Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ulmer Doktorand entdeckt für ausgestorben erklärte Froschart in Costa Rica

20.06.2017

In Costa Rica ist dem Ulmer Doktoranden Randall Jiménez ein spektakulärer Fund geglückt: Er hat ein Exemplar des für ausgestorben erklärten Rotbauchfrosches (Craugastor escoces) entdeckt. Das Weibchen wird nun an der Universidad de Costa Rica untersucht – mit dem Ziel, die Wiederansiedlung der Froschart zu ermöglichen. Angesichts des weltweiten Amphibiensterbens gibt die Wiederentdeckung Hoffnung: Rund ein Drittel der Arten gelten als vom Aussterben bedroht. Dementsprechend groß waren die Freude und das Medienecho in Mittelamerika.

Seit rund 30 Jahren war die Froschart „Craugastor escoces“ nicht mehr in ihrer Heimat Costa Rica gesichtet worden. So wurde die Spezies mit dem charakteristischen roten Bauch 2004 von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) für ausgestorben erklärt.


Totgeglaubte leben länger. Ein Exemplar der für ausgestorben erklärten Froschart Craugastor escoces wurde wiederentdeckt

Foto: Gilbert Alvarado (Universidad de Costa Rica)


Der Doktorand Randall Jiménez bei der Forschung im Feld

Foto: privat

Doch dann gelang dem Ulmer Doktoranden Randall Jiménez und seinem Kollegen Gilbert Alvarado, Wissenschaftler an der Universidad de Costa Rica (UCR), der Sensationsfund: In einem Nationalpark konnten sie ein Exemplar der totgeglaubten Spezies fangen, das nun an der UCR untersucht wird. Aus den Forschungsergebnissen erhoffen sich die Wissenschaftler Hinweise darauf, wie sie die wiederentdeckte Froschart künftig schützen können.

Weltweit werden rund ein Drittel der Amphibienarten als vom Aussterben bedroht eingestuft. Professorin Simone Sommer, Leiterin des Ulmer Instituts für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik, vergleicht das Massensterben dieser taxonomischen Gruppe sogar mit der Auslöschung der Dinosaurier. Neben der Zerstörung ihres Lebensraums, dem Klimawandel und Pestiziden scheint die Infektion mit dem so genannten Chytrid-Pilz eine große Rolle zu spielen.

Dieser Pilz blockiert offenbar die Sauerstoffaufnahme der Amphibien über die Haut und greift das Nervensystem an. Bei der Abwehr des Chytrid-Pilzes scheint die bakterielle Zusammensetzung der Hautbakterien, das sogenannte Haut-Mikrobiom, eine große Rolle zu spielen.

Von der oft tödlich verlaufend Pilzinfektion potentiell betroffen ist auch die Froschart „Lithobates vibicarius“, doch einzelne Individuen scheinen resistent zu sein. Die Bedeutung des Haut-Mikrobioms für den Gesundheitszustand dieser Frösche wird von Simone Sommers Doktoranden Randall Jiménez an der Universität Ulm erforscht.

Im September 2016 machten er und sein Forscherkollege Gilbert Alvarado (UCR) bei der Feldforschung im Nationalpark Juan Castro Blanco (Provinz Alajuela, Costa Rica) eine ungewöhnliche Entdeckung: „Wir arbeiteten bei Nacht an einem Bachlauf. Plötzlich sahen wir im Schein unserer Stirnlampen einen für dieses Gebiet ungewöhnlich großen Frosch, den wir nicht bestimmen konnten“, erinnert sich der Ulmer Biologe mit costa-ricanischen Wurzeln.

Bei einer Internetrecherche fanden die Nachwuchsforscher erste Hinweise auf ihren sensationellen Fang — und ein Experte der UCR bestätigte ihre Vermutung: Bei dem Froschweibchen handelte es sich um ein Exemplar der eigentlich ausgestorben geglaubten Art „Craugastor escoces“, auch bekannt als „Rotbauchfrosch“.

Doch nicht nur der Frosch, auch sein Fundort wirft Fragen auf: Das ehemalige Verbreitungsgebiet der Art liegt nämlich rund 15 Kilometer entfernt. „Ob eine kleine Population bereits seit Jahrzehnten in dem Nationalpark heimisch ist, oder sich erst kürzlich angesiedelt hat, bleibt Spekulation“, erläutern Sommer und Jiménez.

Aufgrund der Seltenheit ihres Fundes und des Artenschutzes lehnten die Biologen eine Tötung des Weibchens zu Forschungszwecken ab. Das sechs Zentimeter lange, nachtaktive Tier lebt seither in einem artgerechten Terrarium an der Universidad de Costa Rica: „Wir beobachten den Fundort weiter, um mindestens ein weiteres männliches Tier zu finden und mit dem Weibchen zusammenzubringen. So erhoffen wir uns Daten zur Reproduktion und Entwicklung der Spezies“, erklären die Forscher.

Im Feld solle die etwaige Populationsgröße von Craugastor escoces ebenso erfasst werden wie ihr Gesundheitszustand und mögliche Umwelteinflüsse am Standort, die das Überleben gefährden. Alle Untersuchungen haben das Ziel, die Froschart zu schützen und ihre Wiederansiedlung zu ermöglichen. Eventuell finden die Forscher bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur Bedeutung des Haut-Mikrobioms den Schlüssel für Resistenzen gegen Krankheitserreger wie den Chytrid-Pilz und somit für das Überleben einzelner Exemplare.

Die Wiederentdeckung des „Rotbauchfrosches“ wurde erst kürzlich bei einer Pressekonferenz im Rahmen der „Internationalen Umweltwoche“ an der Universidad de Costa Rica publik – und stieß auf großes mediales Interesse. Zuvor war bereits ein anderer, als ausgestorben eingestufter Frosch in dem mittelamerikanischen Land wiederentdeckt worden.

„Solche Funde geben Hoffnung, die Resistenzen einzelner Individuen beziehungsweise ganzer Arten zu verstehen und das weltweite Amphibiensterben letztlich zu reduzieren“, sind sich die Wissenschaftler einig.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Simone Sommer: Tel.: 0731 50-22660, simone.sommer@uni-ulm.de
Randall Jiménez (englisch): randall.jimenez@uni-ulm.de

Randall Jiménez and Gilbert Alvarado: Craugastor escoces (Anura: Craugastoridae) reappears after 30 years: rediscovery of an “extinct” Neotropical frog. Amphibia-Reptilia. Volume 38, Issue 2, pages: 257 –259

Weitere Informationen:

http://www.uni-ulm.de/nawi/nawi-home/nawi-detailseiten/news-detail/article/sensa... Video

Annika Bingmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte