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Zwei genetische Faktoren für Multiple Sklerose identifiziert

31.07.2007
Immunsystem-Proteine spielen wesentliche Rolle

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Drei verschiedene Wissenschaftsteams haben neue genetische Risikofaktoren für die Entstehung der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS) entdeckt: Dabei handelt es sich um zwei Gene, die den Bauplan für Erkennungsproteine auf der Oberfläche von Immunzellen tragen. Wenn diese beiden Gene in bestimmten Varianten vorhanden sind, ist das Risiko an MS zu erkranken, um 20 bis 30 Prozent erhöht, berichten die Forscher in zwei Artikeln im Fachmagazin Nature Genetics sowie im Fachmagazin New England Journal of Medicine.


MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinschicht, die wie eine Isolierung um die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark wirkt, angreift. Das führt zu Störungen verschiedener Sinnesorgane bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen. Seit mehreren Jahren vermuten Forscher eine Kombination aus verschiedenen Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung als Ursache der Erkrankung. Konkret geht es bei der Neuentdeckung um die beiden Gene namens Interleukin-7 Rezeptor (IL7R) und das Interleukin-2 Rezeptor-Alpha (IL2R). Interleukin-2 und Interleukin-7 sind Immunsystemproteine, die eine Rolle in der Funktion der regulatorischen T-Zellen spielen.

Die drei Wissenschaftsteam analysierten tausende MS-Patienten europäischer Herkunft und fanden dabei heraus, dass eine Variation eines einzigen Basenpaares im IL7R das Risiko an MS zu erkranken um 20 Prozent erhöht. Das Risiko sei aber zu gering, um IL7R für einen Gentest brauchbar zu machen", meint Margaret Pericak-Vance, Genetikerinn an der University of Miami in Florida und Autorin einer der Studien. Es gebe sehr viele Menschen, die diese Genvariante tragen und nicht an MS erkranken, meint die Forscherin. "Wahrscheinlich sind es sogar 70 Prozent aller Europäer", so Pericak-Vance. Allerdings sehen die Experten durchaus brauchbare Erkenntnisse aus den Untersuchungen, wie der Neurologe George Ebers von der Oxford University, der nicht an den Studien mitarbeitete, meint. Es gebe Hinweise darauf, welche zugrunde liegenden Prozesse bei der Entstehung von MS eine Rolle spielen.

Das Forscherteam um David Hafler fand außerdem noch ein IL-2R genanntes Gen, das ebenfalls die Informationen für einen Interleukinrezeptor trägt und bereits mit anderen Autoimmunerkrankungen wie etwa Typ-1-Diabetes in Verbindung gebracht wurde. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Genvarianten wahrscheinlich zu einem Ungleichgewicht führen, infolgedessen der Körper sein eigenes Gewebe angreift. "Für die Entwicklung neuer Heilmethoden ist das Wissen allerdings schon nutzbar", meint Ebers.

Da das Erkrankungsrisiko von MS in verschiedenen Regionen und Ethnien der Welt äußerst verschieden ausfällt, nehmen die Wissenschaftler ein Zusammenspiel von genetischen- und Umweltfaktoren an. Die Arbeit hat aber auch deutlich gemacht, dass es neben dem vor knapp 30 Jahren entdeckten Humanen Leukozytenantigen (HLA) als Risikofaktor keine weiteren genetischen Risikofaktoren gebe, die einen derart starken Einfluss hätten. Menschen, die dieses Gen in sich tragen haben ein vierfach erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: content.nejm.org

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