Größtes Treffen von Phytomedizinern und Pflanzenschützern aus dem deutschsprachigen Raum

Extreme Dürre im „Corn-belt“ der USA, Trockenheit und eine anhaltende Hitzewelle in wichtigen Anbauregionen Russlands, Kasachstans, der Ukraine und den südosteuropäischen Ländern führten in diesem Jahr zum Teil zu Totalausfällen der Ernten von Getreide, Mais und Sojabohnen. Die Folgen: Knappe Vorräte und stark gestiegene Preise weltweit. Derartige Ernteausfälle führen schnell dazu, dass Mehl, Brot und andere Grundnahrungs-mittel – in Industrieländern kostengünstig und scheinbar reichlich vorhanden – für viele Menschen der Erde schier unerschwinglich werden.

Genügend Nahrungsmittel in guter Qualität zu produzieren, ist der erste Schritt zu einer gesicherten Ernährung der Menschheit. Gegen extreme unvorhersehbare Witterungsereignisse und damit verbundene Ernteeinbußen ist die Landwirtschaft nicht gefeit. Wohl aber kann man gegen Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Unkräuter vorgehen. Diese können weltweit 30 bis 40 % der Ernten kosten und die Qualität dramatisch mindern. Deshalb ist der aktive Schutz der Kulturpflanzen von der Aussaat bis zur Ernte auf dem Feld ebenso wichtig wie der Schutz der Produkte nach der Ernte (Nachernteschutz) im Lager oder beim Transport, um zusätzliche Ernteausfälle so gering wie möglich zu halten.

Pflanzenschutz hat viele Facetten, wie die Themen der 58. Deutschen Pflanzenschutztagung eindrücklich zeigen. Neue Schädlinge und Krankheiten (Viren, Bakterien, Pilze) nachzuweisen und schnelle Diagnoseverfahren zu entwickeln, bilden dabei die Grundlage. Wie klimatische Veränderungen die Ausbreitung der Schaderreger und die Anpassung der Maßnahmen beeinflussen, rückt derzeit noch stärker in den Fokus der Diskussionen.

Die Werkzeuge, um Pflanzen gesund zu halten, sind vielfältig und entgegen vieler Berichte heute längst nicht mehr allein an den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel (Pestizide) gekoppelt. Mechanische, physikalisch-technische oder biologische Methoden, mathematische Vorhersagemodelle, Züchtung und Anbau widerstandsfähiger Pflanzen oder die Nutzung GIS-gestützter Techniken stehen im Zentrum, um landwirtschaftliches Handeln nachhaltig und umweltschonend zu gestalten. Diese Forderungen sind inzwischen längst in politischen Zielen und internationalen Rechtsnormen festgelegt. So ist zum Beispiel ab 2014 in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich vorgeschrieben, dass die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes (IPS) umgesetzt werden (EU-Rahmenrichtlinie 2009/128/EC).

Die 58. Deutsche Pflanzenschutztagung findet vom 11. – 14.9.2012 erstmals in ihrer fast 100-jährigen Geschichte an der Technischen Universität Braunschweig statt. Sie wird – wie alle zwei Jahre – vom Julius Kühn-Institut (JKI), der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (DPG) und dem Pflanzenschutzdienst des gastgebenden Bundeslandes, in diesem Jahr Niedersachsen, gemeinsam ausgerichtet. Der Tagungsort an der TU Braunschweig unterstreicht die wissenschaftliche Zusammenarbeit des JKI mit der TU, die 2011 in einer Kooperationsvereinbarung mündete. Verbindende Forschungsschwerpunkte sind derzeit vor allem die Bereiche Agrartechnik und Mikrobiologie.

Die Fachtagung wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 11.9.2012 eröffnet. Für das gastgebende Bundesland heißt Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen.

Das komplette Tagungsprogramm mit allen Kurzfassungen der fast 700 Vorträge und Poster aus allen Bereichen der Phytomedizin und des Pflanzenschutzes steht unter www.pflanzenschutztagung.de kostenfrei zum Herunterladen zur Verfügung.

Journalisten haben freien Eintritt zu den Vortrags- und Posterveranstaltungen.

Besondere Hinweise:
11.9.2012, 16.30 Uhr
Vortrag des Julius Kühn-Preisträgers des Jahres 2012, Dr. Ralf Horbach
„Pilzlicher Sekundärmetabolismus und Pathogenität“

12.9.2012, 10.30 bis 12.30 Uhr
Plenarveranstaltung mit Diskussion zum Thema: „Pflanzenschutz alternativlos“
Moderation: Hellmuth Henneberg, rbb
Gäste:
Henning Noske, Braunschweiger Zeitung
Dr. Manfred Bartels, ehem. Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Prof. Dr. Ulrich Gisi, Universität Basel

12.9.2012, 14.15 bis 14.45 Uhr
Plenarvortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. von Witzke, Humboldt-Universität Berlin
„Vom Nutzen des Pflanzenschutzes – Modellrechnungen zur Quantifizierung der Wohlstandsgewinne in Deutschland“

Veranstaltungsort: Technische Universität Braunschweig, Pockelsstr. 14, 38106 Braunschweig

Ansprechpartner für Medien

Dr. Gerlinde Nachtigall idw

Weitere Informationen:

http://www.pflanzenschutztagung.de/

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