Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftsforum: Mit neuen Forschungsergebnissen dem Nachwuchsmangel in den technischen Berufen wirkungsvoll begegnen

21.04.2008
Der Nachwuchsmangel in den technischen Berufen wird in den nächsten Jahren zur Belastungsprobe für Deutschlands Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. Sinkende Absolventenzahlen in den Ingenieurwissenschaften und die Folgen einer insgesamt niedrigen Geburtenrate entwickeln sich zur Bedrohung für den Hochtechnologie-Standort Deutschland - wenn keine Trendwende erzielt werden kann.

Bisherige Annahmen über Ursachen und Lösungsansätze dieser Herausforderung sind jedoch teils unzutreffend; viele Therapievorschläge haben sich als wenig wirksam erwiesen.

Beim Wirtschaftsforum, einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Deutschen Messe AG zum Auftakt der Hannover Messe, werden heute neueste Erkenntnisse der Forschung präsentiert - und bei einer Podiumsdiskussion führende Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum Dialog geladen.

"Die systematische Auswertung der bislang vorliegenden Studien zum Nachwuchsmangel in den technischen Berufen für das Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften ergibt ein beunruhigend klares Bild", sagt Prof. Dr. Ortwin Renn, Ordinarius für Technik- und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart und Projektleiter des Nachwuchsbarometers Technikwissenschaften. "Die Analyse der Metastudien zeigt, dass wir handeln müssen - und dabei einige Vorstellungen der Vergangenheit über Bord werfen müssen." Vier Trends und Erkenntnisse bestimmen demnach die derzeitige Situation und künftige Entwicklung:

1. Deutschland wird in den nächsten zwei Jahrzehnten unter Fachkräftemangel in den technischen Berufen leiden. Zyklische Schwankungen werden die grundsätzliche Entwicklung allenfalls überlagern. Insgesamt wird sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage über die Jahre sogar noch verschärfen - es sei denn, es gelingt, eine echte Trendwende einzuleiten.

2. Der Zuzug von qualifizierten Kräften aus anderen Ländern kann den Nachwuchsmangel aus verschiedenen Gründen nicht deutlich kompensieren. In Europa wird vielmehr jetzt schon ein Wettbewerb um qualifizierte Kräfte, insbesondere aus Osteuropa, ausgetragen. In Ländern wie Indien und China ist die Binnen-Nachfrage ebenfalls hoch. Und: Deutschland ist bei ausländischen Fachkräften zumindest derzeit kein Land erster Wahl.
3. Die häufig als Ursache benannte angebliche geringe Technikakzeptanz und unterstellte große Technikfeindlichkeit in Deutschland ist dagegen kein gravierendes Problem. Tatsächlich ist die Haltung gegenüber technischen Entwicklungen teils positiver als in anderen Industriestaaten. Erhebungen zur Risikowahrnehmung zeigen zudem, dass in anderen Ländern die bisher nur aus Deutschland bekannten Risikodebatten inzwischen nachgeholt werden.

4. Die ingenieurwissenschaftlichen Berufe haben hierzulande aber ein gravierendes Imageproblem. Das von Abiturienten wahrgenommene Tätigkeitsfeld stimmt oft nicht mit der Realität überein; infolge dessen kommt es zu falschen Erwartungen, aus denen hohe Abbrecherquoten resultieren. Gründe für das Imageproblem und dessen Einfluss auf die Studien- und Berufswahl sind jedoch noch in weiten Teilen unerforscht.

Eine Konsequenz aus den Erkenntnissen, die bislang gewonnen wurden: Um dem strukturellen Problem wirkungsvoll begegnen zu können, ist eine Erforschung der tieferen Ursachen und Motive erforderlich. Hier setzt das Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften an, das die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ins Leben gerufen haben. Das Projekt wird als Bestandteil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, sieht den Wert des Nachwuchsbarometers vor allem im Zusammenspiel mit weiteren Projekten der Akademie, die die gesamte Bildungskette berücksichtigen: "Der Nachwuchsmangel mit seinen Folgen ist kein unabwendbares Schicksal.

Das zu geringe Interesse an technisch geprägten Berufen mit Hochschulabschluss ist vielmehr ein Arbeitsauftrag an uns, wirksame Therapien zu entwickeln. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften hat sich deshalb vorgenommen, im ersten Jahr als nationale Akademie dem Thema Nachwuchsförderung ganz besonders viel Gewicht zu geben. Unser Ziel ist klar: Wir wollen dazu beitragen, dass eine Trendwende erreicht werden kann, die sich mittelfristig auch in statistisch messbaren Ergebnissen niederschlägt."

Eine hochrangig besetzte Diskussionsrunde unter dem Titel "Nachwuchsmangel - was läuft schief in Deutschland?" wird beim Wirtschaftsforum auch die Antworten von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf die Herausforderung Nachwuchsmangel aufzeigen - und zum besseren Verständnis dieser Herausforderung beitragen. Es diskutieren: Roland Berger (Chairman Roland Berger Strategy Consultants), Ortwin Renn (Ordinarius für Technik- und Umweltsoziologie, Universität Stuttgart), Andreas Storm (Parlamentarischer Staatssekretär Bundesministerium für Bildung und Forschung), Eberhard Veit (Sprecher des Vorstands Festo AG) und Heinrich Weiss (Vorsitzender der Geschäftsführung SMS Group).

Jann Gerrit Ohlendorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.acatech.de
http://www.hannovermesse.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie