Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft: erster Evaluierungszyklus in entscheidender Phase

Die Strukturreform der größten deutschen Wissenschaftsorganisation hat das Ziel, Spitzenleistungen von hoher gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung besonders zu fördern

Das Herzstück der Reform, die programmorientierte Förderung, wird im Dezember 2002 zu ersten konkreten Finanzierungsempfehlungen führen.

In diesem Jahr wurden in der Helmholtz-Gemeinschaft die insgesamt 10 Programme in den Forschungsbereichen Gesundheit sowie Verkehr und Weltraum von mehr als 100 Gutachtern – davon mehr als 50 Prozent aus dem Ausland – evaluiert. Diese strategische Evaluierung ist beispiellos und richtet sich nach den Prinzipien Wissenschaftliche Qualität, Strategische Bedeutung und Personal- und Mitteleinsatz aus. Auch die Vernetzung mit externen Partnern, vor allem aus den Hochschulen wird dabei gewürdigt.

Die von den Experten erstellten Gutachten werden nach Beratung durch den Senat am 11. Dezember in konkrete Finanzierungsempfehlungen münden. Insgesamt geht es in den beiden Forschungsbereichen um einen jährlichen Mittelansatz von mehr als 500 Millionen Euro. An die Stelle der Förderung von Institutionen tritt damit die schrittweise Förderung von wissenschaftlichen Programmen auf der Grundlage einer internationalen Evaluation. Im Jahr 2003 folgen die nächsten Evaluierungen der Bereiche Energie sowie Erde und Umwelt.

Die Fokussierung auf Programme hat die Kooperation unter den Helmholtz-Forschern intensiviert und eine zunehmende Themenidentität erzeugt, die über die Grenzen der einzelnen Zentren hinausgeht. Wesentlich ist, dass die Umsetzung der programmorientierten Förderung mittelfristig zu einer Konzentration auf Gebiete wissenschaftlicher Exzellenz und besonderer strategischer Relevanz führen wird.

Der neu geschaffene Impuls- und Vernetzungsfonds zielt darauf ab, die Umsetzung der Reform zu beschleunigen. Aus diesem Fonds wird die Schaffung von Schülerlaboren an den Helmholtz-Zentren gefördert mit dem Ziel, Schüler für die Naturwissenschaften zu begeistern und die Qualität der naturwissenschaftlichen Ausbildung zu verbessern. Auch die Beteiligung der Helmholtz-Gemeinschaft an Forschungsvorhaben der Europäischen Union, insbesondere integrierten Projekten und Exzellenznetzwerken wird aus dem Fonds unterstützt. Geplant ist ferner ein weiterer Ausbau der bereits engen Beziehungen zu den Hochschulen. Schon heute werden die meisten führenden Wissenschaftler der Zentren gemeinsam mit Universitäten berufen und Helmholtz-Forscher beteiligen sich an der universitären Lehre. Die Helmholtz-Gemeinschaft möchte auch die Einrichtung neuer Sonderforschungsbereiche und gemeinsamer Forschungszentren, darunter auch virtueller Institute, und weiterer Helmholtz-Hochschulgruppen fördern. Die Vernetzung von Helmholtz-Programmen mit Hochschulen soll gleichgerichtete Forschungsvorhaben mit dem Ziel bündeln, eine neue Qualität in der Zusammenarbeit auf internationalem Niveau zu erzielen und die Hochschulen als Kernelemente des Wissenschaftssystems zu stärken.

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat durch die Eröffnung neuer Büros in Berlin und Brüssel den Kontakt zur Politik auf Bundes- und Europaebene ausgebaut.

Der erste Festakt nach einem Jahr der neuen Helmholtz-Gemeinschaft steht unter dem Motto „Komplexe Systeme verstehen – Erde und Umwelt erforschen“. Dabei erläutern Helmholtz-Forscher mit Blick auf das Elbehochwasser im Sommer, wie die Wissenschaft dazu beitragen kann, das komplexe System Erde und Umwelt besser zu verstehen und auf wissensbasierter Grundlage die Folgen von Naturkatastrophen zu verringern. Das Spektrum der Beiträge reicht von der wissenschaftlichen Untersuchung starker Niederschläge über die Simulation von Hochwasserkatastrophen und die Berechnung von Schadstoffverteilungen bis hin zu globalen Klimafragen.

Im Rahmen des Festaktes der Helmholtz-Gemeinschaft wird der vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ausgeschriebene Erwin Schrödinger-Preis für interdisziplinäre Forschung an fünf Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich und der Universität Köln verliehen für ihre Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Tensiden.

Im Zusammenhang mit der Jahrestagung zeigt die Helmholtz-Gemeinschaft auf dem Bonner Münsterplatz die Ausstellung „Kunstwerk Erde“, die bereits mit großem Erfolg beim Wissenschaftssommer in Bremen als Beitrag zum Jahr der Geowissenschaften präsentiert wurde

Dr. Hinrich Thölken
Leiter Kommunikation und Medien
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