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Von Saarbrücker Forschern entwickeltes Verfahren kann unter anderem Hunde- und Katzenfelle von Zuchtpelzen und Imitaten unterscheiden: Erstmals werden Routinekontrollen etwa bei Import und Export möglich.
In den USA sorgte die SIAM-Methode für einen handfesten Pelzskandal: Die Biochemiker der Saar-Uni fanden für die US-amerikanische Tierschutz-Vereinigung Humane Society of the United States heraus, dass als Imitate deklarierte Pelze tatsächlich vornehmlich von Marderhunden, einer mit den Hunden verwandten Tierart, stammten.
Millionen von Katzen, Hunden und Marderhunden werden unter schlimmsten Bedingungen gefangen gehalten, gequält, auf grausamste Weise getötet oder noch bei lebendigem Leibe gehäutet. Undeklariert oder mit irreführenden Bezeichnungen landen ihre Felle in der Bekleidungs- oder Spielzeugindustrie. So geschehen in den USA, wo zwar die Einfuhr und der Handel mit Katzen- und Hundefellen verboten ist, bisher aber nicht der Handel mit Marderhundfellen.
Kleidungsstücke mit Marderhundpelzen gelangten in die dortigen Warenhäuser - als angebliche Imitate von Kaninchen, Kojote oder Waschbär: Statt Kunstpelz, zur Zeit der absolute Modehit in den USA, kauften die ahnungslosen Verbraucher echtes Tierfell und wurden somit getäuscht.
Das fanden Saarbrücker Forscher für die Tierschutz-Vereinigung Humane Society of the United States mit Hilfe der SIAM- Methode heraus (SIAM steht für Species-Identification of Animals using MALDI-TOF-MS). Diese neue Technik beruht auf der so genannten MALDI-TOF-Massenspektrometrie und wurde am Institut für Technische Biochemie der Saar-Universität von Prof. Elmar Heinzle und Dr. Klaus Hollemeyer in Zusammenarbeit mit der Spin-off-Firma Gene-Facts GbR entwickelt. Zurzeit ist das Unternehmen Gene-Facts, das von Absolventen der Universität gegründet wurde, weltweit das einzige Labor, das die Methode kommerziell anbietet.
In Europa könnte das Verfahren aus Saarbrücken bald zu größerem Einsatz kommen. Auch hier sollen Katzen- und Hundefelle verboten werden. Die EU-Kommission will ein europaweites Handels- sowie Ein- und Ausfuhrverbot für Katzen- und Hundefelle und aus ihnen hergestellte Produkte verhängen - einen entsprechenden Vorschlag hat sie im November 2006 dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt. Anfang 2008 wird mit der Verordnung gerechnet. Bislang gab es nur nationale Verbote in einigen Mitgliedsländern, in Deutschland gibt es kein solches Verbot.
Damit ein europaweites Verbot auch durchgesetzt werden kann, werden verlässliche Prüfverfahren benötigt. Haustierfelle lassen sich vom Aussehen oder Anfühlen her kaum von teuren Pelzen oder Imitaten unterscheiden. Das stellt Kontrollbehörden vor Probleme. In ihrem Vorschlag hat die EU-Kommission aus drei Analysetechniken insbesondere die MALDI-TOF-Massenspektrometrie als geeignet und besonders zuverlässig bewertet.
Auch die britische Regierung und der amtliche Verbraucherschutz der Niederlande haben die Saarbrücker SIAM-Methode bereits prüfen lassen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigten, dass SIAM als einziges Verfahren die geforderte Zuverlässigkeit erreicht.
Ursprünglich war die SIAM-Methode als Instrument zur Qualitätskontrolle für Hersteller und Händler von Bettwaren entwickelt worden, um Enten- von Gänsedaunen zu unterscheiden. Schnell zeigte sich aber weiteres Potenzial: So macht es die biochemisch-physikalische Methode möglich, routinemäßig die Tierart auch bei Säugetieren und damit die Herkunft auch von Haaren nachzuweisen. Damit erlangt das Verfahren Bedeutung für den Schutz bedrohter Tierarten oder die schnelle und sichere Ermittlung von Fälschungen.
Ein weiteres Einsatzgebiet der Methode ist die Qualitätskontrolle von Textilien tierischen Ursprungs. Recht häufig wird die teure Wolle etwa von Kaschmir-Ziegen mit preiswerteren Produkten von Yak, Angorakaninchen oder Schaf gestreckt. Werden diese Verfälschungen nicht deklariert, werden die Verbraucher beim Kauf der Fertigprodukte arglistig getäuscht. Die SIAM-Methode kann nicht nur die Verfälschungen erkennen, sondern sie auch prozentual bestimmen.
Kern der Methode sind so genannte Spaltpeptide, die entstehen, wenn Proteine von Haaren oder Federn mittels spezieller biochemischer Techniken gespalten werden. Der Aufbau der Proteine und damit die daraus entstehenden Spaltpeptide der einzelnen Tierarten unterscheiden sich. Diese Unterschiede können mit Hilfe der MALDI-TOF-Massenspektrometrie sichtbar gemacht werden. So lassen sich anhand der artspezifischen Peptide Ente und Fasan ebenso zweifelsfrei erkennen wie Hamster, Nerz, Kaninchen, Kamel und Merinoschaf - oder eben Katze und Hund. Auch das menschliche Haar lässt sich identifizieren. Die Saarbrücker Methode deckt sogar zoologische Verwandtschaften auf. Je näher Arten verwandt sind, desto mehr identische Spaltpeptide gibt es.
Die SIAM-Methode kann routinemäßig etwa auf Flughäfen oder bei Grenzkontrollen eingesetzt werden. Erforderlich ist hierfür ein Massenspektrometrie-Gerät, das derzeit speziell zum Einsatz für die Stichproben entwickelt wird. Die Saarbrücker Biochemiker haben bereits Datenbanken mit den Peptidspektren bedrohter Tierarten und auch jenen Säugtieren erstellt, deren Wolle oder Felle legal oder illegal genutzt werden. Verdächtige Proben werden mit diesen Datenbanken verglichen und identifiziert.
Zum Pelzskandal in den USA: http://abcnews.go.com/GMA/story?id=2862608&page=1
Berichterstattung unter anderem in Good Morning America bei ABC News, FOX, CNN und weiteren.
Kontakt:
Dr. Klaus Hollemeyer: 0681 / 302-3721; k.hollemeyer@rz.uni-saarland.de
Wolfgang Altmeyer (Gene-Facts): Email: wolfgangaltmeyer@web.de
und info@gene-facts.com
Prof. Dr. Elmar Heinzle: 0681 / 302-2905, -3405; e.heinzle@mx.uni-saarland.de
Claudia Ehrlich | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: abcnews.go.com/GMA/story?id=2862608&page=1
www.uni-saarland.de
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