Energie & Elektrotechnik

Testanlage bestätigt positive Netzeigenschaften

Wochenlang haben die ENERCON Forschungsingenieure Matthias Bartsch, Martin Schellenschmidt und Simon Schrobsdorff in Kronprinzenkoog bei Brunsbüttel die ENERCON Windenergieanlage des Typs E-66 mit zwei Megawatt Nennleistung auf ihre Netzeigenschaften getestet.

ENERCON wählte eine Anlage in Schleswig-Holstein für die Versuche aus, da E.on Hanse (ehemals Schleswag) sich mit den Anlagentests an seinem Netz einverstanden erklärte. Unterstützt wurden die Elektrotechniker von zwei Mitarbeitern der Forschungsgemeinschaft für Elektrische Anlagen und Stromwirtschaft (FGH) und einem Kollegen vom Messinstitut Windtest. Kürzlich fand einer der wichtigen Kurzschluss-Tests dort vor einer offiziellen Jury statt: Netzeigenschaften wie etwa die Fähigkeit, während eines Kurzschlusses im Netz weiterhin Strom einzuspeisen, sollen zertifiziert werden.

Die E-66 lief auf Nennleistung, als ein Kurzschluss auf 25 Prozent der Nennspannung vorbereitet wurde. Der Kurzschluss fand entkoppelt vom Gesamtstromnetz statt, so dass nur die Testanlage damit konfrontiert wurde. Eine Spannung von 20.000 Volt wurde nun an den Versuchsaufbau gelegt. Sie sollte das Verhalten der Mittelspannung im normalen Stromnetz simulieren.

Die Netzspannung brach weg. Auf dem Laptopdisplay der Zertifizierer und Forschungsingenieure spiegelte eine Kurve das Verhalten der Windenergieanlage wider. „Sieht gut aus“, sagte Matthias Bartsch beim Blick auf das Display. „Wir nennen das: Der Kurzschluss wird durchfahren.“ Die Kurve zeigte, dass die E-66 vermehrt Strom ins Netz einspeiste, den so genannten Kurzschlussstrom. Der Kurzschluss dauerte drei Sekunden an. In dem Moment, wo er überstanden war, wurde von der Anlage sofort wieder die volle Wirkleistung zur Verfügung gestellt. In den ersten Sekunden speiste die Anlage mehr Wirkleistung als gewöhnlich ein, um die Haushalte verstärkt mit Strom zu versorgen.

Alle Beteiligten waren zufrieden. Die E-66 hatte den Test mit Bravour gemeistert. Zuvor hatte sie schon ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt, als es um die Abgabe von Blindleistung ging. Sie erhält in den nächsten Wochen als erste Windenergieanlage ein Produktzertifikat, das ihre erweiterten Netzeigenschaften bestätigt.



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