Anzeige


Wie das Gehirn statische Bilder animiert, haben Bochumer Neurobiologen zusammen mit einem internationalen Forscherteam herausgefunden: Anders als bisher angenommen, sind dabei Nervenzellen aktiv, die sonst für die Verarbeitung von Bewegungswahrnehmungen zuständig sind. Über die Ergebnisse berichten die Forscher in NATURE vom 7. August 2003.
Wenn der Comic-Superheld seinen Düsenantrieb anwirft, wird’s rasant - und das obwohl sich im Bild eigentlich gar nichts bewegt. Die Animation statischer Bilder übernimmt das Gehirn selbst. Was dabei passiert, hat ein Bochumer Forscherteam um den Neurobiologen Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann in Zusammenarbeit mit Forschern am Salk Institute in San Diego, USA, und an der University of Western Australia herausgefunden: Anders als bisher angenommen, verarbeitet das Gehirn Informationen über Form und Bewegung nicht strikt getrennt. Die Nervenzellen, die für Bewegungen zuständig sind, sind auch bei der Betrachtung bestimmter statischer Formen aktiv. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Wissenschaftsmagazin NATURE vom 7. August 2003.
Menschen und Affen sehen Bewegung im statischen Bild
In der bildenden Kunst und in Comic-Zeichnungen wird eine Bewegung oft durch geschickt platzierte statische Formen suggeriert, in Comics z. B. durch sog. "Bewegungsstreifen". Wenn wir das Bild betrachten, erhalten wir den Eindruck eines sich bewegenden Objektes, ohne dass tatsächlich eine Bewegung im Bild stattfindet. Wie aber animiert unser Gehirn das Bild? Um dies herauszufinden, zeigten die Forscher Menschen und Affen Folgen von sog. Glass-Mustern (s. Abbildung). Sie enthalten keine wirkliche Bewegung, suggerieren dies aber durch die Anordnung der einzelnen Elemente, ähnlich wie die Bewegungsstreifen in Comics. Sowohl die Menschen als auch die Affen sahen Bewegung in diesen Mustern.
"Was"- und "wo"-Pfad im Gehirn
Ableitungen von Nervenzellen in der Hirnrinde der Affen zeigten, welche Hirnareale auf die Muster antworten. Die bisherige Annahme war, dass die Verarbeitung von Informationen über Form und Bewegungen strikt getrennt abläuft: Informationen über Form gelangen von der Sehrinde (primäres visuelles Areal der Hirnrinde) über den sog. "was"-Pfad zum Schläfenlappen (Temporalcortex) und dienen dort vor allem der Objekterkennung. Raum- und Bewegungsinformation gelangen über einen "wo"-Pfad zum Scheitellappen (Parietalcortex). Zur Überraschung der Forscher waren bei den Affen beim Betrachten der statischen Bilder Nervenzellen im Sulcus temporalis superior (STS) aktiv, einem Hirnbereich, der dem "wo"-Pfad angehört und damit eigentlich an der Verarbeitung realer Bewegungen beteiligt ist.
Scheinbare Bewegung beeinflusst die Wahrnehmung realer Bewegung
Dieselben STS-Nervenzellen antworten also sowohl auf eine reale als auch auf eine scheinbare Bewegung. "Es schloss sich daher die Frage an, ob scheinbare Bewegungen die reale Bewegungswahrnehmung beeinflussen", erläutern die Autoren. Ein weiteres Experiment bestätigte diese Annahme. Zeigt man den Probanden - Menschen wie Affen - eine reale Bewegung mit einem Bewegungsstreifen, der leicht von der korrekten Richtung abweicht, so nehmen sie eine abgebogene Bewegungsrichtung wahr. Auch diese Abbiegung spiegelt sich in einer Änderung der Aktivität der STS-Nervenzellen.
Sich zurechtfinden in einer dynamischen Umwelt
"Diese neuen Ergebnisse erweitern die Kenntnisse über das visuelle System und zeigen deutlich, dass die Einteilung in getrennte Verarbeitungspfade für Form und Bewegung nicht absolut ist", so die Forscher. "Das visuelle Bewegungssystem nutzt Informationen über Form, wenn damit die Deutung einer Szene verbessert werden kann." Möglicherweise hat das Bewegungswahrnehmungssystem eine Sensitivität für Form entwickelt, um die Detektion von schnellen Bewegungen zu verbessern. Beispiel: Ein fahrender Rennwagen. Bei hoher Geschwindigkeit verschwimmen Bilder, wobei dem Objekt horizontale Streifen zu folgen scheinen. Je schneller die Bewegung, desto schwieriger ist das Objekt erkennbar, desto einfacher jedoch die Streifen. So vervollständigt sich die Bewegungsverarbeitung; das visuelle System erreicht die Sensitivität, die es uns ermöglicht, uns in einer dynamischen Umwelt zurecht zu finden.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann,
Lehrstuhl für Zoologie and Neurobiologie
der Ruhr Universität Bochum, 44780 Bochum
Tel. 0234 - 32-24364, Fax: -14185
E-Mail: kph@neurobiologie.ruhr-uni-bochum.de
Bart Krekelberg, Ph. D., Vision Center Laboratory
The Salk Institute, La Jolla, Ca, USA
E-Mail: bart@salk.edu
Titelaufnahme
Bart Krekelberg, Sabine Dannenberg, Klaus-Peter Hoffmann, Frank Bremmer, John Ross: Neural correlates of implied motion. In: NATURE, Vol. 424, 7. August 2003, S. 674-677
Dr. Josef König | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.nature.com
Weitere Berichte zu: Affe > Nervenzelle
Startschuss für eine neue, internationale Forschungsinitiative zur Evolution der Insekten
03.02.2012 | Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig
New International Research Initiative on the Evolution of Insects officially started
03.02.2012 | Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig
„großartig“ – dieses Kompliment war gestern öfter von Prominenten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment, zum Thema Lichtkunstobjekte beim „Ball des Sports“ zu hören. Schon am roten Teppich wurde ihr Blick angezogen von zwei symbolträchtigen, magisch leuchtenden „sporttissimo“ - Lichtskulpturen mit dem Titel „EMOTION“. Ein Blickfang, dessen Wirkung sich niemand entziehen konnte.
Aber auch von weitem waren die in wechselnden Farben strahlenden Kunstobjekte, die eine stattliche Höhe von 4,5 m aufweisen, nicht zu übersehen. Dabei beeindrucken sie nicht nur durch Größe und Leuchtkraft, sondern auch durch die sympathische Symbolik. In abstrakter Form und dennoch deutlich erkennbar, setzen die Objekte den Moment der ...
Das 1KITE Projekt (1K Insect Transcriptome Evolution), in dem sich Forscher aus der ganzen Welt in noch nie dagewesener Weise zusammengetan haben, um das Geheimnis des evolutiven Erfolges der Insekten mittels Transkriptomen von 1.000 Insektenarten zu lüften, ist jetzt gestartet. Für die Dauer von drei Jahren werden fünf Millionen Euro vom Bejing Genomics Institute, dem größten nationalen Forschungsinstitut Chinas, zur Verfügung gestellt, um die Transkriptomdaten zu erheben.
1KITE umfasst ein internationales Team von renommierten Experten für molekulare Biologie, Morphologie, Paläontologie, Taxonomie, Embryologie und Bioinformatik. Rund 50 Wissenschaftler aus Australien, China, Deutschland, Japan, Mexiko, Österreich und den USA arbeiten im 1KITE-Projekt.
Aus Deutschland sind beteiligt: die Universität Bonn, das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, die Universität Jena ...
Pulsare können durch Materie, die von außen auf sie einströmt, nicht nur beschleunigt, sondern auch verlangsamt werden. Das erklärt einige Rätsel.
Pulsare gehören zu den exotischsten, bekannten Himmelskörpern. Sie besitzen Durchmesser von etwa 20 Kilometern, beinhalten aber in etwa die Masse unserer Sonne. Ein würfelzuckergroßes Stück ihrer ultrakompakten Materie würde auf der Erde mehrere hundert Millionen Tonnen wiegen.
Eine Unterklasse von ihnen, die Millisekundenpulsare, wirbeln zudem bis zu einige hundert Mal ...
Feinste Strukturen des Gehirns aufzudecken, um seine Funktionsweise zu enträtseln – diesem Ziel sind Forscher um Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie einen entscheidenden Schritt näher gekommen.
Mit der von Hell entwickelten STED-Mikroskopie ist es ihnen erstmals gelungen, scharfe Live-Bilder aus dem Gehirn einer lebenden Maus aufzunehmen. In einer bisher unerreichten Auflösung von unter 70 Nanometern haben sie die winzigen Strukturen sichtbar gemacht, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Diese Anwendung der STED-Mikroskopie eröffnet Neurobiologen und Medizinern neue ...
Durch Verwendung viraler Vektoren können mittels RNAi Genfunktionen in Insekten innerhalb kurzer Zeit studiert werden
Gelbe Biotechnologie ist die Biotechnologie mit Insekten, analog zur grünen (Pflanze) und roten (Tiere) Biotechnologie. Wirkstoffe oder Gene aus Insekten werden charakterisiert und können für die Forschung oder die Anwendung in Landwirtschaft oder Medizin eingesetzt werden.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, verwenden jetzt ein Verfahren, mit dem sie die ...
Anzeige
Anzeige

Startschuss für eine neue, internationale Forschungsinitiative zur Evolution der Insekten
03.02.2012 | Biowissenschaften Chemie
Microscopy Reveals ‘Atomic Antenna’ Behavior in Graphene
03.02.2012 | Materialwissenschaften
Kölner zeigen, dass es geht: Klimaschutz passt in den Alltag
03.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Konferenz EBL 2012 zu elektronischen Baugruppen und Leiterplatten
03.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Den Umstieg zur LED-Beleuchtung erfolgreich meistern
03.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Chaos, Unsicherheit und Risiko
03.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten