Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktienmarkt: Konjunkturausblick belastet

19.11.2002


Seit die Hoffnungen der Marktteilnehmer auf eine Fortsetzung der fulminanten Oktoberhausse Anfang November nach der überraschend kräftigen Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte und den US-Zwischenwahlen zunächst durch Gewinnmitnahmen und Konjunkturskepsis enttäuscht wurden, konnten zuletzt einige positive Unternehmensmeldungen und besser als erwartete amerikanische Wirtschaftsdaten (US-Einzelhandelsumsätze, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe) die Hoffnungen auf eine kleine Jahresendrallye zumindest aufrechterhalten.



Die zusätzliche geldpolitische Unterstützung der Fed zielt nicht zuletzt auf eine Stimulierung der Unternehmensinvestitionen ab, während insbesondere im laufenden Quartal mit Schwächen beim privaten Verbrauch zu rechnen ist. Für eine Fortsetzung der Konsumstärke sprechen zwar die niedrigen Zinsen, der Vermögenszuwachs infolge gestiegener Immobilienpreise sowie die in Aussicht gestellten weiteren Steuersenkungen. Der deutliche Einbruch des Verbrauchervertrauens im Oktober auf 79,4 nach 93,3 wird jedoch als ein Vorbote für ein schwächeres viertes Quartal gedeutet. Vor allem die hohe private Verschuldung, die zunehmende Angst vor einem Arbeitsplatzabbau und die negativen Effekte durch Aktienkursverluste könnten sich auch für die weitere Zukunft als belastend erweisen.

... mehr zu:
»Euroland


Im Euroraum lässt eine Belebung der konjunkturellen Entwicklung weiter auf sich warten. Zuletzt prognostizierten sowohl die EU-Kommission als auch der Sachverständigenrat für die Eurozone 2003 ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, dagegen wird für Deutschland sogar nur eine Zunahme von 1,4 Prozent (EU-Kommission) beziehungsweise von 1 Prozent (Sachverständigenrat) vorhergesagt. Die schlechte Stimmung in Deutschland spiegelt sich auch im drastischen Einbruch des ZEW-Index im November wider, der von 23,4 auf 4,2 Punkte absackte und eine erhöhte Rezessionsgefahr in der ersten Jahreshälfte 2003 signalisiert. Während der Export noch einen Wachstumsbeitrag leistet (September +10,9 Prozent, nach neun Monaten +0,7 Prozent gegenüber Vorjahr), lahmt die Binnenkonjunktur weiterhin. Aufgrund der eingetrübten volkswirtschaftlichen Perspektiven sowie der anhaltenden Diskussionen über Steuer- und Abgabenerhöhungen ist kurzfristig kaum mit Impulsen bei Investitionen und Konsum zu rechnen.

Neben vielen ernüchternden Unternehmensmeldungen gab es bei den jüngsten Quartalszahlen auch Lichtblicke (z.B. BASF oder Altana) und Anzeichen für bilanzielle Bereinigungen. Insgesamt fiel die Reaktion auf negative Nachrichten moderat aus. Im aktuellen von Konjunkturunsicherheit und latenten geopolitischen Bedrohungen (Terroranschläge, Irak-Konflikt) geprägten Umfeld drängen sich für den vorsichtigen Anleger Neuengagements am Aktienmarkt nicht auf. Risikobewussten Investoren dürften jedoch die anhaltend hohen Kursvolatilitäten Tradingchancen eröffnen.

Rentenmarkt: Trutzburg in unruhigen Zeiten

Nachdem noch Mitte Oktober die langfristigen Renditen in den USA und auch in Euroland im Zuge einer kräftigen Aktienrallye überproportional anzogen, steht spätestens seit der mit 50 Basispunkten überraschend deutlich ausgefallenen US- Leitzinssenkung auf 1,25 Prozent die wieder etwas pessimistischer gefärbte Konjunktursicht vorerst erneut im Vordergrund. Seit dem zwischenzeitlichen Hoch rentieren die zehnjährigen Treasuries aktuell 43 und die zehnjährigen Bundesanleihen 21 Basispunkte tiefer bei 3,82 bzw. 4,41 Prozent.

In den USA scheint der Wachstumsmotor mit Blick auf die jüngste Satzreduktion durch die Notenbank weiterer Starthilfe zu bedürfen. So verharrt der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe seit zwei Monaten unter der Expansionsschwelle und auch für den privaten Verbrauch (im dritten Quartal +3,8 Prozent) ist ein ermäßigtes Tempo von allenfalls knapp 2 Prozent wahrscheinlich. Die jenseits des Atlantiks spürbare Entschlossenheit zur Wirtschaftsstimulierung durch Senkung des Schlüsselzinses unter das Inflationsniveau und durch die nach dem Wahlausgang voraussichtlichen weiteren Steuererleichterungen birgt allerdings angesichts des wieder auf Rekordniveau gekletterten Außenhandelsdefizits sowie des steigenden Finanzierungsbedarfs der öffentlichen Hand auch Risiken.

Konjunkturell gerät die Eurozone gegenüber den USA nochmals deutlicher ins Hintertreffen. Die Geschäftsklimaindikatoren haben sich auf breiter Front eingetrübt und folgen damit den insbesondere in Deutschland verbreiteten Moll-Tönen. Hierzulande brach beispielsweise der ZEW-Konjunkturindex auf 4,2 (nach 23,4) Punkte massiv ein, nachdem zuvor auch die September-Daten zu Binnennachfrage und Produktion (minus 1,2 nach plus 1,3 Prozent) enttäuschten. Revisionen der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsschätzungen unter anderem durch Sachverständigenrat und EU-Kommission (+1,0 bzw. +1,4 Prozent für 2003) verstärkten zusätzlich das bondmarktfreundliche Umfeld. Für Euroland sagen die Prognostiker der Kommission zudem in 2003 einen Rückgang der Inflationsrate unter die Zwei-Prozent-Marke voraus und signalisieren damit, dass die Teuerungsentwicklung derzeit eher unkritisch einzuschätzen ist. Nach den nicht zuletzt auch durch den jüngsten Monatsbericht bestätigten, ungewöhnlich deutlichen Hinweisen der EZB auf eine bevorstehende Senkung der Leitzinsen würde sogar ein Schritt um 50 Basispunkte am 5. Dezember nicht überraschen, sofern im Vorfeld nicht der Eindruck politischer Einflußnahme auf die Währungshüter entsteht.

Die Verunsicherung um den Zustand der europäischen Stabilitätsgemeinschaft und den Mittelbedarf der Öffentlichen Haushalte bleibt virulent. Aber auch mit Blick auf das im Oktober sichtbar gewordene Rückschlagspotenzial bei Stimmungsumschwüngen sowie die auf längere Sicht im Zuge einer Lösung des Irak-Konfliktes nachlassende Safe Haven-Funktion langlaufender Titel empfehlen sich derzeit unter Chance/Risiko-Aspekten kürzere Laufzeiten.

Hans Beth
Tel.: 06131-132616
Fax: 06131-132574
E-Mail: hans.beth@LRP.de

Hans Beth | LRP

Weitere Berichte zu: Euroland

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie