Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenmarkversagen und Osteoporose: Wenn Stammzellen gemeinsam altern

25.01.2017

In einer aktuellen Studie berichten Dresdner Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, wie Erkrankungen des Knochenmarks auch die Knochenstruktur selbst schädigen können. Bei myelodysplastischen Syndromen (MDS) ist die Maschinerie der Blutbildung aus Stammzellen gestört. Diese Knochenmarkveränderungen führen nicht selten zu einem Knochenmarkversagen. Die Studienergebnisse erschienen kürzlich im renommierten Fachjournal Leukemia (DOI: 10.1038/leu.2017.7).

Die Dresdner Arbeitsgruppen von Professor Uwe Platzbecker, Bereichsleiter Hämatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und Professor Lorenz Hofbauer, Direktor des UniversitätsCentrums für Gesundes Altern am Universitätsklinikum Dresden zeigten, dass alternde Blutstammzellen im Rahmen des MDS eine Osteoporose begünstigen können.


„Schneegestöber“ im Knochen: Ersatz von Knochenmark (blau) im Alter durch Fettgewebe (weiß).

Foto: Uniklinikum Dresden / Dr. Ann-Kristin Picke

„Myelodysplastische Syndrome (MDS) gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen zu wenige funktionsfähige Blutzellen aus den Stammzellen gebildet werden“, erklärt Professor Uwe Platzbecker, Bereichsleiter Hämatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I. Typischerweise betrifft ein MDS vor allem ältere Patienten. Die Blutstammzellen sitzen im Knochenmark in engem Kontakt zu den Knochenzellen, in der sogenannten hämatopoetischen Stammzellnische.

Dort tauschen die Knochenzellen und Blutstammzellen Signale untereinander aus. Erhalten die Knochenzellen aus ihrer Umgebung fälschlicherweise ein verstärktes Signal zum Knochenabbau, so entsteht Osteoporose (Knochenschwund). Diese Erkrankung kann zu Knochenbrüchen führen und so die Mobilität der betroffenen Patienten einschränken.

Die interdisziplinäre Studie, die vom DFG-Sonderforschungsbereich 655 und der José Carreras-Stiftung unterstützt wurde, untersuchte erstmalig die Auswirkungen alternder Blutstammzellen auf den Knochen. Die Untersuchungen wurden anhand von Mäusen mit MDS sowie Daten von etwa 980.000 Menschen durchgeführt. Ähnlich wie Menschen entwickelten die untersuchten Mäuse erst im Alter ein MDS. Dabei wiesen sie bereits vor dem Knochenmarksversagen eine deutliche Ausdünnung der Knochenstruktur auf.

„Die Befunde zeigen eine Voralterung des Knochens mit hoher Fragilität“, erklärt Professor Lorenz Hofbauer, Direktor des UniversitätsCentrums für Gesundes Altern. Doch trifft dieser Zusammenhang auch bei Menschen mit MDS zu? Diese Frage wurde anhand aufwendiger Datenanalysen von Diagnoseschlüsseln und Medikamentenverordnungen von knapp einer Million bei der AOKPlus Versicherten aus ganz Sachsen beantwortet.

„Patienten mit MDS besitzen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für eine Osteoporose, es betrifft Männer und Frauen gleichermaßen“, erläutert Professor Jochen Schmitt vom Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung der Hochschulmedizin Dresden.

Durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen gelang es den Dresdner Forschern erstmals, die Kommunikation zwischen den alternden Blut- und Knochenzellen bei MDS zu entschlüsseln: Die Störung der einen Zelle beeinflusst somit auch die Funktion der anderen. Diese Ergebnisse stellen die Grundlage für eine 2017 beginnende prospektive Studie zum Zusammenhang zwischen dem MDS und der Osteoporose in der BoHemE (Bone and Hematology in the Elderly)-Studie dar.

Publikation

Weidner H, Rauner M, Trautmann F, Schmitt J, Balaian E, Mies A, Helas S, Baschant U, Khandanpour C, Bornhäuser M, Hofbauer LC, Platzbecker U, „Myelodysplastic syndromes and bone loss in mice and men.“, Leukemia, 2017, doi: 10.1038/leu.2017.7.

Kontakte

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
und UniversitätsCentrum für Gesundes Altern

Medizinische Klinik I
Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker
Email: uwe.platzbecker@uniklinikum-dresden.de
Tel.: 0351 458 3858

Medizinische Klinik III
Prof. Dr. med. Lorenz Hofbauer
Email: lorenz.hofbauer@uniklinikum-dresden.de
Tel.: 0351 458 3173

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/universitaetscentren/universit...
http://www.nature.com/leu/journal/vaop/naam/abs/leu20177a.html

Konrad Kästner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IFAT 2018: Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen

26.04.2018 | Messenachrichten

Der Mensch im Zentrum: wandlungsfähige Produktion in der Industrie 4.0

26.04.2018 | Informationstechnologie

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics