Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Enzym an Entstehung von Alkoholismus beteiligt?

18.04.2001

Anzeige


Die Anfälligkeit für Alkoholismus scheint zumindest teilweise auf genetische Einflüsse zurückzugehen. Wie genau aber genetische Faktoren dazu beitragen, dass eine Alkoholsucht entsteht und aufrecht erhalten wird, konnte bislang noch nicht geklärt werden. Es gibt jedoch Anzeichen,dass neurochemische Substanzen dabei eine wichtige Rolle spielen. Laut Studien an der Universität Bonn scheinen die Erbanlagen mitzuentscheiden,in welchen Mengen solche Substanzen im Gehirn gebildet werden. Einem Enzym soll hierbei die Schlüsselrolle zukommen.

Eine Substanz, die zur Entstehung der Alkoholsucht beizutragen scheint, ist das Salsolinol. Es bildet sich im Gehirn aus Acetaldehyd, einem Abbauprodukt des Alkohols, und dem Nervenbotenstoff Dopamin. Im Experiment konnte bereits nachgewiesen werden, dass Tiere nach Salsolinol-Gabe mehr Alkohol zu sich nehmen. Dr. Frank Mußhoff vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität Bonn entdeckte nun Indizien dafür, dass zumindest ein Teil des Salsolinols durch ein Enzym gebildet wird. Personen, denen die genetische Information für dieses Enzym fehlt, sollten weniger Salsolinol bilden und daher vielleicht weniger schnell der Alkoholsucht verfallen als solche, die den Bauplan in ihren Genen mit sich herumtragen.

Dopamin wird für die Entstehung von Glücksgefühlen verantwortlich gemacht. Salsolinol wirkt ähnlich. Es wird vor allem in denjenigen Gehirnregionen gebildet, die für die Entstehung der Sucht verantwortlich gemacht werden. Bei Alkoholgenuss steigt dort der Salsolinol-Spiegel deutlich an - und damit auch die Stimmung des Zechers.

Salsolinol existiert in zwei Varianten, die als (R)- und (S)-Form bezeichnet werden und sich spiegelbildlich zueinander verhalten. Es bildet sich in geringen Mengen spontan, das heißt ohne Mithilfe eines Enzyms, sobald Acetaldehyd und Dopamin zusammen kommen. Dabei entstehen die (R)- und (S)-Form etwa gleich häufig. Im menschlichen Körper, so die Vermutung einiger Wissenschaftler, könnte die Reaktion aber auch durch ein spezielles Enzym katalysiert werden; in diesem Fall würde sich lediglich eine der beiden Varianten bilden. Mußhoff konnte nun tatsächlich nachweisen, dass in den Suchtzentren des Gehirns die (R)-Form etwa doppelt so häufig vorkommt wie die (S)-Form - ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil des Salsolinols durch ein Enzym gebildet wird.


Weitere Informationen: Dr. Frank Mußhoff, Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-8316, Fax: 0228/73-8368; E-Mail: f.musshoff@uni-bonn.de

Frank Luerweg | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Alkoholismus Alkoholsucht Enzym

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sharp images from the living mouse brain
07.02.2012 | Max Planck Institute for Biophysical Chemistry, Göttingen

nachricht Chemists Develop More Efficient Protein Labeling
07.02.2012 | North Carolina State University

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Im Focus: Notunterkünfte für Katastrophengebiete


Eine Notunterkunft muss schnell verfügbar, kostengünstig, leicht zu transportieren und unkompliziert im Aufbau sein.

In der Katastrophenhilfe ist daher das Zelt die erste Wahl. Doch oft wird aus dem Provisorium ein Dauerzustand, der sich über Jahre erstrecken kann. Ziel des Projektes Architekturstudierender am KIT: ein Ansatz, der die Lebensbedingungen in solchen Zeltlagern verbessert. Mit der sechseckigen Konstruktion „x-tent.me“ entwickelten sie eine Übergangsform zwischen temporärer ...

Im Focus: Was Larven hungrig macht


Viele Insektenlarven fressen Pflanzen und richten so in der Landwirtschaft Schaden an. Wie wird das Fressverhalten der Larven gesteuert, welche Hormone sind daran beteiligt? Das untersuchen Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Würzburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ihr Projekt.

Ob ein Mensch Hunger spürt oder sich satt fühlt, wird durch ein komplexes Signalnetzwerk in seinem Organismus bestimmt. Daran beteiligt sind Nervensystem, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse und Fettzellen, wobei diese Akteure über so genannte Neuropeptide wie Orexin und über Peptidhormone wie Insulin oder Leptin miteinander kommunizieren. Peptide von diesem Typus spielen im ...

Im Focus: Getriebelose 6-Megawatt-Windturbine am Markt


Siemens hat eine getriebelose Windenergieanlage mit sechs Megawatt (MW) Leistung für den Offshore-Einsatz auf den Markt gebracht.

Windturbinen ohne Getriebe zeichnen sich durch ein robustes Design und ein geringes Gesamtgewicht aus. Diese Kombination senkt Infrastruktur-, Installations- und Wartungskosten und steigert die Energieausbeute und damit die Rentabilität über die gesamte Lebensdauer der Anlage. Die Rotorblätter der SWT-6.0-Windturbine sind mit 75 Meter Länge die größten für 6-MW-Anlagen.

Sie basieren auf ...

Im Focus: Ultrahochspannung: Schalter für 1,2 Megavolt


Siemens hat den weltweit ersten Leistungsschalter entwickelt, der bei Spannungen von 1,2 Millionen Volt arbeitet.

Solche Ultrahochspannungen erhöhen die Übertragungskapazität von Stromleitungen und bieten so die Möglichkeit, auf relativ wenigen Trassen große Mengen elektrischer Energie zu transportieren.

Leistungsschalter werden in Umspannwerken eingesetzt, um einzelne Stromleitungen zu- oder abzuschalten. Der neue Schalter ist für eine Testinstallation im indischen Bina bestimmt. Indien setzt auf die Ultrahochspannungs-Technik, um seine ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Mit Hitze Daten speichern

07.02.2012 | Physik Astronomie

Sharp images from the living mouse brain

07.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Wir sind Übermorgenmacher

07.02.2012 | Architektur Bauwesen

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Zuverlässig und sicher fahren mit alternativen Antrieben

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

II. HHL-Energiekonferenz zu “Smart Cities“

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

GI-VDE-Forum zum Thema IT-Sicherheit auf der CeBIT am 9. März 2012 ab 11:00 Uhr

07.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp