Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanopartikel im Frühstücksei

24.06.2015

Forscher der Universität Jena untersuchen in neuem Großprojekt die Langzeiteffekte von magnetischen Nanopartikeln auf den menschlichen Körper

Über Nanopartikel wurde in jüngster Zeit viel und heiß diskutiert. Diese Teilchen sind über 1.000 Mal dünner als ein Menschenhaar und kommen derzeit vor allem in Farben, der Elektronikbranche, der Medizin sowie der Pharmazie zum Einsatz.


Die Doktoranden Martin Rabel und Paul Warncke (v.l.) untersuchen mit einem aufgeschlagenen Hühnerei und Kontrastmittel die Langzeiteffekte von magnetischen Nanopartikeln.

Jürgen Scheere/FSU


Martin Rabel von der Universität Jena injiziert Nanopartikel in ein aufgeschlagenes Ei.

Jürgen Scheere/FSU

Beispielsweise sind magnetische Nanopartikel (MNP) aus Eisenoxid in Kontrastmitteln enthalten, die u. a. bei der Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt und vom Körper nur langsam ausgeschieden werden.

Welche Folgen die Nanoteilchen, neben der beabsichtigten Wirkung, langfristig für Menschen und die Umwelt haben und wie sie abgebaut und ausgeschieden werden, ist bisher jedoch nur unzureichend untersucht. Diese Lücken wollen Wissenschaftler aus ganz Deutschland nun im gerade gestarteten Projekt „Biologische Elimination komplexer diagnostischer Nanopartikel“ (NanoBEL) schließen, an dem die Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) maßgeblich mitwirkt.

In den nächsten drei Jahren werden die Wissenschaftler vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Gesamtsumme von über zwei Millionen Euro gefördert. Neben zahlreichen Partnern aus der Wirtschaft ist zudem das Jenaer Uniklinikum beteiligt. Mit der Beteiligung an diesem Projekt ist die FSU erneut Teil des Förderprogramms „Auswirkungen synthetischer Nanomaterialien auf den Menschen – NanoCare" des BMBF.

Die Jenaer Forscher gehen der Frage nach, welche Langzeiteffekte sich durch die Aufnahme von Nanopartikeln wie z. B. Kontrastmittel auf den Körper ergeben. „Gerade die Auswirkungen auf Patienten, die wiederholt mit Nanopartikeln behandelt werden müssen, sind bisher unklar“, so Prof. Dr. Dagmar Fischer, Teilprojektleiterin für die Uni Jena.

Die Professorin für Pharmazeutische Technologie geht außerdem davon aus, dass sich Unterschiede bei der Auswirkung von Nanopartikeln auf gesunde und kranke Organismen ergeben. Darüber hinaus soll auf lange Sicht eine Klassifizierung der verschiedenen Partikel möglich werden, so dass gezielt eine Vorhersage getroffen werden kann, wie bestimmte Partikel im Körper reagieren.

Ein weiteres Ziel von „NanoBEL“ ist die Entwicklung von Vorhersagemodellen für Nanosicherheit, um Versuche an Tieren zu vermeiden. Zum einen versuchen die Wissenschaftler die realen Bedingungen im Reagenzglas und an Zellen zu simulieren.

Zum anderen soll ein Hühnerei-Modell von Prof. Fischer eingesetzt werden. „Der Vorteil ist, dass es sich nicht um einen Tierversuch handelt und es relativ einfach, schnell und kostengünstig ist“, so die Pharmazeutin. Mit einer winzigen Nadel werden dabei die Nanopartikel in das aufgeschlagene Ei injiziert.

Die Unmengen an Daten, die in dem Projekt entstehen, werden in einer Datenbank erfasst und im engen Austausch mit der Datenbank des BMBF „Daten und Wissen zu Nanomaterialien (DaNa2.0)“ koordiniert. So sollen wissenschaftliche Daten allgemeinverständlich für die Öffentlichkeit zugänglich werden. „Die Daten durchlaufen ein Qualitätssicherungssystem, so dass die Öffentlichkeit einwandfreie Informationen zur Verfügung hat, um sich über das Thema Nanopartikel zu informieren“, so Dagmar Fischer.

Weitere Informationen zum Projekt, das unter dem BMBF-Förderkennzeichen 03XP0003 geführt wird, und zu Nanomaterialien: http://nanopartikel.info/.

Kontakt:
Prof. Dr. Dagmar Fischer
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Otto-Schott-Straße 41, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 949941
E-Mail: dagmar.fischer[at]uni-jena.de

Prof. Dr. Ingrid Hilger
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Jena
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641 / 9325921
E-Mail: ingrid.hilger[at]med.uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de
http://nanopartikel.info

Bianca Wiedemann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise