher.

| Uni Münster
Weitere Informationen:
http://earth.uni-muenster.de/~ahumb_01
http://www.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Schelfeis Wilkins-Schelfeis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise