Blockchain-Technologie für den Mittelstand

von rechts: Prof. Dr. Stefan Lier, Marc Hübschke, Eugen Buss, und Tobias Hünemeyer an einem Blockchain-Demonstrator für eine (digitale) Lieferkette
Bild: Albert Beckmann / FH Südwestfalen

Mit rund 762.000 Euro fördert das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt SOLID2 der Fachhochschule Südwestfalen. Das Ziel des Vorhabens ist es, die Blockchain-Technologie industriellen kleinen und mittleren Unternehmen und zugehörigen Geschäftspartnern für ihr Lieferketten-Management zu erschließen.

Mit der Blockchain-Technologie können Informationen in einer Lieferkette weitergegeben werden, die nicht veränderbar sind. „Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich eine angeblich nachhaltig hergestellte Küche“, erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Stefan Lier. „Woher wissen Sie, dass beispielsweise das Holz tatsächlich aus nachhaltig zertifizierter Forstwirtschaft stammt?“ Dank Blockchain-Technologie könne zum Beispiel per QR-Code und Smartphone fälschungssicher nachvollzogen werden, wo Bäume für die Küche gefällt und nachgepflanzt wurden.

Die Technologie setzt an der Vertrauensproblematik in längeren Lieferketten an: Kunde, Lieferant, Lieferanten des Lieferanten, Lieferanten der Lieferanten der Lieferanten – in der Kette herrscht schnell Anonymität. Daten zwischen den Beteiligten sollen deshalb fälschungssicher und vertrauenswürdig ausgetauscht und wo möglich durch Sensorik-Daten ergänzt werden, um unterschiedlichste Fragestellungen beantworten zu können: Woraus besteht das Produkt? Wer hat es hergestellt? Lässt sich Kinderarbeit bei Vorlieferanten ausschließen? Was ist im Betrieb des Produkts passiert? Welchen Temperaturen war ein Produkt ausgesetzt, wurde beispielsweise die Kühlkette eingehalten?

„Bei Einsatz der Blockchain-Technologie gilt: Ist die Quelle korrekt, ist auch die Weitergabe der Daten in der Lieferkette korrekt“, so Lier. „Es entsteht Vertrauen und Transparenz auch bei Anonymität.“ Diese Technologie will das Projektteam nun auch für mittelständische Unternehmen in Südwestfalen verfügbar machen, auch wenn diese nicht über eine eigene entsprechend versierte IT-Abteilung verfügen. „Uns geht es darum, der regionalen Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, damit sie weiterhin mit ihren Produkten im Wettbewerb bestehen und Teil der Lieferketten der Zukunft bleiben.“

Zu diesem Zweck sollen im Projekt Leuchttürme aufgebaut werden, das heißt Pilotprojekte mit konkreten Unternehmen. In Vernetzungsveranstaltungen sollen diese anderen Unternehmen aus der Region über ihre Erfahrungen berichten. Über sogenannte Blockchain-Demonstratoren will das Team zudem digitale Beispiel-Lieferketten erfahrbar machen. Lier, dessen Team das Projekt gemeinsam mit der Südwestfalen Agentur entwickelt hat, wünscht sich zum einen ein „Aufschlauen in der Region“. Darüber hinaus entstünden hier im Idealfall neue Arbeitsplätze, die auch für jüngere Generationen attraktiv seien – in den Unternehmen selbst, aber auch durch die Ansiedlung von IT-Dienstleistern oder Start-ups.

Förderprojekt für die Region Südwestfalen
SOLID2 steht für Supply Chain Optimization through leveraging Industrial distributed Dataexchange via Blockchain for SME. Die Förderung erfolgt mit Mitteln der Europäischen Union aus dem Programm EFRE/JTF Programm NRW. Das Projektteam bilden Prof. Dr. Stefan Lier, Prof. Dr. Elmar Holschbach, Eugen Buss, Marc Hübschke und Tobias Hünemeyer von der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede. Beteiligt sind zudem Prof. Dr. Marc Jansen und Lambert Schmidt von der Hochschule Ruhr-West. Interessierte können sich für weitere Informationen an Tobias Hünemeyer wenden: huenemeyer.tobiasalexander@fh-swf.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Tobias Hünemeyer
huenemeyer.tobiasalexander@fh-swf.de

http://www.fh-swf.de/

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