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Es klingt wie aus dem Lehrbuch jener Dinge, die man besser lassen sollte: Sieben Jahre nach dem Anbau von Gen-Baumwolle in China konnte zwar der Hauptschädling, die Rosarote Baumwollkapselraupe, in Schach gehalten werden, allerdings sind an ihre Stelle zahlreiche andere Schädlinge getreten und die Bauern müssen nun mindestens genauso viele Insektizide ausbringen wie in Zeiten zuvor, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.
Die Studie der Wissenschaftler der New Yorker Cornell-University an knapp 500 Baumwollbauern fällt bei weitem nicht mehr so positiv aus, wie noch vor einigen Jahren von den Saatgutherstellern postuliert wurde. China war nach den USA das zweite Land, in dem die genetisch veränderte Baumwollpflanze Bt-Cotton (Bt steht für das Gen des Bazillus thuringensis, das in diese genetisch veränderte Pflanze eingebaut wurde) angepflanzt wurde. In den ersten zwei bis drei Jahren konnten die Bauern bis zu 70 Prozent der bis dahin ausgebrachten Insektizide gegen die Rosarote Baumwollkapselraupe - dem so genannten Bollworm - einsparen. Das schonte sowohl die Menschen als auch Umwelt, aber auch die Brieftaschen der Bauern.
Die neueste Studie der Wissenschaftler um Per Pinstrup-Andersen sieben Jahre später zeichnet allerdings ein etwas anderes Bild: die Sekundärschädlinge und dabei vor allem Weichwanzen, so genannte Miriden, hatten dafür gesorgt, dass die Bauern erneut zu Insektiziden greifen mussten. In jenen Zeiten, in denen herkömmliche Baumwolle angebaut wurde, konnten die Miriden mit den gängigen Breitband-Insektiziden in Schach gehalten werden. Mit dem Auftreten der neuen Schädlingsplage ist die finanzielle Lage der Bauern allerdings äußerst prekär geworden, denn die Bt-Baumwolle kostet mehr als die konventionelle. "Das ist ein echter Schock", so Shenghui Wang, der die Studienergebnisse beim jährlichen Treffen der American Agricultural Economics Association in Long Beach/Kalifornien präsentierte.
Dadurch, dass in der genveränderten Pflanze nur das Bt-Toxin enthalten ist, laufen die anderen Schädlinge Amok, wie Experten beschreiben. Das Bedenkliche daran ist, dass die Zahl und die Art der Sekundärschädlinge offensichtlich stark regional schwanken. Nach Angaben des Entomologen Yves Carriere von der University of Arizona in Tucson sei das bei genveränderter Baumwolle in den USA ähnlich gewesen. Dort war das Problem allerdings nicht derartig außer Kontrolle geraten, weil Sekundärschädlinge genau unter die Lupe genommen würden, so der Forscher. Nicht erwähnt wurde dabei, wie viel Pestizide trotz der Bt-Baumwolle weiterhin versprüht werden musste. Die Studie gibt Grund zum Anlass, dass auch in anderen Ländern solche Probleme auftreten könnten.
"Für den Ökologen nicht verwunderlich", meint der Experte Werner Müller von Eco-Risk im pressetext-Interview. "Wenn man nur den Hauptschädling abtöten will, dann nimmt halt ein Sekundärschädling, quasi als ein Stellvertreter, seinen Platz ein." Eine unökologische Anbauweise könne nicht den Strom der Schädlinge aufhalten. "Man muss eben das System im Auge haben und nicht den Schädling." Die entscheidende Frage laute, was die Grundbedingungen sind, dass sich Schädlinge schlecht vermehren können. "Das Zauberwort heißt Fruchtfolge, Kulturenmix und Fangpflanzen." Die Frage sei eigentlich, warum man nicht gleich auf Öko-Landbau setze und, anstelle von Milliarden in die Gentechnik zu stecken, die Forschung im Ökolandbau ausbaue. Die Gelder wären dort viel besser aufgehoben und bringen auch nachhaltigere Resultate mit deutlich weniger Geld. "Ausgeklügelte Landbausysteme und Fruchtfolgen kann man nicht patentieren. Sie sind aber der einzige Weg zur nachhaltigen Ernährungssicherung weltweit, wie die meisten Entwicklungshilfeorganisationen wie etwa Helvetas oder GTZ bereits erkannt haben. Diese setzten auf Ökolandbau und nicht auf Gentechnik", so Müller abschließend.
Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.nature.com
www.cornell.edu
www.eco-risk.at
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