Höchste deutsche Auszeichnung für theoretische Physik geht an den "Vater" des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik

Für seine „bedeutenden Beiträge zur Einsteinschen Gravitationstheorie, insbesondere durch Auffinden exakter Lösungen, und zu Gravitationslinsen und Gravitationswellen“ erhält Prof. Jürgen Ehlers, Emeritus am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Golm bei Potsdam die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Ehlers ist einer der einflussreichsten Theoretiker der Gravitationsphysik in Europa.

Mit der Max-Planck-Medaille würdigt die DPG jährlich hervorragende Leistungen in der theoretischen Physik, insbesondere solche Beiträge, die an das Werk Max Plancks anschließen. Verliehen wird der Preis seit 1929. Zu den Preisträgern gehören u.a. Max Planck und Albert Einstein, Nils Bohr, Werner Heisenberg, Ehlers` Doktorvater Pascual Jordan, Julius Wess und Bruno Zumino. Die Preisverleihung findet am 20. März 2002 auf der Haupttagung der DPG in Leipzig statt. Der Preis besteht aus einer auf Pergament handgeschriebenen Urkunde mit Verleihungstext und Laudatio sowie einer goldenen Medaille mit dem Portrait Max Plancks.

Jürgen Ehlers und seine wissenschaftliche Arbeit

Jürgen Ehlers beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Kosmologie. Bereits in seiner Doktorarbeit lieferte er unter anderem einen der ersten Beiträge zu dem, was später zur Theorie der Schwarzen Löcher wurde. Er definierte den „Point of no return“– jenen, später „Ereignishorizont“ genannten Abstand vom Zentrum eines Schwarzen Loches, an dem die Schwerkraft so stark wird, dass nicht einmal Licht entkommen kann und damit auch keine Information darüber, was im Inneren des Schwarzen Loches geschieht.

In seiner Habilitationsschrift und späteren Arbeiten widmete sich Ehlers der Beschreibung von Materie im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Anwendung der so entwickelten Modelle auf die Kosmologie.

Darüber hinaus arbeitete Jürgen Ehlers über die Theorie der Gravitationswellen. Diese „Kräuselungen der Raumzeit“, sollten bei beschleunigten Bewegungen massereicher Gebilde, wie etwa dem Zusammenprall Schwarzer Löcher, erzeugt werden.

Mit größtem Interesse verfolgt er daher natürlich die Vorbereitungen zur direkten Messung von Gravitationswellen mit dem Projekt „GEO 600“ am Teilinstitut des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Hannover.

Vita

Jürgen Ehlers studierte Physik, Mathematik und Philosophie in Hamburg. Er wurde 1958 bei Pascual Jordan promoviert und habilitierte sich, ebenfalls an der Universität Hamburg, im Jahr 1961.

Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten in Kiel, Syracuse (USA) und Hamburg wirkte er 1964 bis 1971 in den USA, ab 1967 als Professor of Physics in Austin/Texas. Durch Gastprofessuren in Würzburg und Bonn hielt er den Kontakt zu den deutschen Kollegen aufrecht.

1971 nahm Jürgen Ehlers einen Ruf an das Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München an, wo er als Wissenschaftliches Mitglied die Arbeitsgruppe „Gravitationstheorie“ leitete.

Einen entscheidenden Impuls gab Ehlers im Zuge der Neuorganisation der Wissenschaftslandschaft der ehemaligen DDR: Auf seine Anregung hin beschloss die Max-Planck-Gesellschaft 1994 die Gründung eines selbstständigen Instituts zur Erforschung der Gravitation. 1995 wurde Jürgen Ehlers der erste Direktor dieses neugegründeten Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Instituts) in Potsdam, dem weltweit einzigen Institut, das alle Forschungsrichtungen der Relativitätstheorie unter einem Dach vereint.

Ende 1998 wurde er emeritiert, arbeitet aber nach wie vor intensiv an Fragen der Gravitationslinsen und damit zusammen hängenden Fragen der Kosmologie. Darüber hinaus widmet er sich auch wissenschaftshistorischen Themen.

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