Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geowissenschaftliche Zeitreise: Gletscherdaten als Abfallprodukt des Kalten Kriegs

11.03.2008
Eine aktuelle Studienarbeit wertet vierzig Jahre alte Fotos eines Spionagesatelliten aus

Einen Brennpunkt der Diskussion um die globale Erderwärmung stellen die Gletscher des Himalaya-Gebirges dar. Genaue Angaben zu Volumenverlusten sind für diese Gebiete jedoch bisher selten. Aus diesem Grund widmet sich Tino Pieczonka in seiner von Prof. Dr. Manfred F. Buchroithner und Dr. Tobias Bolch betreuten Studienarbeit am Institut für Kartographie der TU Dresden der Erfassung und der Berechnung von Volumenänderungen der dortigen Gletscher.

Einen Schwerpunkt der Untersuchung bildet dabei der Khumbugletscher. Er ist Teil der Südroute zum Mount Everest und damit einer der bekanntesten und meist untersuchten Gletscher der Welt. Wie die meisten großen Gletscher des Untersuchungsgebiets ist auch der Khumbu ein Schuttgletscher. Seine Zunge ist nahezu vollständig von Geröll bedeckt. In seiner Arbeit untersucht Tino Pieczonka die Volumenänderungen des Khumbu-Gletschers. Grundlage bilden dabei zwei digitale Geländemodelle, die mithilfe von Satelliten-Aufnahmen der Jahre 1962 und 2002 erstellt wurden. Während das Modell des Jahres 2002 bereits fertig zur Verfügung stand, ist die Entwicklung des früheren Modells Bestandteil der Studienarbeit.

Die Aufnahmen des Jahres 1962 sind im Rahmen einer Mission des amerikanischen Spionagesatelliten CORONA entstanden. CORONA war der weltweit erste Aufklärungssatellit, entwickelt mit dem Ziel, Aufnahmen vom Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu gewinnen. Die Fotos wurden anfangs mit einer analogen Kamera aufgenommen und, da die Bildübermittlung per Funk noch nicht ausgereift war, mit Wiedereintrittskapseln zur Erde gebracht. Ein Flugzeug hatte damals die schwierige Aufgabe, die geheimen Daten noch in der Luft abzufangen. Die ersten der 1959 bis 1972 durchgeführten Missionen schlugen fehl; entweder waren die Bilder unscharf, fehlbelichtet, die Kamerablende klemmte, oder der Fallschirm der Sonde öffnete sich nicht. Die Satelliten der Folgeprogramme entwickelten die Filme deshalb vollautomatisch an Bord, scannten sie ein und funkten sie zur Erde.

... mehr zu:
»Gletscher

Durch den Vergleich beider Geländemodelle konnte Tino Pieczonka für den Khumbugletscher einen starken Volumenverlust nachweisen. In den Jahren von 1962 bis 2002 hat der Gletscher etwa 68 Mio. m³ seiner Eismasse verloren; das entspricht 18 Meter an Dicke. Bei diesem Rückgang spielt die Temperaturerhöhung eine dominierende Rolle: durch die Klimaveränderung hat sich das Gleichgewicht des Gletschers aus Eisgewinn und -verlust verschoben, so dass weniger Gletschereis neu gebildet wird, als durch Abtauen verloren geht. Das verstärkte Abschmelzen der Gletscher geht mit einem Pegelanstieg der Gletscherseen einher. Die Gefahr von Dammbrüchen wird dadurch verstärkt und bedroht zunehmend den Lebensraum der Nepalesen.

Zur besseren Einschätzung des Risikos solcher Katastrophen ist die weitere Überwachung des Abschmelzverhaltens der Gletscher des Himalaya Voraussetzung. So können frühzeitig die Entstehung und Entwicklung neuer Seen und die daraus entstehenden Gefahren dokumentiert werden.

Tino Pieczonka stellt die Ergebnisse seiner Studienarbeit im Rahmen der 23. Internationalen Polartagung an der Universität Münster vom 10. bis 14. März 2008 erstmals vor.

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Gletscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Knapp neun Milliarden Tonnen mehr CO2 durch El Niño
19.10.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie