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Regenwald: Straßen für den Artenerhalt? Alte Forstwege bieten Amphibien Überlebensperspektiven

11.10.2016

Senckenberg-Wissenschaftler haben die Auswirkung von alten Forstwegen auf die Artenvielfalt im Regenwald von Zentral-Guyana untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die angelegten Straßen für Amphibien von Nutzen sein können und diese daher nicht zwangsläufig geschlossen oder renaturiert werden sollten. Straßenrillen und dass sich darin stauende Wasser dienen in trockenen Zeiten beispielsweise Fröschen als Laichgebiete. Die Studie ist kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Ecology“ erschienen.

Braune Schneisen, die sich durch das sonst üppige Grün ziehen: Straßen, die durch den Regenwald verlaufen sind in der Regel kein erfreuliches Bild. „Wir haben nun die Auswirkungen von solchen Forstwegen auf die Artenvielfalt von Amphibien untersucht“, erklärt Dr. Raffael Ernst von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und fährt fort: „Damit haben wir uns aus der Vogel- in die Froschperspektive begeben.“


Die Laubfroschart Hypsiboas boans nutzt alte Forstwege als Laichgebiete.

© Senckenberg/Ernst


Besonders in trockenen Zeiten sichern die künstlichen Sekundärhabitate das Überleben einzelner Arten.

© Senckenberg/Ernst

Das internationale Wissenschaftlerteam rund um Ernst wollte unter anderem herausfinden, ob eine Renaturierung der Straßen eine für den den Erhalt der Artenvielfalt sinnvolle Maßnahme ist. „Wir konnten zeigen, dass das Wasser, das sich auf den Wegen staut besonders in Trockenzeiten, ein wichtiger Lebensraum für die Fortpflanzung von Fröschen sein kann“, erläutert Ernst.

In den wassergefüllten Fahrrinnen einer ungenutzten Straße fanden die Forscher beispielsweise Nester der Laubfroschart Hypsiboas boans. „Besonders in klimatisch für Amphibien ungünstigen Zeiten mit großen Trockenheiten sichern diese künstlichen Sekundärhabitate somit das Überleben einzelner Arten – auch solcher, die potentiell gefährdet sind“, ergänzt der Dresdner Amphibienforscher.

Als Aufforderung für das Anlegen weiterer Wege oder gar für den Holzeinschlag im Regenwald ist die Studie aber nicht zu verstehen. Ernst hierzu: „Natürlich ist es für den Wald und die darin lebenden Organismen am besten, wenn diese ungestört bleiben. Wir wollen aber zeigen, dass Renaturierungsmaßnahmen verschiedene Aspekte berücksichtigen müssen – nicht immer ist eine Rückkehr zum ‚ursprünglichen’ Zustand die beste Alternative für alle Organismen.“

Die Forscher empfehlen daher die Anpassungsfähigkeit von Arten an künstlich veränderte Lebensräume bei Schutz- und Renaturierungsstrategien zu berücksichtigen. Dies sei besonders in Zeiten des globalen Klima- und Landnutzungswandels wichtig.

„Grundsätzlich brauchen wir weitere und auf lange Zeiträume ausgelegte Untersuchungen, um die gesamten Interaktionen im Ökosystem Regenwald im Zuge seiner Bewirtschaftung zu verstehen“, resümiert Ernst und fügt hinzu: „Sonst besteht die Gefahr, dass wir einzelne Arten schützen, aber wichtige ökologische Funktionen verlieren.“

Kontakt
Dr. Raffael Ernst
Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
Tel. 0351 795841 4315
Raffael.Ernst@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Front Ecol Environ 2016; 14(7):353–355, doi:10.1002/fee.1314


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

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Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de/presse

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