Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungsverbünde zur Wasserforschung

25.08.2015

Tübinger Wissenschaftler erforschen, wie Europa mit zunehmenden Dürreperioden umgehen kann sowie die Wirkung von Mikroschadstoffen im Wasser

Die Universität Tübingen ist an zwei neuen Forschungsverbünden zur „Wasserforschung“ beteiligt, die vom Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg mit jeweils zwei Millionen Euro gefördert werden.


Wie wirken sich Mikroschadstoffe im Wasser auf einheimische Fische aus? Eff-Net untersucht mögliche Veränderungen von der Zelle bis zum gesamten Organismus und Ökosystem

Foto: Rita Triebskorn

In den kommenden fünf Jahren werden so an baden-württembergischen Universitäten interdisziplinäre Netzwerke zur Erforschung der Konsequenzen von Dürreperioden und zur Risikobewertung von Chemikalien in Gewässern aufgebaut. Die Anträge hatten sich in einem Auswahlverfahren mit einer international besetzten Gutachterkommission durchgesetzt.

Das Forschungsnetzwerk DRIeR (Droughts impacts, processes and resilience: making the invisible visible / Auswirkungen, Prozesse und Widerstandsfähigkeit im Zusammenhang mit Dürreperioden: Das Unsichtbare sichtbar machen) untersucht, wie in Trockenperioden Klima, Umwelt, Land- und Wassernutzung sowie Gesellschaft und politische Steuerungsstrukturen zusammenwirken.

Tübinger Wissenschaftler arbeiten hier gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Freiburg (Koordination) und Heidelberg. Da Dürreperioden künftig auch in unseren gemäßigten Breiten zunehmen und von Bedeutung sind, sollen die Ergebnisse auf einer öffentlichen Plattform aufbereitet und zugänglich gemacht werden. DRIeR wird so Vorschläge für ein verbessertes Risikomanagement in Dürreperioden erarbeiten, um negative Folgen für die Umwelt und die Gesellschaft zu minimieren.

Professorin Katja Tielbörger (Institut für Evolution und Ökologie) untersucht in diesem Verbund experimentell, wie widerstandsfähig (resistent) und erholungsfähig (resilient) Wald- und Grünlandökosysteme gegenüber extremen Trockenheitsereignissen sind.

Die Experimente simulieren dabei zum Beispiel Dürreperioden, wie sie auch in diesem Jahr aufgetreten sind. Die Ergebnisse gehen in Modelle ein, welche die Artenvielfalt sowie Ökosystemleistungen unter verschiedenen Dürreszenarien simulieren.

Diese werden wiederum an hydrologische Modelle gekoppelt, die von Kolleginnen und Kollegen in Freiburg und Heidelberg entwickelt werden. Die Erkenntnisse dieser ökologischen Studien werden genutzt, um Priorisierungen für ein angepasstes Management der Wasserressourcen zu vorzunehmen.

Kontakt:
Prof. Dr. Katja Tielbörger
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Evolution und Ökologie
Telefon: +49 7071 29-74246
katja.tielboerger[at]uni-tuebingen.de

Das Forschernetzwerk Eff-Net (Effect Network in Water Research / Wirkungszusammenhänge für die Risikobewertung von Chemikalien in Gewässerökosystemen) verbindet naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit sozialwissenschaftlichen und psychologischen Ansätzen, um die Auswirkungen von Spurenstoffen wie künstlichen Süßstoffen oder Pharmazeutika in Gewässerökosystemen zu untersuchen. Eff-Net will eine Toolbox zur Charakterisierung der biologischen Risiken solcher Umwelt-Schadstoffe etablieren, die chemische Analysenverfahren mit wirkungsbezogener Analytik auf neue Weise kombiniert, um einen vertieften Einblick in das Zusammenspiel von Wirkungen auf molekularer und höherer Ebene zu erhalten. Auf den Ergebnissen aufbauend sollen Konzepte zur effektiven Kommunikation mit Konsumenten und (Umwelt)gesetzgebern erarbeitet werden, um für Umweltproblematiken zu sensibilisieren.

Biologen und Chemiker der Universität Tübingen arbeiten in diesem Projekt eng zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie und der Universität Heidelberg (Koordination). So untersucht Professorin Rita Triebskorn (Institut für Evolution und Ökologie) die Wirkung solcher Stoffe bei einheimischen Fischen und wirbellosen Tieren, wobei mögliche Veränderungen vom Verhalten über zelluläre Effekte bis hin zu physiologischen Antworten der Organismen betrachtet werden.

Professorin Carolin Huhn (Institut für Physikalische und Theoretische Chemie) wird einige der ausgewählten Stoffe zunächst in ihrer Bindung an Rezeptoren, in den Modellorganismen und in Zellkulturen analytisch nachweisen, aber auch in einer Umweltbioanalytik die molekulare Stress-antwort der Organismen anhand der Konzentration von Neurotransmittern (bei Antidepressiva) und über das Glucocorticoidsystem (bei Antidiabetika und Süßstoffen) aufdecken. Zudem werden in Eff-Net bisher kaum beachtete Abbauprodukte der Medikamente mit berücksichtigt, die für die Untersuchungen zunächst aber in reiner Form hergestellt werden müssen, da sie nicht kommerziell erhältlich sind.

Professor Christian Zwiener (Zentrum für Angewandte Geowissenschaften, Umweltanalytik) beschäftigt sich mit Screening-Verfahren zum Nachweis der genannten Stoffe und ihrer Abbauprodukte im Wasser und in exponierten Organismen. Dazu werden neue Screening-Ansätze mit hochauflösender Massenspektrometrie und mit elektrochemischen Methoden für unbekannte Substanzen und deren Transformationsprodukte entwickelt.

Beteiligt ist zudem ein Startup an der Universität Tübingen, Biametrics, das mit einer speziellen Technik, der 1lambda Reflektometrie, die genannten Umwelt-Schadstoffe und ihre Transformationsprodukte daraufhin untersucht, ob sie im Organismus potentiell eine Wirkung auslösen können.

Kontakt:
Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Evolution und Ökologie
Telefon: +49 7071 29-78892
rita.triebskorn[at]uni-tuebingen.de

oder

Prof. Dr. Carolin Huhn
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Physikalische und Theoretische Chemie
Telefon: +49 7071 29-75655
carolin.huhn[at]uni-tuebingen.de

Antje Karbe | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Immunabwehr ohne Kollateralschaden
23.01.2017 | Universität Basel

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie