Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flexibler produzieren mit dem Industrie-Cockpit

24.03.2015

Kunden erwarten Produkte, die individuell auf sie zugeschnitten sind. Und nicht nur das: auch den Weg bis zum Produkt möchten sie mitbestimmen. Dazu sind in der Fertigung sehr flexible Herstellungs- und Verwaltungsprozesse notwendig. Das ist eine sehr große Herausforderung für die Betriebe – denn meist sind die Abläufe recht starr. Mit Hilfe des Industrie-Cockpits wird die Produktion nun variabler. Auf der Hannover-Messe vom 13. bis 17. April stellen es die Forscher vor (Halle 17, Stand F14).

Ein neuartiges Informations- und Entscheidungszentrum unterstützt Hersteller. Es verknüpft Abläufe und Anlagen unternehmensweit in einem flexiblen Prozessnetz – so können sie in ihrer Gesamtheit überwacht und jederzeit angepasst werden.


Produzieren mit dem Industrie Cockpit: Abläufe und Anlagen werden unternehmensweit in einem flexiblen Prozessnetz verknüpft – so können sie in ihrer Gesamtheit überwacht und jederzeit angepasst werden.

© Fraunhofer

Ähnlich wie bei Lagetischen von Rettungskräften und Polizisten fließen alle wichtigen Daten zusammen. Einsatzkräfte benötigen den bestmöglichen Überblick, wenn sie sich in einem Katastrophengebiet bewegen, Verletzte bergen und Schutt zur Seite räumen. In ihrem Lagezentrum sehen Einsatzleiter, wo sich die Helfer aufhalten, können sich über deren Helmkameras ein Bild von der dortigen Situation machen und den Einsatz koordinieren.

Individuelle Fertigung braucht flexible Prozesse

Ein ähnliches Cockpit haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin nun mit dem Software-Unternehmen Pickert & Partner GmbH aus Karlsruhe entwickelt. Das neuartige Informations- und Entscheidungszentrum soll Produktionsleitern, Werkern und Planern in Industrieunternehmen helfen, die komplexen Abläufe in Administration und Fertigung zu überblicken und sie an die individuellen Aufträge anzupassen.

Das ist dringend nötig, denn die Wünsche des Kunden rücken immer mehr in den Fokus. Die Individualisierung beschränkt sich dabei nicht nur auf die Endprodukte, sondern greift zunehmend auch in die Produktionsprozesse ein. Wünscht der eine Kunde beispielsweise, mit dem fertigen Produkt auch die Temperaturverläufe eines zusätzlichen Abkühlprozesses mitgeliefert zu bekommen, verlangt der nächste eine individuelle Kennzahl.

Die komplette Produktion im Blick

Doch wie funktioniert das gesamte Unternehmen, wenn der Kunde in die Fertigungsprozesse eingreift – und die Produkte dennoch möglichst schnell vom Band laufen sollen? Hier hilft künftig das Cockpit. »Es verbindet Produkte, Maschinen, Informationssysteme und Menschen miteinander«, sagt Nicole Oertwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IPK. »So lässt sich schnell überprüfen, ob und wie sich ein Kundenwunsch realisieren lässt – und die Produktion entsprechend steuern.«

Im Alltag des Produktionsleiters heißt das: Er kann den Herstellungsprozess für ein spezielles Produkt am Cockpit lückenlos durchlaufen – samt individuellen Kundenwünschen – und künftig auch notwendige Änderungen über wenige Klicks im Cockpit einstellen. Programmiererfahrung braucht er dazu nicht, das Tool lässt sich sogar über Gesten steuern. Auch allen anderen Mitarbeitern liefert das Cockpit die für sie nötigen Informationen an die richtige Stelle. So sieht beispielsweise der Werker die Prozessdaten und kann diese kontrollieren.

Zwar gibt es bereits Industrie-Cockpits – für die flexible, kundenindividuelle Fertigung eignen sie sich jedoch nicht. Denn sie wurden mit großem Aufwand für wenige Ablaufvarianten programmiert, sie sind also sehr starr. Zudem fokussieren sie ausschließlich auf die einzelnen Maschinen. »Unser Tool ist dynamisch. Es arbeitet produktbezogen. Wir können erstmals flexibel Produkte, Prozesse, Rollen oder auch Maschinensysteme betrachten«, sagt Oertwig. Auf der Hannover-Messe stellen die Forscher einen Prototyp vor. Ende 2016, so hoffen die Wissenschaftler, könnte das Cockpit in der Industrie eingesetzt werden.

Anpassungsfähige Bearbeitungsroboter

Soll die Produktion flexibler werden, sind zudem anpassungsfähigere Bearbeitungsmaschinen gefragt. »Deshalb entwickeln wir Bearbeitungsroboter: Denn im Gegensatz zu großen Werkzeugmaschinen, die teuer und wenig flexibel sind, können Roboter auf individuelle Kundenwünsche eingestellt werden«, verrät Sascha Reinkober, Abteilungsleiter Produktionssysteme am IPK.

»Wir zeigen in Hannover eine solche Roboterzelle: Sie enthält alle Komponenten, die ein Industrieroboter braucht, um als Bearbeitungsmaschine eingesetzt werden zu können.« Damit das funktioniert, sind besondere Steuerungs- und Regelungsverfahren nötig, die etwa mechanische Abweichungen ausgleichen. Dafür haben die Forscher eine eigene Entwicklungsplattform aufgebaut. Mit Hilfe dieser Schnittstelle können die Forscher zusätzliche Steuerungs- und Regelungssoftware in den Roboter einspielen. Neue Verfahren planen und programmieren sie zunächst auf einem externen Steuerungs-PC und testen sie anschließend am realen Industrieroboter.

M.A. Steffen Pospischil | Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2015/Maerz/industrie-cockpit.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten