Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit in der Lagerlogistik: Taktile Servolenkung für Kommissionierwagen

01.04.2016

Fahrzeuge in Logistikzentren lassen sich künftig intuitiver lenken. Dies erleichtert die Arbeit und erhöht die Sicherheit. Möglich machen es »taktile« Griffe von Fraunhofer-Forschern: Sie erkennen mittels Drucksensoren, in welche Richtung der Nutzer den Wagen schiebt oder zieht. Bei Kollisionsgefahr stoppt das Gefährt sofort.

In Logistikzentren geht es turbulent zu: Gabelstapler, Flurförderzeuge, Handwagen mit Motor – auch Ameisen genannt – befördern Lasten von A nach B. Bislang steuern die Mitarbeiter solche Ameisen über eine Bedienleiste mit fünf bis zehn Knöpfen. Da die vollgepackten Karren bis zu 500 Kilogramm schwer sein können, hat eine falsche Handhabung oftmals ernste Unfälle zur Folge.


© Foto Fraunhofer IFF

Am Augmented Reality-Simulator »Taktile Interaktion« werden experimentalpsychologische Untersuchungen zu typischen Latenzzeiten durchgeführt.

Lenken durch den Druck der Hände

Künftig sollen sich die motorisierten Handwagen intuitiver bedienen lassen: Mit taktilen Griffen, die Forscher am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und Automatisierung IFF in Magdeburg entwickeln. »Der Anwender lenkt das Gefährt allein durch den Druck seiner Hände«, erläutert Prof. Dr.-Ing. Klaus Richter, Kompetenzfeldleiter am IFF.

»War das Lenken früher sehr kraftaufwändig, verfügt unser Griff über eine Art Servolenkung.« Das heißt: Die Mitarbeiter können den Wagen mit sehr wenig Kraftaufwand in die richtige Spur bringen. Möglich machen es Drucksensoren, die im Griff integriert sind. Da die Griffe für beide Hände mit Sensoren bestückt sind, erkennt der Wagen nicht nur, ob er geschoben oder gezogen wird.

Indem die Software den Druck der rechten mit dem der linken Hand vergleicht, registriert der Wagen auch die jeweilige Richtung, die der Nutzer vorgibt. Wie viele Sensoren nötig sind, um das Gefährt gut lenken zu können, erforschen die Wissenschaftler derzeit – im Prototyp sind es zunächst vier Sensoren. »Wir wollen die Technik minimal halten, um auf diese Weise einen kostengünstigen Preis zu erzielen«, erklärt Richter.

Car-to-Car-Kommunikation für die Logistik

Die Anweisungen, die der Mitarbeiter dem Kommissionierwagen über den Druck seiner Hände erteilt, werden an einen Motor, wie sie auch für Elektrofahrräder verwendet werden, weitergeleitet. Der Motor ist in der Lage, die Befehle innerhalb weniger Millisekunden umzusetzen – allerdings würde das den Menschen überfordern.

»Wir entwickeln das System so, dass es eine maximale Schnelligkeit erreicht, und bringen dann künstliche Verzögerungen ein«, verrät Richter. Wie lang diese Verzögerungen ausfallen müssen, damit der Nutzer sich möglichst sicher und wohl mit der Bedienweise fühlt, sollen psychologische Untersuchungen mit Testpersonen zeigen.

»Wir arbeiten momentan mit unseren Kollegen der Firma Cloud & Heat daran, alle Anweisungen von Mitarbeitern zunächst in eine Cloud zu überführen, zu sammeln und zu koordinieren«, sagt Richter. Biegt ein Mensch mit dem Gefährt um eine nicht einsehbare Kurve und droht ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, werden beide Wagen automatisch gestoppt – analog zur Vision der Car-to-Car-Kommunikation. Die Forscher konnten bereits eine Latenzzeit von 10 Millisekunden erreichen. Das heißt: Das Signal braucht nur 10 Millisekunden, um vom taktilen Griff über die Cloud zurück zur Motorsteuerung zu gelangen.

Auf der Hannover-Messe vom 25. bis 29. April 2016 stellen die Forscher ihre Entwicklung vor (Halle 17, Stand C18). Die Besucher können die Servolenkung vor Ort ausprobieren: Sie schieben mit realen Griffen einen virtuellen Wagen. Dabei haben sie die Möglichkeit, die Parameter des Kommissionierwagens zu verändern – sei es das Gewicht der Ladung oder auch die Reaktionszeit, mit der der Wagen die Eingaben umsetzt.

Forschungsprojekt FAST Realtime

Der taktile Griff wird im Forschungsprojekt FAST Realtime entwickelt, das im Wesentlichen von der Mobilfunkindustrie vorangetrieben wird und Teil der Clusterstrategie 2020 ist. Das Ziel des Projekts, das insgesamt über 50 Millionen Euro Fördergelder verfügt, liegt in der Entwicklung neuer Mensch-Maschine-Schnittstellen. Sollen sich die einzelnen Objekte im »Internet der Dinge« miteinander vernetzen, geht es im»taktilen Internet« darum, die Schnittstellen zum Menschen zu definieren, um sie effektiver, intuitiver und zugleich sicherer zu machen.

Dipl.-Ing. Sabine Conert | Forschung Kompakt / 1.4.2016
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2016/april/taktile-servolenkung-fuer-kommissionierwagen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive