Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Security-Verfahren sichern die intelligente Fabrik

03.04.2017

Fraunhofer-Forscher zeigen auf der Hannover Messe von 24. bis 28. April 2017 zwei neue Verfahren zur Absicherung von Industrie 4.0-Produktionsanlagen (Halle 2, Stand C16/C22): Dabei erkennt ein selbstlernendes System Sicherheitsvorfälle in Fertigungsanlagen ohne Kenntnis der darunter liegenden Systemarchitektur. Hardware-basierte Sicherheitsmodule melden Manipulationsversuche an Maschinen und Komponenten.

Fertigungsprozesse im Kontext von Industrie 4.0 sind hochgradig automatisiert: Die Realisierung des Kundenwunschs wird als Auftrag vom Warenwirtschaftssystem angestoßen, die für das Produkt nötigen Komponenten werden von der Supply Chain bereitgestellt und die Konstruktionspläne sowie das genaue Fertigungsverfahren werden beim Zulieferer abgerufen. Gefertigt wird weltweit, um möglichst schnell und ohne lange Wege ausliefern zu können.


Das Fraunhofer SIT demonstriert auf der Hannover Messe 2017 zwei Verfahren, die neue Ansätze bei der Absicherung von Industrieanlagen nutzen.

Diese sehr flexiblen, individuellen und von IT abhängigen Fertigungsprozesse erhöhen jedoch die Gefahr von Manipulationen im Fertigungsprozess, minderwertigen oder gefälschten Komponenten sowie Know-how-Verlust durch Produktpiraterie. Um sich dagegen zu schützen, müssen alle im Fertigungsprozess verwendeten Daten und Kommunikationswege abgesichert und die IT-Sicherheit erhöht werden.

Unregelmäßigkeiten erkennen, Qualität sichern

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt demonstriert auf der Hannover Messe 2017 zwei Verfahren, die neue Ansätze bei der Absicherung von Industrieanlagen nutzen. Das erste dient der Erkennung von Unregelmäßigkeiten in den Kommunikationsnetzen von Fertigungsanlagen, das zweite stellt die Integrität der im Fertigungsprozess involvierten Komponenten und damit auch die Qualität der von ihnen produzierten Daten und Produkte sicher.

Zur Erkennung von Anomalien im Betrieb einer Anlage wird ein selbstlernendes System eingesetzt, das Datenflüsse aus allen im Fertigungsprozess involvierten Instanzen wie Sensor-, Konstruktions-, und Auftragsdaten sowie gegebenenfalls personenbezogene Daten analysiert. Nach einer Lernphase erkennt es, ob bestimmte Vorgänge im Netzwerk zum Normalbetrieb gehören oder eine Abweichung davon darstellen – zunächst unabhängig davon, ob es sich um einen Angriff handelt oder nicht. Das Monitoring-System überwacht die Architektur des Netzwerks und die erlaubten Zugriffswege über Software Defined Networking (SDN). Durch die Analyse von Kommunikation und Daten ist das System in der Lage zu erkennen, ob sich beispielsweise bestimmte Komponenten ungewöhnlich verhalten oder ob größere Datenmengen in eine bestimmte Richtung abfließen.

Ein zweites Verfahren überwacht den Software-Zustand von Komponenten und Maschinen. Werden diese in unerlaubter Weise manipuliert, schlägt das Integritätsmonitoring Alarm. Es kombiniert Software- und Hardware-Elemente, um den aktuellen Zustand einer Komponente auch aus der Ferne zweifelsfrei feststellen zu können. Durch die Gewissheit, dass Komponenten in einem erwarteten und als sicher bewerteten Zustand sind, sichert das System auch die Qualität der im Prozess verwendeten Daten. Im Fall detektierter Angriffe können Anlagenbetreiber über das Netzwerk infizierte Komponenten in einen vertrauenswürdigen Zustand zurückversetzen, ohne dass ein Techniker direkt mit der Komponente interagieren muss. Dies senkt die Kosten massiv und verbessert das Risikomanagement erheblich.

Industrie 4.0 braucht neue Security-Verfahren

»Die aus der klassischen IT bekannten Verfahren wie Virenscanner oder Intrusion Detection-Systeme sind für Fertigungsanlagen meist nicht geeignet«, sagt Dr.-Ing. Thorsten Henkel, zuständig für Industrial Security Solutions beim Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt. Zum einen seien sie nicht schnell genug, um den Anforderungen von Industrieanlagen hinsichtlich Verfügbarkeit zu genügen, zum anderen setzten sie voraus, dass die von ihnen überwachte Umgebung und ihre normalen Betriebszustände ebenso bekannt sind wie die Methoden ihrer potenziellen Angreifer.

Genau das ist aber bei den Fertigungsanlagen der Zukunft nicht der Fall. »Die Produktion im Kontext von Industrie 4.0 ist agil und verändert ständig ihre Architektur, sie ist dezentral organisiert und weitgehend autonom«, sagt Henkel. Deswegen seien Security-Mechanismen und Netzwerkkonzepte nötig, die architekturunabhängig arbeiten und die in Industrie 4.0-Anlagen vorgesehenen Freiheitsgrade zulassen.


Weitere Informationen:

https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2017/april/neue-security...

M.A. Oliver Küch | Fraunhofer Forschung Kompakt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Hohe Akzeptanz vor Markteinführung - Die Entwicklung des Großschranksystems VX25 von Rittal
24.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Rittal digitalisiert Fertigung - Produktion weltweit nach Industrie 4.0
25.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics