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Eine anpassungsfähige Baustruktur ist Bedingung für medizinische Qualität
Krankenhäuser, insbesondere große Einrichtungen wie das Klinikum der Universität zu Köln, sind längerfristig nicht konkret planbar. Die bauliche Entwicklung unterliegt zahlreichen unvorhersehbaren Einflussfaktoren, die sich in einem fortlaufenden Veränderungsprozess befinden. Es muss daher Ziel der Bauplanung sein, Strukturen zu schaffen, die eine Anpassung an die sich stetig wechselnden Anforderungen ermöglichen. Denn nur ein auf die medizinischen Bedürfnisse ausgerichtetes Umfeld gewährleistet die optimale Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Dr. Peter Heinen an der medizinischen Fakultät der Universität zu Köln durchgeführt hat.
Bei der Planung von Bauvorhaben, so Dr. Heinen, müssen soziale, rechtlich-ökonomische sowie medizinisch-technologische Faktoren beachtet werden. So führt die Alterung der Gesellschaft zu einer wachsenden Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen. Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und Fortschritte in der Medizintechnologie schaffen immer wieder neue Planungsgrundlagen. Die Entwicklung der einzelnen Faktoren und ihre Bedeutung für den Krankenhausbau vorauszusagen ist dabei in vielen Bereichen nicht möglich. Deshalb werden an die Anpassungsfähigkeit der baulichen Struktur besondere Anforderungen gestellt. Die Gebäude müssen flexibel und variabel auf sich ändernde Funktionen eingerichtet werden können. Daher beschreibt Dr. Heinen den Krankenhausbau als ein "lebendes Experiment".
In seiner Untersuchung betont er insbesondere die Bedeutung der finanziellen Vorgaben, die die baulichen Aktivitäten in ihrem Umfang und deren Geschwindigkeit bestimmen. Die Krankenhausfinanzierung in ihrer jetzigen Form ist aber für die heutigen Anforderungen nicht mehr angemessen und bedarf dringend einer Reform. Zur Zeit werden die Investitionskosten je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen, die Betriebskosten hingegen müssen die Kliniken durch Einnahmen von den Patienten und Krankenkassen selbst erwirtschaften. Der auszumachende Trend, so Dr. Heinen, bringe eine Abkehr von dieser dualen Finanzierung und führe zu einer weiter durchgreifenden Eigenständigkeit der Krankenhäuser.
Die Eigenverantwortlichkeit wiederum erfordert eine wirtschaftlich optimierte Klinikumsführung und bietet zugleich neue Entwicklungsperspektiven. Beispielsweise ermöglicht die Abkopplung von den öffentlich-rechtlichen Planungsroutinen einen schnelleren Einsatz technischer Innovationen. Zur Zeit kann es passieren, dass die Planungen von der rasant fortschreitenden Geräteentwicklung überholt werden und die Technik schon vor ihrem ersten Gebrauch wieder veraltet ist. Dank eines vereinfachten und gestrafften Planungsprozesses kommen neue Verfahren und die in der universitären Grundlagenforschung gewonnenen Erkenntnisse früher beim Patienten an. Aufgrund ihrer technologischen und medizinischen Vorreiterrolle sind Universitätsklinika hiervon besonders betroffen.
Seit neun Jahren ist Dr. Heinen als Architekt und Baudezernent mit der Entwicklung des Kölner Uniklinikums betraut. Daher liegt ein Schwerpunkt seiner Untersuchung auf der Umsetzung der entwickelten Ansätze im eigenen Haus. Hier wurden beispielsweise durch Verwendung eines einheitlichen Rastersystems modulare Raumstrukturen geschaffen, die sich je nach Bedarf erweitern oder verkleinern lassen. Außerdem spricht sich Dr. Heinen für den Aufbau einer experimentellen Plattform aus, auf der neue Therapieansätze in kleinem Rahmen erprobt und weiterentwickelt werden können. Und durch einen verstärkten Austausch zwischen Wissenschaft und Bauplanung ließen sich frühzeitig medizinische Trends und deren Anforderungen an die Gebäudestruktur analysieren.
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Harald Schicha unter der Telefonnummer 0221/478-4050, der Faxnummer 0221/478-4395 und unter der Email-Adresse Harald.Schicha@uni-koeln.de zur Verfügung.
Gabriele Rutzen | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-koeln.de
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