Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rentenmarkt: Neuer Zinstrend eingeläutet?

22.03.2005

Anfang Februar erreichten die zehnjährigen Renditen beidseits des Atlantiks noch neue Jahrestiefs. Seitdem jedoch hatten Anleihebesitzer eine Reihe von Rückschlägen zu verkraften. Höher als erwartete Produzentenpreise in den USA, Andeutungen asiatischer Notenbanken in Richtung Diversifizierung ihrer Währungsreserven sowie Hinweise im jüngsten Beige Book auf erhöhte Preisüberwälzungsspielräume in den USA haben die Wahrnehmungswelt verändert. Auch die steigenden Rohstoffpreise werden nicht mehr wie vor Monaten in erster Linie als konjunkturdämpfend, sondern als Gefahr für die Preisstabilität interpretiert. Wenngleich sowohl die Fed als auch die EZB keine akute Inflationsgefahr ausmachen, scheint die Botschaft betreffend die angestrebte Normalisierung des Zinsniveaus angekommen zu sein. Seit dem Februar-Tief stiegen die Treasury-Renditen um 50 Basispunkte auf 4,5 Prozent, die Verzinsung der entsprechenden zehnjährigen Euroland-Papiere legte um 25 Stellen auf aktuell knapp 3,7 Prozent zu.

Durch den Sprung der US-Renditen erreichte der Zinsabstand gegenüber Euroland-Anleihen erstmals seit der Jahresmitte 2000 wieder 80 Basispunkte. Untermauert wird diese Entwicklung unter anderem durch Daten wie die Einzelhandelsumsätze oder die Produktion vom Februar, die trotz Rohstoffbelastungen eine insgesamt robust wachsende US-Wirtschaft signalisieren. Auch vom Arbeitsmarkt sind - obwohl für Februar die höchsten Prognosen offenbar nicht erreicht wurden - Lebenszeichen zu vernehmen, die sich in einer zunehmend besseren Beurteilung der Job-Situation durch die Verbraucher widerspiegeln.

... mehr zu:
»Rentenmarkt

Dagegen verdient die konjunkturelle Perspektive im Euroraum in den Augen der meisten Beobachter weiter allenfalls das Prädikat "moderat". Insbesondere für Deutschland sind die Expansionserwartungen zuletzt auf bis zu 0,6 Prozent für 2005 reduziert worden. Als weiterer potenzieller Schwachpunkt wird dabei neben dem Privaten Verbrauch eine Exportverlangsamung identifiziert. Solange global keine ausgeglichenere Balance der Binnenkräfte erkennbar wird, dürfte es in einer bipolaren Weltkonjunktur mit den beiden Zentren USA und asiatisch-pazifischer Raum bei den US-Defiziten derzeit kaum zu einer nachhaltigen Entlastung kommen. Das US-Leistungs-bilanzdefizit erreichte im vierten Quartal mit 6,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ein neues Rekordniveau, das den weltweiten Rentenakteuren anhaltende Sorgen bereitet.

Ohne einen erkennbaren Kurswechsel seitens der großen Notenbanken zeichnet sich per saldo eine Phase der Zinsunsicherheit ab. Vor allem in den USA sollte sich der Trend zu höheren Zinsen zwar nicht mehr so dynamisch fortsetzen, wenn verstärkt auch die möglichen konjunkturellen Folgen der globalen Dollar- und Ölpreissorgen diskutiert werden. Ob damit aber bereits wieder der eingeläutete aufwärts gerichtete Renditetrend ausläuft, bleibt zunächst offen. Kürzere Laufzeiten bleiben derzeit aufgrund des höheren Bewegungsspielraums für den Anleger die bessere Wahl.

Jürgen Pitzer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

Weitere Berichte zu: Rentenmarkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert
24.01.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie