Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Duft oder Gestank? Gerüche von Windeln und Aromastoffen kann man objektiv messen

07.04.2010
Bei Verbrauchsgütern wie Windeln und auch bei Lebensmitteln kommt es auf die Gerüche an. So lassen sich Kunden leichter von einem Produkt überzeugen, wenn es gut riecht. Und auch bei der Nutzung spielt der Geruch eine wesentliche Rolle.

Bisher musste die menschliche Nase dafür herhalten, um festzustellen, welche Ware besonders ansprechend duftet. Diese Geruchstests sind jedoch aufwändig und teuer, da das menschliche Riechorgan schnell ermüdet. Ingenieure der Universität des Saarlandes haben daher ein Verfahren entwickelt, mit dem man Gerüche objektiv messen kann.

Sie stellen dieses am Beispiel von Windeln vom 19. bis 23. April auf dem saarländischen Forschungsstand der Hannover Messe (Halle 2, Stand C 44) vor.

Bei Parfüms oder Aromastoffen in der Lebensmittelindustrie kommt es nicht nur darauf an, dass man ihre Gerüche objektiv messen kann. Eine bestimmte Duftnote sollte immer die gleiche Qualität aufweisen, damit ein Markenprodukt nicht plötzlich unterschiedlich riecht. Um dies sicherzustellen, ist es in der Industrie gängige Praxis, dass mindestens sechs qualifizierte Versuchspersonen Gerüche bewerten müssen. "Diese Messreihen sind langwierig und teuer. Außerdem belasten sie die menschlichen Tester, wenn es um unangenehme Gerüche geht, zum Beispiel bei gebrauchten Windeln oder verdorbenen Lebensmitteln", sagt Andreas Schütze, Professor für Messtechnik der Universität des Saarlandes.

Sein Team hat daher ein Messverfahren entwickelt, mit dem man Gerüche jetzt objektiv bewerten kann. Die Geruchsproben kommen dafür in eine Testkammer. Ihre Ausdünstungen werden abgesaugt und an empfindlichen Gassensoren vorbeigeführt. Die erfassten Daten werden dann mit Geruchsmustern verglichen, die in Versuchsreihen von menschlichen Testpersonen bewertet wurden. Dabei riechen die Tester an einem Produkt und bewerten auf einer Skala von eins bis fünf, wie stark ihre subjektive Geruchs-Schmerzgrenze überschritten wird. Sie verwenden dafür auch qualitativ unterschiedliche Kriterien, zum Beispiel, ob etwas süßlich oder stechend riecht. "Wir vergleichen diese Ergebnisse von Testpersonen mit den Mustern der Sensor-Messungen und können so bestimmen, ob ein Produkt für den Menschen angenehm duftet oder im Fall der gebrauchten Windel eben besonders unangenehm stinkt", erläutert Schütze.

In Forschungsprojekten mit der Schuh- und Strumpfindustrie hat die Messtechnik bereits den Praxistest bestanden. Auch die Aroma- und Lebensmittelindustrie signalisierte schon Interesse an der elektronischen Nase. Derzeit vergleichen die Saarbrücker Wissenschaftler in einem weiteren Projekt unterschiedliche Windeln, um herauszufinden, wie man die unangenehmen Gerüche bei voller Windel vermindern kann. "Mit unserer Messtechnik, die Sensoren, Elektronik und Software miteinander kombiniert, lassen sich alle möglichen Produkte objektiv beschnuppern. Die Palette reicht von der Sportkleidung über Aromen und Nahrungsmittel bis hin zu Kosmetikprodukten", erläutert Andreas Schütze.

Besonderen Wert lege man dabei auf die Stabilität der Bewertung, da diese für die praktische Anwendung eine der wesentlichen Herausforderungen darstelle.

Die Weiterentwicklung dieses und auch anderer Messverfahren unter industriellen Gesichtspunkten und deren Vermarktung werden durch die Firma 3S GmbH, einer Ausgründung aus der Universität des Saarlandes, vorgenommen. Sie entwickelt auf der Basis der Forschungsergebnisse die passenden Kundenlösungen für die einzelnen Branchen. Präsentiert wird auf der Hannover Messe der 3S-LeakChecker zur Dichtheitsprüfung von Verpackungen - aktuell eingesetzt in der Pharma- und Automobilindustrie - und der SniffChecker zur Kraftstoff- und Ölqualitätsbewertung.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Andreas Schütze
Lehrstuhl für Messtechnik der Universität des Saarlandes
Tel. 0681 / 302 4663
E-Mail: schuetze@lmt.uni-saarland.de
Karsten Kühn
Tel: 0681 / 302-4522
E-Mail k.kuehn@lmt.uni-saarland.de
3S GmbH - Sensors, Signal processing, Systems
Thorsten Conrad
Tel. 0681 / 91 003 52
Tel. 0511 / 89 497101 (Telefon am Messestand)
E-Mail: Conrad@3S-ing.de

Gerhild Sieber | idw
Weitere Informationen:
http://www.lmt.uni-saarland.de
http://www.3S-ing.de
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Berichte zu: Aromastoffe Gerüche Gestank Messtechnik Messverfahren Sensor Windeln

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik