Betriebe in Europa setzen auf Bildungscontrolling

Bildungscontrolling wird in der Zukunft für immer mehr Betriebe unterschiedlicher Größe und Branchen zum entscheidenden Instrument zur Planung und Steuerung betrieblicher Weiterbildung – und zwar nicht allein in Deutschland: 90 % der Betriebe in den Niederlanden und jeweils 85 % in Österreich und Deutschland gehen davon aus, dass in Zukunft das Bildungscontrolling als Verfahren für eine effektive und effiziente Gestaltung ihrer Bildungsarbeit und die Bewertung ihres Nutzens einen hohen Stellenwert haben wird. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das zusammen mit dem niederländischen ITS (wetenschap voor beleid en samenleving) und der österreichischen PEF Consulting (Personalentwicklungs und -förderungs GmbH) eine vergleichende europäische Untersuchung bei mittleren und größeren Betrieben (mindestens 50 Beschäftigte) durchgeführt hat. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Maßnahmen und Instrumente Unternehmen in Deutschland, den Niederlanden und Österreich zur Steuerung in ihrer Bildungsarbeit einsetzen. Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung aus dem Programm Leonardo da Vinci der Europäischen Gemeinschaft durchgeführt.

Auch wenn dem Bildungscontrolling für die Zukunft ein hoher Stellenwert zuerkannt wird – in der Gegenwart scheint seine Bedeutung für weniger wichtig gehalten zu werden: Nur rund 50% der befragten niederländischen und deutschen und zwei Fünftel der österreichischen Betriebe sehen in ihm ein wichtiges Steuerungsinstrument heutiger betrieblicher Bildungsarbeit. Dennoch ist festzustellen: Auch wenn gegenwärtig erst in wenigen Betrieben ein umfassendes Bildungscontrolling auf der Tagesordnung steht, nutzen die meisten Betriebe doch bereits einzelne wichtige Elemente dieses Instruments. In allen drei Ländern

  • findet in einem großen Teil der befragten Betriebe eine systematische Ermittlung des betrieblichen Qualifizierungsbedarfs statt,
  • werden relativ häufig Maßnahmen zur Erfolgskontrolle der Qualifizierungsaktivitäten und zur Transfersicherung des Gelernten ins Arbeitsfeld durchgeführt,
  • erfolgt eine Nutzeneinschätzung der durchgeführten Qualifizierungsmaßnahmen nach verschiedenen Kriterien und
  • werden in den weitaus meisten Betrieben die Kosten der Weiterbildung, d.h. zumindest die bedeutendsten Kostenarten, erfasst.

Eine besonders wichtige Rolle im Rahmen von Bildungscontrolling nimmt die Ermittlung von Kennzahlen als Entscheidungsgrundlage für die Planung künftiger Qualifizierungsaktivitäten ein. Kennzahlen, die z.B. die quantitative Seite der Weiterbildung erfassen, die Kostenseite ermitteln oder auch den Erfolg von Bildungsmaßnahmen nachweisen, schaffen Transparenz im Weiterbildungsbereich: Sie ermöglichen z.B. Vergleiche der eigenen Weiterbildungsaktivitäten mit anderen Betrieben derselben oder anderer Branchen, ebenso wie sie innerbetriebliche Vergleiche zwischen Abteilungen und Geschäftsbereichen möglich machen. Doch obwohl dieses Instrument sehr wichtige Hinweise auf den Nutzen von Weiterbildungsaktivitäten liefern kann: Kennzahlen werden zur Zeit nur in wenigen Unternehmen der untersuchten Staaten systematisch ermittelt.

Bei der Einführung und Weiterentwicklung des Bildungscontrolling in den europäischen Unternehmen können deshalb als größte Herausforderung angesehen werden: Die Schaffung größerer Transparenz im Weiterbildungsbereich durch Kennzahlensysteme und die Entwicklung praxistauglicher Instrumente zur Bestimmung des Nutzens betrieblicher Weiterbildung.

In dem jetzt vom BIBB veröffentlichten europäischen Vergleich zwischen den Niederlanden, Österreich und Deutschland werden

  • die Ergebnisse der Untersuchung in den drei Staaten ausführlich vorgestellt,
  • Beispiele für die Gestaltung und den Ablauf von Qualifizierungsaktivitäten in einzelnen
    Unternehmen durch Fallstudien dokumentiert und in diesem Zusammenhang
  • neuere Entwicklungen und Management-Tools (z.B. Benchmarking) beschrieben.

Die Veröffentlichung von Elisabeth M. Krekel, Richard von Bardeleben, Ursula Beicht, Jos Frietman, Geert Kraayvanger und Johanna Mayrhofer: „Controlling in der betrieblichen Weiterbildung im europäischen Vergleich“ ist zum Preis von Euro 24,- zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: bestellung@wbv.de.

Eine englischsprachige Kurzfassung der o.g. Publikation (ohne Fallstudien) von Elisabeth M. Krekel, Richard von Bardeleben, Ursula Beicht, Jos Frietman, Geert Kraayvanger und Johanna Mayrhofer: „A European
Comparison of Controlling in Corporate Continuing Training“ ist zum Preis von Euro 13,00 ebenfalls beim o.g. Verlag zu beziehen.

Media Contact

Dr. Ilona Zeuch-Wiese idw

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