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Überwachungsmessungen am Meißner Burgberg

24.01.2008
Das Geodätische Institut der TU Dresden werte Daten vom "Großen Wendelstein" aus, die mit einer ungewöhnlichen Messmethode erhoben werden

Im Zuge der Renovierung der Albrechtsburg Meißen wurde auch der so genannte "Große Wendelstein", ein Rundturm, dessen Bau im Jahr 1485 gemeinsam mit dem Mittelteil der Burg fertiggestellt wurde, aufwendig saniert.

Das Geodätische Institut der TU Dresden, in Fachkreisen bereits bekannt für seine ausführlichen Überwachungsmessungen bei der Renovierung der Dresdner Hofkirche, wurde vor kurzem gebeten, eine Messstation zu entwickeln, die direkt im Turm Platz findet. Sie sollte in der Lage sein, die Neigung des Wendelsteins gegenüber der Albrechtsburg mit einer Genauigkeit von 0,1 Millimeter festzustellen - ein komplizierter Auftrag.

Der Bauherr, der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), Niederlassung Dresden I, erhofft sich in Zukunft zuverlässige Auskunft über Risse im Bauwerk: sind sie durch normale jahreszeitliche Schwankungen bedingt oder gibt es vielleicht noch andere Einflüsse auf die Neigung des Turmes?

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern hat Prof. Michael Möser eine Messapparatur entworfen, die die Entfernung zwischen zwei Referenzpunkten - einer direkt im Meißner Dom, einer an der Außenseite des Wendelsteins - misst, oder genauer: durch Hilfsmessungen berechnet. Denn die direkte Entfernung von ca. zehn Metern kann durch Wände, Treppen und Mauern hindurch an dieser Stelle unmöglich direkt festgestellt werden. Prof. Möser behalf sich anders: er installierte zwei Geräte, die jeweils über einen Flüssigkeitshorizont optoelektronisch ihre eigene Neigung mit einer Genauigkeit von 0,005 mm/m messen, und rechnete dann die Differenz der beiden Winkelmaße in die Neigung des Turms um.

Aller fünfzehn Minuten werden diese Messungen nun durchgeführt und über eine Telefonleitung an die Universität übertragen. Dort können die Forscher die Daten direkt auswerten. In den drei Betriebsmonaten sind so schon knapp 10.000 Messungen zusammengekommen, die auf ihre statistische Analyse warten.

"Wir erhoffen uns durch die Auswertung Informationen über die Notwendigkeit und den Zeitpunkt etwaiger weiterer Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen", erklärt Prof. Möser. Den Zeitpunkt, da der Schnee im Frühling langsam taut und die ersten Sonnenstrahlen das Gebäude erwärmen, wollen die Wissenschaftler noch abwarten, um genauere Auswertungen vornehmen zu können.

Was die ersten Daten angeht, kann der Wissenschaftler aber schon etwas beruhigen: in den vergangenen drei Monaten hat sich der Turm im Tages- und Jahresgang mit den entsprechenden Temperaturschwankungen in normalen Größenordnungen bewegt. "Wenn in den nächsten Jahren diese Tendenz beibehalten wird, können wir von einer dauerhaften Stabilität ausgehen", prognostiziert Prof. Möser.

Informationen für Journalisten: Prof. Michael Möser, Tel. 0351 463-34249, E-Mail: ursula.adelt@tu-dresden.de oder Jan Schmidt, Tel. 0351 463-32852, Gunnar Lelle-Neumann, Tel. 0351 463-33781

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

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