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Wenn Tumore wiederkehren

30.06.2015

Wissenschaftler finden neue genetische Variationen bei Neuroblastomen

Bösartige Zellen können lernen, sich gegen eine Behandlung zur Wehr zu setzen – das gilt auch für Neuroblastome, solide Tumore, die im Kindesalter auftreten. Genetische Untersuchungen mittels Next Generation Sequencing ermöglichten einer Forschergruppe um Kinderonkologen der Charité – Universitätsmedizin Berlin neue Einblicke in das Tumorerbgut.

Im aktuellen Fachmagazin Nature Genetics* beschreiben die Wissenschaftler molekulare Kennzeichen, sogenannte Signaturen, die den Tumor verändern und gegenüber einer Therapie resistent werden lassen.

Heilungsraten von etwa 80 Prozent in der Behandlung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gehören zu den Erfolgsgeschichten der Medizin. Bei einem Wiederauftreten des Tumors sind die Behandlungsmöglichkeiten allerdings noch immer begrenzt. Besonders schlecht sind die Heilungsaussichten im Fall von Neuroblastomen.

Die genetischen Unterschiede zwischen Ersterkrankung und einem wiederkehrenden Tumor haben nun Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Angelika Eggert und Prof. Dr. Johannes Schulte, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité, untersucht. Dabei konnten sie neue molekulare Signaturen im Tumorgenom junger Neuroblastompatienten ausmachen, die zu einer Resistenz gegenüber einer Chemotherapie führen.

In den wiederkehrenden Tumoren haben die Wissenschaftler zudem veränderte genetische Muster und Genmutationen identifiziert, die jetzt als neue Angriffspunkte für gezielte Therapien geprüft werden. „Mit den Ergebnissen der Studie haben wir erstmalig Anhaltspunkte, an welchen Stellen wir die Widerstandskraft der aggressiven Rückfalltumoren mit neuen Medikamenten angreifen können und gegen welche Strukturen auf der Oberfläche der Neuroblastome Medikamente entwickelt werden müssen“, sagt Prof. Angelika Eggert.

Die Untersuchung ist in Kooperation mit Forschern des Universitätsklinikums Essen, des Universitätsklinikums Köln und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg realisiert worden. Das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung, DFG und EU haben das Projekt gefördert.

„Bei wiederkehrenden Neuroblastomen steht die ärztliche Kunst derzeit vor kaum überwindlichen Problemen. Unsere Analysen eröffnen möglicherweise in den nächsten Jahren neue Perspektiven für die bislang oft tödlich verlaufende Erkrankung“, hofft Prof. Johannes Schulte. Die Wissenschaftler werden ihre Arbeiten mithilfe von Förderungen durch die Einsteinstiftung und das Berlin Institute of Health (BIH) an der Charité sowie am Max Delbrück Zentrum Berlin fortführen.

* Alexander Schramm, Johannes Köster, Yassen Assenov, Kristina Althoff, Martin Peifer, Ellen Mahlow, Andrea Odersky, Daniela Beisser, Corinna Ernst, Anton G. Henssen, Harald Stephan, Christopher Schröder, Lukas Heukamp, Anne Engesser, Yvonne Kahlert, Jessica Theissen, Barbara Hero, Frederik Roels, Janine Altmüller, Peter Nürnberg, Kathy Astrahantseff, Christian Gloeckner, Katleen De Preter, Christoph Plass, Sangkyun Lee, Holger N. Lode, Kai-Oliver Henrich, Moritz Gartlgruber, Frank Speleman, Peter Schmezer, Frank Westermann, Sven Rahmann, Matthias Fischer, Angelika Eggert & Johannes H. Schulte. Mutational dynamics between primary and relapse neuroblastomas. Nature Genetics. 2015 June 30. doi:10.1038/ng.3349.

Weitere Informationen:

http://www.charite.de
http://paedonko.charite.de/

Dr. Julia Biederlack | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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