Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Schlanke Wände, warme Zimmer mit Vakuumdämmung

08.07.2004

Anzeige


Kleinformatiger VIS-Probekörper: Eine gasdicht verschweißte Edelstahlhülle umhüllt passgenau einen Stützkern. Über einen sog. Evakuierungsflansch (EVF) wird ein Vakuum im VIS (Vakuum Insulating Sandwich) erzeugt.


Mit nur vier bis fünf Zentimetern Dicke halten Vakuumdämmelemente die Wärme zehnmal besser als herkömmliche bis zu einem halben Meter dicke Dämmstoffschichten. RUB-Ingenieure um Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Willems übertragen und prüfen die bei Kühlanlagen bereits bewährte Technik jetzt für einen breiten Einsatz im Gebäudebau. Über ihre Ergebnisse berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins RUBIN.

Nicht nur Stararchitekten dürften aufhorchen beim Thema Vakuumdämmung. Doch gerade für deren oft schlanke und elegante Konstruktionen scheint die neue Dämmstofftechnik wie gemacht zu sein. Mit nur vier bis fünf Zentimetern Dicke halten Vakuumdämmelemente die Wärme zehnmal besser als herkömmliche bis zu einem halben Meter dicke Dämmstoffschichten. Ingenieure um Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Willems (Baukonstruktion und Bauphysik, Fakultät für Bauingenieurwesen) übertragen und prüfen die bei Kühlanlagen bereits bewährte Technik jetzt für einen breiten Einsatz im Gebäudebau.

Dämm-Prinzip "Vakuumkaffee" oder "Edelstahlkästchen"

Mit der 2002 eingeführten Energiesparverordnung (EnEV) werden alle neu zu bauenden Wohngebäude hinsichtlich Bau- und Heizanlagentechnik auf das Niveau früherer Niedrigenergiehäuser gehoben. Die Konsequenz: Mit steigenden Anforderungen an das Wärmedämmvermögen "wachsen" die Dämmschichten in den Außenbauteilen in die Dicke - heute schon bis zu einem halben Meter. Die Alternative heißt Vakuumdämmung: Ein sog. Stützkern (kleinporiger Kunststoffschaum) wird entweder mit einer speziellen Folie nach dem Prinzip des Vakuumkaffees umhüllt - die Fachleute sprechen von einem Vacuum Isolation Panel (VIP-Dämmung) oder der Stützkern befindet sich quasi in einem "Edelstahlkasten" (VIS: Vacuum Insulating Sandwich). Dem Stützkern wird die Luft entzogen, so dass ein Vakuum entsteht.

Eine Wohnung dazu gewinnen

Während ein herkömmlicher Wärmedämmstoff (z.B. Mineralfaser) ein Verhältnis von Gasleitung : Strahlung : Festkörperleitung von 25 : 13 : 2 aufweist, erreichen die Ingenieure bei einer optimierten Vakuumdämmung ein Verhältnis von 0 : 1 : 3 und das bei Dämmstoffdicken von nur bis zu vier oder fünf Zentimetern. Bei den etwas höheren Kosten für Vakuumdämmelemente ist diese Technik besondern dann interessant, wenn Bauland oder Gebäudenutzfläche einen extremen Kostenfaktor bilden. Die Forscher machen eine Rechnung auf: Bei einem viergeschossigen Bürogebäude lassen sich durch Vakuumdämmung rund 100 Quadratmeter Nutzfläche gewinnen.

Architekten, auf zu neuen Ufern!

Die Vakuumdämmung eröffnet neue Möglichkeiten für das ästhetisch-gestalterische Erscheinungsbild der Fassade und damit des ganzen Gebäudes. Die Umsetzung der neuen Technik in spezielle Baukonstruktionen etwa für Kuppelkonstruktionen steht bei den Bochumer Ingenieuren derzeit im Mittelpunkt. Zum praktischen Einsatz kam die Vakuumdämmung bereits im Stahlhaus der Architekten Eickelkamp und Rebbelmund, Essen, das eine extrem schlanke und elegante Außenwandkonstruktion besitzt. Im nächsten Schritt soll das Kraft-Verformungsverhalten der Vakuumdämmelement unter Dauerbelastung untersucht werden. Ziel ist es, ein Regelwerk zu erstellen, das je nach Einsatz der Vakuumdämmelemente die entsprechenden Materialkennzahlen ausweist.

Themen in RUBIN 1/04

Naturwissenschaften: Mit Bienen im Gespräch (Verhaltensbiologie und Didaktik der Biologie), Zeolithe erobern den Alltag: Das Spiel mit den Strukturen (Mineralogie-Kristallographie), Geisteswissenschaften: Das Zurückweichen des Himmels (Neuere Geschichte I), Gerechtigkeit für behinderte Menschen - behinderte Gerechtigkeit ? (Systematische Theologie/ Ethik, Sozialpolitik und Sozialökonomik), Ingenieurwissenschaften: Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser (Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik), Vakuumdämmung: schlanke Wände - warme Zimmer (Baukonstruktion und Bauphysik), Medizin: Auch mit Darmkrebs gut leben (Medizinische Universitätsklinik I, St. Josef-Hospital), Viren für die Gentherapie: Ein Taxi zum Kern, bitte! (Molekulare und Medizinische Virologie), News. RUBIN ist in der Pressestelle der Ruhr-Universität zum Preis von 2,50 Euro erhältlich. Tel. 0234/32-22830.

Weitere Informationen

Prof. Dr- Ing. Wolfgang M. Willems, Dr.- Ing. Kai Schild, Lehrstuhl für Baukonstruktion und Bauphysik, Fakultät für Bauingenieurwesen, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tl. 0234/32-26184, -26158, E-Mail: wolfgang.willems@ruhr-uni-bochum.de, kai.schild@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.rub.de/rubin/rbin1_04

Weitere Berichte zu: RUBIN Vakuumdämmung Wärme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Wir sind Übermorgenmacher
07.02.2012 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Notunterkünfte für Katastrophengebiete
07.02.2012 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Zwerggalaxie hat großen Hunger

08.02.2012 | Physik Astronomie

Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

»Jede Sekunde zählt« Erster Internationaler Kongress zu Rettungsdienstsystemen in Neu Delhi

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Bauwerke gebrauchstauglich halten

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft im Dialog-Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr 2012

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp