Sicherer im Schnee

Zwei Airbags in einem Rucksack sorgen bei einem Lawinenunglück für guten Auftrieb des Skifahrers und damit für bessere Sicherheit. © ABS-Aschauer <br>

Glitzernde Weite, strahlend blauer Himmel. Der Skilehrer skizziert kurz die Route und der erste Teilnehmer schwingt ins endlose Weiß. Dabei löst er ein Schneebrett aus. Hilflos sehen die Kursteilnehmer, wie der Freund unter Schneemassen begraben wird.

Diese Situation ist nahezu klassisch, weiß Bernhard Budaker vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Die Forscher haben für die ABS Peter Aschauer GmbH ein neues Lawinen-Airbagsystem entwickelt. Elektronik sorgt dafür, dass der Skilehrer oder die -kameraden den Airbag, den der Fahrer im Rucksack auf dem Rücken trägt, aus der Ferne starten können. Der Lawinenschutz ist seit Dezember 2009 im Handel.

Lawinenairbags sind seit mehr als 25 Jahren im Einsatz. Ein Zug am Auslösegriff des Rucksacks reicht, um blitzschnell zwei Airbags aufzublasen. Durch die massive Erweiterung des Volumens erhält der Körper Auftrieb. Die Person wird nicht mehr komplett verschüttet, das Verletzungsrisiko reduziert. 98 Prozent der Skifahrer mit Airbag haben bisher ein Lawinenunglück überlebt, 90 Prozent davon völlig unverletzt.

Das Problem: Der Griff musste bisher selbst gezogen werden. »Merkt der Skifahrer zu spät, dass er eine Lawine ausgelöst hat, hilft ihm auch der Airbag nichts«, erklärt Budaker. Der Gruppenleiter und sein Team haben für ABS die bisher manuelle Auslösung mit einer Elektronik und einem neuen Zünderkonzept versehen: »Wir haben den Auslösegriff so umgestaltet, dass ein Teil der Elektronik darin Platz findet und der Airbag jetzt auch von anderen Gruppenmitgliedern ausgelöst werden kann. Alle alten Systeme können problemlos nachgerüstet werden.« Bisher wird eine Druckwelle im Schlauch erzeugt, wenn man am Griff zieht, die Gaspatrone wird angestochen, die Airbags entfalten sich. Jetzt sorgt ein Pyroelement dafür, dass die Gaspatrone zündet.

Die Elektronik macht es außerdem möglich, dass sich die Airbags der Skifahrergruppe vernetzen können. »Wir senden auf 868 und 915 Megahertz. Mit der optischen Programmierschnittstelle lassen sich feste Gruppen definieren. Die Teilnehmer müssen dazu einfach ihre Griffe einmal aneinander halten und schon gehören sie zusammen«, sagt der Experte. Eine Möglichkeit: Der Skilehrer fungiert als »Master«, die Schüler als »Slaves«. Dann kann nur der Master die Schülerairbags auslösen. Per Definition können aber auch alle Master sein und sich gegenseitig im Notfall helfen. Die Reichweite der Signale liegt derzeit zwischen 350 und 500 Metern und lässt sich, da jedes Gruppenmitglied das Signal weitergibt, noch verlängern. Da jeder einzelne Griff das Signal weitersendet, kann der letzte Fahrer den ersten erreichen.

Media Contact

Bernhard Budaker Fraunhofer Gesellschaft

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