Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uralte Bewirtschaftungsmethoden als Klimaretter?

11.11.2015

Gießener Forscher will Geheimnis der fruchtbaren Amazonasböden lüften – Holzkohle als dauerhafter CO2-Speicher – Forschungen in Brasilien und im Siegerland

Bei einer Expedition zum Amazonas wird der Gießener Pflanzenökologe Prof. Dr. Christoph Müller in diesen Tagen untersuchen, wie uralte Bewirtschaftungsmethoden zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid im Boden führen – und damit heute einen Beitrag zur Rettung des Klimas leisten könnten.


Biokohle-Versuchsfeld in der Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern.

Foto: Jochen Senkbeil


Luftaufnahme der Embrapa-Forschungsstation im westlichen Amazonas-Gebiet.

Foto: Embrapa and Gilvan Coimbra Martins

Prof. Müller ist auf Einladung des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums vor Ort, um sich mit der sogenannten Terra preta zu beschäftigen, einer tiefschwarzen Bodenart im Regenwald. Es handelt sich um Böden, die durch menschlichen Einfluss und die Ablagerung von Holzkohle, Dung und Kompost vor hunderten von Jahren überaus fruchtbar wurden und bis heute sind – im Gegensatz zu den eher nährstoffarmen Böden des Regenwalds.

„Die aktuellen Arbeiten stehen in direktem Zusammenhang mit unserem aktuellen Schwerpunkt, die Folgen des sich abzeichnenden Klimawandels auf heimische Ökosysteme zu untersuchen“, betont Prof. Müller vom Institut für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Er leitet das vom Land Hessen geförderte LOEWE-Exzellenzprogramm FACE2FACE, mit dem die Auswirkungen von erhöhten atmosphärischen CO2-Konzentrationen untersucht werden, wie sie in Mitteleuropa etwa Mitte des Jahrhunderts erwarten werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Forschung sind Langzeitstudien zur Untersuchung von landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen, die eine Kohlenstoffspeicherung und nachhaltige Wirtschaftsweise mit sich bringen. In diesem Zusammenhang läuft seit 2010 auf den Gießener Versuchsflächen ein sogenanntes Biokohle-Experiment, bei dem Holzkohle mit einer speziellen Methodik zusammen mit Gülle aufgebracht wurde.

„Die so genannte Biokohle-Applikation ist die derzeit effektivste Methode, um Kohlenstoff in Form von CO2 der Atmosphäre zu entziehen und in einer dauerhaften Form im Boden zu speichern. Damit ist sie ein wichtiger Mosaikstein im Kampf gegen den Klimawandel“, betont Müller und ist sich darin mit Prof. Dr. Claudia Kammann von der Hochschule Geisenheim einig. Sie hatte die Methode in Gießen mit entwickelt.

In mitteleuropäischen Breiten existiert zwar keine Terra preta, aber mit Holzkohle angereicherte Böden: Vor mehr als 2000 Jahren wurden durch die Kelten Meiler betrieben, um Holzkohle herzustellen. Besonders im Siegerland existieren alte Meilerflächen, wo gesichert vor langer Zeit Holzkohle hergestellt und somit auch in den Boden eingebracht wurde. Laut Müller sind diese Meilerböden mit den Terra preta Böden am ehesten vergleichbar, wurden allerdings im Gegensatz zum Amazonasgebiet nicht landwirtschaftlich genutzt.

So will der Wissenschaftler zunächst mit an der JLU entwickelten Methoden zur Untersuchung von Nährstoffkreisläufen in Ökosystemen die über Jahrhunderte langsam aufgebaute organische Substanz der tiefschwarzen Terra preta, deren mikrobielle Umsatzprozesse sowie die Freisetzung von pflanzenverfügbaren Nährstoffen untersuchen.

Die Untersuchung der Meilerböden soll sich an die Amazonasstudien anschließen, um den Langzeiteffekt von Kohle auf unsere Böden zu untersuchen, was mit den aktuellen, wenige Jahre alten Feldstudien in Gießen nicht möglich ist. „Die Terra preta ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie selbst uralte Verfahren uns heute bei der Lösung aktueller Problemen helfen können“, betont Müller.

Kontakt:

Prof. Dr. Christoph Müller, PhD.
Institut für Pflanzenökologie (IFZ),
E-Mail: Pflanzenoekologie@bot2.bio.uni-giessen.de
Telefon: 0641 99-35301

Weitere Informationen:

https://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb08/Inst/pflanzenoek/forschungseinrichtungen...

Lisa Dittrich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Rinderhaltung: Europäische Agrarwissenschaftler betreten Neuland in der Forschungskooperation
16.02.2018 | Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

nachricht Entwaldung in den Tropen
15.02.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics