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Zukunftsfähiges Wohnen in Neuenburg
Solar-Passivhäuser decken einen großen Teil ihres Energiebedarfs mit der Sonne, den Rest besorgt eine hochinnovative kompakte Haustechnik. In Neuenburg am Rhein brachte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zusammen mit seinen Partnern aus der Industrie ein zukunftsfähiges Haustechnikkonzept zum Einsatz, das nach der ersten Heizperiode einen großen Erfolg aufweisen kann. Der Jahresheizwärmeverbrauch der sieben Reihenhäuser liegt bei etwa einem Zehntel des Wertes für Niedrigenergiehäuser. Damit hat das "1-Liter-Solarhaus" den Praxistest bestanden!
Solar-Passivhäuser zeichnen sich generell dadurch aus, dass die Wärmeverluste der Gebäudehülle und der Lüftung soweit reduziert werden, dass allein die Nutzung der Sonnenenergie über Fenster und Fassaden genügt, um den Jahresheizwärmebedarf im hiesigen Klima auf ein Niveau von 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter (=15 kWh pro m2) zu senken. Voraussetzung hierfür ist neben dem sehr hohen baulichen Wärmeschutz auch die kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung.
Bei den 1-Liter-Solarhäusern in Neuenburg wurde mit Hilfe einer innovativen und kompakten Haustechnik dieser Standard noch weiter optimiert. Die Wohnräume haben keine Heizkörper. Das neu entwickelte Lüftungs-Kompaktgerät der Firma Maico Haustechnik Systeme vereint Lüftung, Heizung und Brauchwassererwärmung. Die kostengünstige, systemintegrierte Gerätevariante nutzt die Abluft als Wärmequelle.
Die Heizwärme für die Gebäude wird mit der Frischluft zugeführt. In drei Stufen wird sie angenehm temperiert (s. auch beiliegende Grafik). Zunächst wärmt ein Luft-Erd-Register die Außenluft vor. Eine weitere Aufwärmung erfolgt im Plattenwärmetauscher, in dem die Abluft einen großen Teil ihrer Wärme an die vorgewärmte Frischluft abgibt. Der verbleibende Heizbedarf wird durch eine Wärmepumpe gedeckt, die der Abluft nach dem Wärmetauscher noch weitere Energie entzieht.
Warmwasser wird vorrangig mit der Solaranlage erzeugt. Wird die Mindesttemperatur im Bereitschaftsteil des Speichers nicht erreicht, heizt die Wärmepumpe nach. Ein weiterer Praxistest mit dem Lüftungs-Kompaktgerät in einem Einfamilienhaus in Büchenau nahe Bruchsal verlief bei einem Heizwärmeverbrauch von 2 Liter Heizöl pro Quadratmeter ebenfalls erfolgreich. Damit eröffnet diese innovative Haustechnik neue Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Wohnen unter großer Einsparung an CO2-Emissionen, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt immer noch zu mehr als einem Drittel zu Lasten der Gebäudeheizung gehen. Das realisierte Haustechnikkonzept zeigt - anders als eine direkt-elektrische Beheizung - den Weg des effizienten und ökologisch vertretbaren Stromeinsatzes zu Heizzwecken.
Die komplette Projektentwicklung für Solar-Passivhäuser sowie die Entwicklung von haustechnischen Systemen und Komponenten sind Dienstleistungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Um die energetische Effizienz neuartiger Energiekonzepte für Passivhäuser im Einsatz bewerten zu können, werden als weitere Dienstleistung die Projekte von einem Monitoring, einem Mess- und Auswertungsprogramm begleitet. Auch die Neuenburger Reihenhäuser sowie das Einfamilienhaus in Büchenau zählen zu einem solchen Monitoring-Programm. Möglich wurde dies durch eine finanzielle Förderung der Stiftung Energieforschung Baden-Württemberg und der Industrie. Mit Unterstützung der EnBW Energie Baden-Württemberg AG führt das Fraunhofer ISE gegenwärtig ein Mess- und Auswertungsprogramm für weitere 100 Passivhäuser in ganz Baden-Württemberg durch.
Informationsmaterial:
Fraunhofer ISE, Presse und Public Relations
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 50, Fax +49 (0) 7 61/45 88-3 42
E-Mail: info@ise.fhg.de
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Projektleiter:
Andreas Bühring, Dr. Christel Russ, Fraunhofer ISE,
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 43, Fax +49 (0) 7 61/45 88-1 32
E-Mail: Andreas.Buehring@ise.fhg.de
Bildmaterial:
Eine Grafik zur Haustechnik ist auf Anfrage in Farbe erhältlich.
Ebenso Fotos der Solar-Passivhäuser in Neuenburg a. Rhein.
Karin Schneider | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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