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Widerlegung einer jahrhundertealten Theorie
Mäuse mit einer sehr hohen Stoffwechselrate leben weit länger als ihre trägen Artgenossen, haben britische Forscher herausgefunden. Die Forscher nehmen nun an, dass auch die menschliche Lebenserwartung mit Medikamenten, die den Metabolismus (Stoffwechsel) ankurbeln, verlängert werden könnte, berichten sie im Wissenschaftsmagazin Nature.
Die Stoffwechselrate ist jene Stufe, bei der der Körper Nahrung verbrennt, um Energie zu produzieren. John Speakman von der Universität Aberdeen und seine Kollegen haben den Stoffwechsel von 42 Mäusen basierend auf dem Anteil von Sauerstoff, den sie verbrauchten, untersucht. Die Gruppe von Tieren mit den höchsten Stoffwechselraten lebte über ein Drittel länger als die Gruppe mit den niedrigsten Raten. Sie hatte einen circa 30 Prozent schnelleren Stoffwechsel, haben die Forscher herausgefunden. Wenn diese These auch auf Menschen zutrifft, bedeutet das, dass Menschen mit einem besonders raschen Stoffwechsel 27 zusätzliche Jahre an die durchschnittliche Lebenserwartung von 70 Jahren anhängen könnten.
Die Entdeckung stellt die jahrhundertealte Theorie in Frage, dass Tiere mit höheren Stoffwechselraten jünger sterben. Das beruht auf der Beobachtung, dass große Tiere mit niedrigen Stoffwechselraten, wie Elefanten, kleine mit hohen Raten, wie Mäuse, überleben: daher stammt auch das alte Sprichwort: "live fast - die young." Während sich dieser Trend bei dem Vergleich verschiedener Spezies bewahrheitet, könnte die neue Studie für Tiere einer Art genau das Gegenteil bedeuten. "Es war die totale Überraschung", so Speakman.
Das Geheimnis der Langlebigkeit könnte in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, liegen, die bei der Stoffwechselrate mitwirken. Sie benützen Sauerstoff, um Nahrungsmoleküle zu verbrennen und dadurch chemischen Brennstoff zu produzieren, der von der Zelle verwendet wird. Aber innerhalb dieses Prozesses werden auch schädliche freie Radikale generiert, die andere Moleküle beschädigen und mit dem Altern in Zusammenhang stehen. Speakmans Team hat den Beweis erbracht, dass Mäuse mit einer hohen Stoffwechselrate mehr kräftige "loslösende Proteine" haben, die bewirken, dass die Mitochondrien Hitze statt des Brennstoffs produzieren. Wenn mehr von ihrer Energie als Hitze austritt, müssen die Mitochondrien auf Höchstgeschwindigkeit arbeiten um genug chemischen Brennstoff für die Zelle zu generieren.
Gleichzeitig könnten die Mitochondrien effizienter arbeiten und weniger schädliche freie Radikale freisetzen, wodurch der Alterungsprozess verlangsamt würde. Speakman möchte nun untersuchen, ob eine höhere Stoffwechselrate ein Menschenleben verlängern kann, warnt aber auch davor, dass eine solche Lösung für das Altern kaum "um die Ecke zu finden" sei. Obwohl Drogen wie Amphetamine bekannt dafür sind, dass sie den Stoffwechsel anregen, können sie nicht gleichzeitig die Aktivität der loslösenden Proteine steigern, die den Schlüssel für die Einschränkung der Produktion der freien Radikale darstellen und somit potenziell Leben verlängern. Der Experte Wayne Van Voorhies warnt vor der Schwierigkeit, Präparate zu finden, die die Produktion entsprechender Proteine erhöhen. "Dabei bastelt man wirklich an fundamentalen Charakteristika der Zelle herum", so der Experte.
pressetext.austria | Quelle: Marietta Gross
Weitere Informationen: www.nature.com
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