Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert translationales Projekt zur Verbesserung der Strahlentherapie

10.05.2017

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert in den kommenden fünf Jahren das Forschungskonsortium ZiSStrans mit insgesamt rund vier Millionen Euro. Ziel des Gemeinschaftsprojektes, welches am Helmholtz Zentrum München koordiniert wird, ist die Erforschung neuer Möglichkeiten, die Strahlentherapie von Tumoren im Kopf- und Halsbereich zu personalisieren.

Unter dem Begriff Kopf-Hals-Tumoren werden verschiedene Krebsarten zusammengefasst, die in dieser Region auftreten, wie beispielsweise Mundhöhlen- oder Rachenkrebs. Ein zentraler Bestandteil der komplexen Behandlungsstrategien ist die Strahlentherapie – allein oder in Kombination mit Chirurgie und/oder Chemotherapie.


Bestrahlungsplan eines Kopf-Hals-Tumors

Quelle: Klinikum der Universität München

Schwierigkeiten ergeben sich allerdings, wenn die Tumoren eine sogenannte Strahlenresistenz aufweisen und auf die Bestrahlung nicht in dem Maße ansprechen wie gewünscht, oder wenn auftretende Nebenwirkungen ein Fortsetzen der Therapie verhindern.

„Hier soll das Projekt ZiSStrans ansetzen“, erklärt Koordinator Prof. Dr. Horst Zitzelsberger, Leiter der Abteilung Strahlenzytogenetik am Helmholtz Zentrum München. „Unser Ziel ist es, molekulare Signalwege und Zielstrukturen der Strahlenantwort zu identifizieren und in Patientenstudien zu überprüfen.“

Diesen Schritt bezeichnet man im Fachjargon als Translation, was auch den Projektnamen erklärt. Denn bei ZiSStrans handelt es sich um das translationale Folgeprojekt von „Zielstrukturen und Signalwege der Strahlenüberempfindlichkeit und –resistenz“, kurz ZiSS, das von 2012 bis 2017 lief. http://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/drittmittelforschung/ziss.html

Vor allem vom Vergleich zwischen Tumor- und Normalgewebe erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse. „Die Strahlenempfindlichkeit des umliegenden gesunden Gewebes begrenzt die Intensität, mit der eine Strahlentherapie durchgeführt werden kann, da hier Nebenwirkungen auftreten können“, erklärt Zitzelsberger.

Die Forscher wollen durch das Verständnis von Signalnetzwerken im Tumor- und Normalgewebe Möglichkeiten ausloten, wie man Strahlenantwort und –resistenz durch molekulare Wirkstoffe zielgerichtet beeinflussen beziehungsweise den Therapieerfolg verbessern kann.

Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsverbunds ist die personalisierte Therapie. Anhand neuer Marker soll bereits vor der ersten Strahlenbehandlung vorhersehbar werden, ob der jeweilige Patient von der geplanten Maßnahme profitieren kann oder nicht.

„Wir wollen künftig mit hoher Sicherheit sagen können, ob der Patient ein ‚Responder‘ oder ein ‚Non-Responder‘ ist – sprich, ob er auf die Therapie ansprechen wird oder ob man rechtzeitig andere Optionen erwägen muss“, sagt Koordinator Zitzelsberger.

Von den insgesamt vier Millionen Euro, die das BMBF zwischen 2017 und 2022 für das Projekt zur Verfügung stellt, bleiben rund 800.000 am Helmholtz Zentrum München. Neben Abteilungsleiter Zitzelsberger sind hier auch die Gruppen von Dr. Julia Heß und Dr. Kristian Unger beteiligt. Darüber hinaus sind folgende Partner in das Projekt involviert:

• Klinikum der Universität München (Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Prof. Lauber, Prof. Belka)
• Universitätsklinikum Essen (Institut für Zellbiologie, Prof. Jendrossek, PD Dr. Klein)
• Universitätsklinikum Freiburg (Klinik für Strahlenheilkunde, Prof. Henke)
• Charité-Universitätsmedizin Berlin (Institut für Pathologie, Prof. Blüthgen)
• Bundesamt für Strahlenschutz Neuherberg (AG Biologische Strahlenwirkungen, Dr. Hornhardt, Dr. Gomolka)
• Klinische Kooperationsgruppe „Personalisierte Radiotherapie von Kopf-Hals Tumoren“ zwischen der Klinik für Strahlentherapie & Radioonkologie, Klinikum der Universität München und der Abteilung Strahlenzytogenetik, Helmholtz Zentrum München

Weitere Informationen

Hintergrund:
Vor knapp einem Jahr haben Forscher des Konsortiums bereits eine neue Methode erarbeitet, um den Krankheitsverlauf von bestimmten Hirntumoren nach der Standardtherapie vorherzusagen. Im Fachjournal ‚Oncotarget‘ konnten sie zeigen, dass vier miRNAs den entscheidenden Hinweis geben können: https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/alle-pressemi... Ein entsprechendes Patent wurde bereits direkt angemeldet.

Auch im Bereich der Schilddrüse konnten die Forscher bereits Marker für strahlungsbedingte Tumoren identifizieren: https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/alle-pressemi...

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Die selbstständige Abteilung Strahlenzytogenetik (ZYTO) untersucht strahleninduzierte Chromosomen- und DNA-Schäden in Zellsystemen und menschlichen Tumoren. Im Mittelpunkt steht die Aufklärung von Mechanismen der Strahlenkarzinogenese und -empfindlichkeit von Tumorzellen. Ziel ist es, Biomarker für den Nachweis strahleninduzierter Tumoren für die personalisierte Strahlentherapie zur Stratifizierung von Patienten zu finden. ZYTO gehört dem Department of Radiation Sciences (DRS) an. http://www.helmholtz-muenchen.de/zyto

Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Horst Zitzelsberger, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung Strahlenzytogenetik, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 3421, E-Mail: Zitzelsberger@helmholtz-muenchen.de

Sonja Opitz | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Weitere Berichte zu: BMBF Gesundheit Strahlentherapie Strahlenzytogenetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Berührungslose Ladesysteme
16.11.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Studenten nehmen mit Frühwarnsystem für Geisterfahrer an internationalem Wettbewerb in Peking teil
15.11.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte