Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Forschungsschiff SONNE zu den natürlichen Kohlendioxidaustritten im Okinawa-Trog

27.02.2008
Untersuchungen zu den möglichen Auswirkungen einer Tiefsee-Deponierung von CO2

Unter der Leitung von Prof. Dr. Gregor Rehder, Meereschemiker am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, startet am 2. März 2008 das deutsche Großforschungsschiff SONNE von Guam (USA) im zentralen Pazifik in das ostchinesische Meer. "SUMSUN" ist der offizielle Name der Expedition, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Das Kunstwort steht für "Studien zur marinen CO2-Sequestrierung durch Untersuchung natürlicher hydrothermaler CO2-Austritte im nördlichen Westpazifik".

Ziel der Fahrt ist der tiefe Bereich des Ostchinesischen Meeres zwischen Japan und Taiwan, der so genannte Okinawa-Trog. Hier tritt in drei Gebieten zwischen 1200 bis 1600 m Wassertiefe flüssiges Kohlendioxid aus - ein weltweit einzigartiges Vorkommen.

Die Prozesse, die zu diesen CO2-Quellen führen, stellen für sich ein sehr interessantes Phänomen für die Meeresforschung dar. Dennoch ist die Expedition SUMSUN im Wesentlichen einer eher angewandten Fragestellung gewidmet: unter natürlichen Bedingungen wird untersucht, wie sich eine Deponierung von Kohlendioxid in der Tiefsee auf Meeresfauna, umgebende Sedimente und Wasserkörper auswirken könnten.

Um die globale Temperaturerwärmung in vertretbaren Grenzen zu halten (2°C Klimaziel der Bundesregierung) werden derzeit verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen von Kohlendioxid in die Atmosphäre diskutiert. Dazu gehört auch die Abtrennung und Deponierung von Kohlendioxid aus Kraftwerken und Großindustrie. Neben der Einlagerung in geeignete geologische Formationen an Land wird die Einlagerung in Sedimente der Tiefsee in Betracht gezogen. Besonders interessant ist eine solche Option durch die Tatsache, dass bei der Lösung von Kohlendioxid die Dichte des Wassers in den Sedimenten erhöht wird, dadurch hat das CO2 nur eine geringe Tendenz, in das Ozean-Atmosphärensystem zurückzugelangen. Auch die Fähigkeit des Kohlendioxids, in Wassertiefen unterhalb etwa 400 m mit Wasser Kohlendioxidhydrate zu bilden (ganz analog zu den spätestens seit Frank Schätzings "Der Schwarm" bekannten Methanhydrate), stellt einen zusätzlichen "Sicherheitsmechanismus" für ein solches Verfahren dar.

Doch der saure, chemisch reaktive Charakter des Kohlendioxids wirft auch viele Fragen auf, etwa nach der Anpassungsfähigkeit von Mikroorganismen, der Auswirkung auf die Fauna des Meeresbodens oder eine mögliche Freisetzung von Schwermetallen. Daneben gilt es auch, Aussagen über das Verhalten von flüssigem Kohlendioxid im Falle eines Entweichens in die Wassersäule zu machen: Wie verhalten sich die aufsteigenden CO2-Tropfen, wie schnell steigen sie auf, wie schnell wird das Kohlendioxid im Wasser gelöst und welchen Einfluss hat die Bildung von Gashydraten an der Grenze zwischen Wasser und Kohlendioxid auf diese Prozesse? Im Okinawa Trog, wo die Natur ein Demonstrationsexperiment für die Forschung vollführt, kann diesen Fragen in idealer Weise nachgegangen werden.

Das wissenschaftliche Team um Gregor Rehder besteht aus insgesamt 27 Forschern aus dem IOW, dem MARUM - Zentrum für marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen, dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen, der Universität Bremen und dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Verstärkt wird die Gruppe durch Forscher vom Japan Marine Science and Technology Center (JAMSTEC) und dem National Institute of Advanced Science and Technology (AIST), zwei der führenden meereswissenschaftlichen Institute Japans, die zudem große Erfahrung in den Arbeitsgebieten haben.

Wichtigstes Arbeitsgerät ist der bis 4000m Wassertiefe einsetzbare Tauchroboter QUEST 4000 des MARUM. QUEST bietet nicht nur direkte Einblicke in die Welten der Tiefsee durch Videokameras und Sonare, mit seiner Hilfe können gleichzeitig Messungen durchgeführt und Proben genommen werden.

Die Fahrt SO 196 können Sie im Internet unter http://www.io-warnemuende.de/sonne196 verfolgen. Die Fahrt endet am 26. 3. in Manila, Phillipinen.

Kontakt:
Dr. Barbara Hentzsch, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
Tel.: 0381 5197 102, Fax: -105, email: barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de/sonne196 - regelmässige Bilder von Bord
http://www.bgr.de/fs_sonne/ - Informationen zum Forschungsschiff Sonne
http://www.marum.de/QUEST_4000_m.html - Informationen zum Tauchroboter QUEST
http://www.rf-bremen.com/sonne.php - Informationen zum Forschungsschiff Sonne

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de/sonne196

Weitere Berichte zu: Forschungsschiff Kohlendioxid Okinawa-Trog Sonne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Good vibrations feel the force

23.02.2018 | Physik Astronomie

Empa zeigt «Tankstelle der Zukunft»

23.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics