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Keine Zukunft für den ländlichen Raum?

21.09.2007
Die Zukunft der ländlichen Räume Brandenburgs ist regelmäßig Gegenstand von Stellungnahmen, die sich in ihren Krisenszenarien überbieten.

Jüngster Höhepunkt der Debatte ist der Vorschlag in einem für den Brandenburger Landtag angefertigten Gutachten, die Bewohner ländlicher Räume mit Abwanderungsprämien zum Verlassen ihrer Heimat zu bewegen.

Die Arbeitsgruppe 'Zukunftsorientierte Nutzung ländlicher Räume' an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (AG 'LandInnovation') wehrt sich dagegen, das Land als letzten Ausweg der Verwilderung preiszugeben. "Begriffe wie 'Entleerungsstrategie' oder 'passive Sanierung' sollen politische Konzeptionen suggerieren, die mitnichten vorhanden sind", so Reinhard F. Hüttl, Sprecher der Arbeitsgruppe 'LandInnovation' und Vorstandsvorsitzender des GeoForschungsZentrums Potsdam.

Vielmehr versucht die Akademie-Arbeitsgruppe, Visionen für eine zukunftsorientierte Nutzung der politisch aufgegebenen ländlichen Räume Brandenburgs zu entwickeln. Dabei sollen die zweifellos gravierenden Probleme keinesfalls verkannt werden: Weite Teile des ländlichen Brandenburgs erfuhren einen gravierenden Beschäftigungsverlust und laufen Gefahr, immer mehr von den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen abgekoppelt zu werden.

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Eine einseitige negative Darstellung verkennt nach Ansicht der Gruppe aber zwei Tendenzen: Den globalen Bedeutungszuwachs der natürlichen Ressourcen und die vielerorts sich vollziehenden, kleinteiligen Restrukturierungen. "Unsere Gesellschaft nimmt die erheblichen Leistungen ländlicher Räume - z. B. Rohstoff- und Energieerzeugung, Klimaregulation oder die Pflege reicher Kulturlandschaften - viel zu wenig zur Kenntnis", betont Hüttl. Daneben zeigten kleine und mittlere Unternehmen, Kulturprojekte oder Schulinitiativen, dass die ländlichen Räume Brandenburgs nicht tot sind. Die von der Arbeitsgruppe durchgeführten Untersuchungen belegen aber, dass die vorhandenen Potenziale noch viel zu wenig genutzt werden, um zur Lebensqualität und Wertschöpfung in ländlichen Räumen beizutragen.

"Basis jeder Entwicklung sind funktionierende Infrastrukturen, ob Verkehrswege, öffentlicher Nahverkehr oder Bildungseinrichtungen. Ein Rückbau nimmt einer Region alle wirtschaftlichen Perspektiven und ist kaum reversibel" erläutert Stephan Beetz, der Mitarbeiter der Arbeitsgruppe ist. Das Grundproblem der Infrastrukturentwicklung sei allerdings, dass man versucht habe, ländliche Bedingungen an diejenigen der Städte anzupassen. Die dabei festgelegten Standards seien in dünn besiedelten Räumen tatsächlich immer weniger finanzierbar.

"Dass speziell an ländliche Räume angepasste Infrastrukturen benötigt werden, wird fast überhaupt nicht zur Kenntnis genommen", beklagt Beetz. Internationale Erfahrungen zeigten, dass multifunktionale, dezentrale und sektorübergreifende Modelle durchaus in ländlichen Räumen anwendbar seien. "Die Hemmnisse der Infrastrukturanpassung liegen nicht in geographischen oder demographischen Bedingungen, sondern vielfach in der hohen Regelungsdichte, der scharfen sektorale Trennung zwischen den Infrastrukturbereichen sowie in verkrusteten Förder- und Finanzierungsstrukturen", so Beetz. Beispiele aus Skandinavien oder dem Westen der USA belegten, dass gerade Merkmale dünn besiedelter Räume - z. B. Ruhe, Weite und Naturnähe - Kennzeichen von Lebensqualität und damit auch Triebkräfte einer eigenständigen Regionalentwicklung sein könnten. So könnten sich Innovationschancen dort ergeben, wo sie in Brandenburg am wenigsten erwartet werden.

Die Arbeitsergebnisse der AG 'Zukunftsorientierte Nutzung ländlicher Räume' sind publiziert unter http://landinnovation.bbaw.de

Für weitere Auskünfte stehen gerne zur Verfügung:
Dr. Tobias Plieninger (plieninger@bbaw.de; Tel. 030 / 20 370-538) und Dr. Stephan Beetz (Tel. 030 / 20 93-65 75)

Gisela Lerch | idw
Weitere Informationen:
http://landinnovation.bbaw.de

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