Studierende entwickeln Granatapfel-Entkernmaschine

Eine der Studierendengruppen mit ihrem Prototypen.
(c) THWS/Frank Hüllmandel

Fächerübergreifende Zusammenarbeit beim Praxisprojekt – von der Idee zum Produkt.

Praxisnahe Projekte anstatt blanker Theorie: Welche Schritte zwischen Idee und fertigem Produkt liegen, haben Studierende der Bachelorstudiengänge Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen sowie Business and Engineering der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) in einem fächerübergreifenden Entwicklungsprojekt ausprobiert. Ihr Auftrag lautete, eine Maschine zum Entkernen von Granatäpfeln zu entwickeln.

„Das Entkernen von Granatäpfeln ist von Hand sehr mühsam und es gibt keine geeigneten Hilfsmittel dazu. So kam die Idee zustande“, erzählt Prof. Dr.-Ing. Jörg Missbach. „Außerdem war es mir wichtig, für die Studierenden ein greifbares Thema aus dem Alltag zu wählen, sodass sie dieses auch zu Hause praktisch angehen können.“ Drei Studierendengruppen traten in Konkurrenz zueinander, wie man einen Granatapfel mechanisch öffnet, entkernt und dafür eine Maschine konstruiert, die diese Arbeit schneller, einfacher und sauberer als von Hand erledigt.

Kerne zerstörungsfrei herauslösen

Alsbald wurden erste Granatäpfel von den Studierenden gekauft und verschiedene Mechanismen untersucht, um möglichst alle der roten Kerne zerstörungsfrei herauszulösen. Die Maschine sollte dabei nicht größer als ein handelsüblicher Kaffeevollautomat und nicht zu teuer sein, um auch für Privathaushalte oder die Gastronomie in Frage zu kommen. Wie in einem Start-up-Unternehmen oder in Entwicklungsabteilungen der Industrie lernten die Studierenden Aspekte des Projektmanagements, das Erstellen einer Anforderungsliste, einer Marktanalyse sowie Patentrecherche. Danach wurden Bauteile konstruiert, 3D-CAD-Modelle sowie Konstruktionszeichnungen erstellt und Baugruppen mittels mathematischer Simulation auf Belastungsgrenzen hin untersucht. Mit einem 3D-Drucker wurden eigene Bauteile für ein Gewinde oder Flügelräder zum Herauslösen der Kerne gedruckt. Bei der Abschlusspräsentation stellten die Gruppen ihre Prototypen vor. „Alle drei Gruppen leisteten in nur zehn Wochen Projektzeit beachtliche Arbeit“, lautete das Resümee von Prof. Dr.-Ing. Jörg Missbach und dem Modulverantwortlichen Prof. Dr.-Ing. Nicolas Tiesler.

Vorbereitung aufs Berufsleben

Das Fazit der Studierenden war ebenfalls durchweg positiv: „Im Entwicklungsprojekt hatte ich die Gelegenheit, meine Fähigkeiten im Projektmanagement und der Entwicklung zu vertiefen“, beschrieb Wirtschaftsingenieurwesen-Studentin Sevde Nur Alici. „Besonders begeistert hat mich die Entwicklung eines neuen Produkts, was zusätzlich eine kreative und erfüllende Dimension in das Projekt brachte.“ Die zwischenmenschlichen Aspekte waren auch für Maschinenbau-Student Julius Lahaye ein wichtiger Punkt: „Die Arbeit im Team ist sicher eine gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben, denn diese lehrt einen viele Dinge, die im Studium sonst weniger zur Geltung kommen. Zum Beispiel Kommunikations- und vor allem auch Kompromissfähigkeit.“ Für Maschinenbau-Student Boas Lex war „das Schwierigste […] auf jeden Fall der Anfang. Man ist mit unterschiedlichen Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen zusammen, kennt sich nur flüchtig und muss nun gemeinsam eine Problemstellung bearbeiten. Schlussendlich ist es dann schön zurückzuschauen und zu sehen, was man als Team geleistet hat – und dass man mit dem bisher Gelernten schon wirklich etwas auf die Beine stellen kann.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Jörg Missbach joerg.missbach@thws.de

https://www.thws.de

Media Contact

Eva Kaupp Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Funktionsweise von Adrenalin-bindendem Rezeptor entschlüsselt

Leipziger Biophysiker verfolgen Mechanismus der Signalübertragung im Körper nach. G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) sind im menschlichen Körper allgegenwärtig und an vielen komplexen Signalwegen beteiligt. Trotz ihrer Bedeutung für zahlreiche biologische Vorgänge…

Eine Alternative für die Manipulation von Quantenzuständen

Forschende der ETH Zürich haben gezeigt, dass man die Quantenzustände einzelner Elektronenspins durch Elektronenströme mit gleichmässig ausgerichteten Spins kontrollieren kann. Diese Methode könnte in Zukunft in elektronischen Schaltelementen eingesetzt werden….

Neue Einblicke in das Entstehen kleinster Wolkenpartikel in der Arktis

Ny-Ålesund (Spitzbergen). Mobile Messgeräte ermöglichen die Untersuchung von atmosphärischen Prozessen in höheren Luftschichten, die von klassischen Messstationen am Boden bisher nicht erfasst werden. Die luftgetragenen Flugsysteme leisten somit einen wichtigen…

Partner & Förderer