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Größter fleischfressender Sonnentau Amerikas auf Facebook entdeckt

24.07.2015

Ein internationales Team von Botanikern aus Brasilien, den USA und der Botanischen Staatssammlung München hat eine neue fleischfressende Pflanze aus der Gattung Sonnentau (Drosera, Familie Sonnentaugewächse – Droseraceae) beschrieben, die auf einem - gar nicht so abgelegenen - Berg in Südost-Brasilien entdeckt wurde. Diese neue Art, die Drosera magnifica (der „Prächtige Sonnentau“) genannt wurde, stellte sich als der größte bisher bekannte Sonnentau Amerikas heraus, und kann eine Gesamtlänge von 1,5 m erreichen.

Die Pflanze formt lange, niederliegende und verzweigte Stämme, die spektakulären, fadenförmigen Fangblätter können bis zu 24 cm lang werden, das Ganze ergibt ein Medusa-artiges Gewirr von klebrigen, glitzernden, fleischfressenden Blättern.


Die riesige neue Sonnentau-Art Drosera magnifica in ihrem natürlichen Habitat. Foto: Paulo Gonella.

Obwohl Neuentdeckungen von bisher unbekannten Arten - auch heutzutage - an sich nicht ungewöhnlich sind, ist doch die Art, wie dieser neue, riesige Sonnentau entdeckt wurde einzigartig: es ist das erste Mal, dass eine neue Pflanzenart anhand eines Fotos entdeckt wurde, das auf dem sozialen Netzwerk Facebook gepostet wurde.

Ein Orchideenliebhaber und Naturforscher postete einige Fotos, die er gemacht hatte, als er einige Berge nahe seiner Heimatstadt in Bundestaat Minas Gerais von Brasilien bestieg. Auf einem der Fotos war ein Sonnentau zu erkennen, der von den Experten Fernando Rivadavia und Paulo Gonella sofort als neue Art erkannt wurde.

Die neuentdeckte Art wurde nun - zusammen mit einer detaillierten wissenschaftlichen Beschreibung und einer kurzen Geschichte zu ihrer ungewöhnlichen Entdeckung - in der botanischen Fachzeitschrift Phytotaxa veröffentlicht.

“Die Gattung Drosera, Sonnentau, stellt die größte Gruppe von fleischfressenden Pflanzen dar und umfasst etwa 250 Arten. Die meisten davon kommen auf der Südhalbkugel vor, insbesondere in Australien, Südafrika und Brasilien“, so Dr. Andreas Fleischmann von den SNSB, Botanische Staatssammlung München und Seniorautor der Veröffentlichung.

Sonnentau-Pflanzen haben Blätter, die dicht mit karnivoren Drüsen, sogenannten Tentakeln, besetzt sind, die klebrige Schleimtröpfchen ausscheiden. Diese glitzernden Tröpfchen auf den leuchtend roten Tentakeln sind wirkungsvolle, attraktive und doch tödliche Lockfallen für kleine Tiere, insbesondere fliegende Insekten.

„Sogar unter den feuchten, nebligen und regnerischen Bedingungen auf dem Berggipfel, auf dem diese Art vorkommt, sind die langen, fadenförmigen Blätter von Drosera magnifica doch überraschend dicht mit gefangenen Insekten übersät“, so Sonnentau-Experte Fernando Rivadavia, der die Pflanzen gleich 2014 am natürlichen Standort untersucht hat, nur kurz nach ihrer Entdeckung auf Facebook.

Bei vielen Sonnentau-Arten sind die Tentakel und sogar die Blätter zu Bewegungen fähig, und krümmen sich um die gefangene Beute, die dadurch mit immer mehr des klebrigen Schleims in Berührung kommt, und schließlich erstickt. Die Beute wird anschließend von Enzymen verdaut, die die Pflanze produziert.

Die Nährstoffe, die die Pflanzen von dieser tierischen Mahlzeit erhalten, kompensieren die Nährstoffarmut der Böden, auf denen die allermeisten fleischfressenden Pflanzen vorkommen.
Es ist interessant, dass so eine große und auffällige Pflanzenart so lange unentdeckt geblieben ist, obwohl sie nicht gerade auf einem sehr abgelegenen Berg inmitten des Amazonas-Dschungels vorkommt. Vielleicht ein Beispiel dafür, wie wenig noch über die Biodiversität Brasiliens bekannt ist, sogar in den besser zugänglichen und erforschten Teilen des Landes.

Obwohl die neuentdeckte Art sehr ungewöhnlich und unverwechselbar ist, zeigt sie doch auch einige Gemeinsamkeiten mit zwei bereits lange bekannten Sonnentau-Arten, die über 200 km entfernt im Bergland Südost-Brasiliens vorkommen. „Diese drei Arten bilden zusammen eine natürliche Verwandtschaft und gehören zu einer Gruppe von Sonnentau-Arten, die fast ausschließlich in Brasilien vorkommt, also dort endemisch ist und die durch eine gemeinsame Chromosomenzahl von 40 gekennzeichnet ist“, erklärt Paulo Gonella von der Universität von São Paulo, Brasilien, der momentan als Gast an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Botanischen Staatsammlung München an den Neuweltlichen Sonnentaugewächsen forscht.

Traurigerweise ist der erst kürzlich entdeckte „Prächtige Sonnentau“ wohl bereits vom Aussterben bedroht. Diese neue Art findet sich nur auf einem einzigen noch natürlich bewachsenen Berggipfel, umgeben von landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftetem Gebiet (Rinderfarmen, Kaffee-Plantagen und Eukalyptus-Pflanzungen).

Invasive fremde Pflanzenarten konnten fast auf dem gesamten Weg zum Berggipfel beobachtet werden, am Fuß des Berges wurde bereits nahezu der gesamte Waldbestand abgeholzt, und der Berg und seine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt sind momentan weder durch ein Naturreservat oder einen Nationalpark geschützt. Obwohl auch die umliegenden Berge von den Wissenschaftlern abgesucht wurden, konnte bisher keine weitere Population dieses Sonnentaus gefunden werden.

Originalveröffentlichung:
Gonella, P.M., Rivadavia, F., Fleischmann, A. (2015). Drosera magnifica (Droseraceae): the largest New World sundew, discovered on Facebook. Phytotaxa 220 (3): 257-267. http://dx.doi.org/10.11646/phytotaxa.220.3.4
Anprechpartner: Dr. Andreas Fleischmann, SNSB, Botanische Staatssammlung München E-mail: fleischmann@bsm.mwn.de
Tel. (+49) 089/17861-265
http://www.botanischestaatssammlung.de
http://www.snsb.de

Weitere Informationen:

http://www.snsb.de
http://www.botanischestaatssammlung.de

Dr. Eva-Maria Natzer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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