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Die Angst vor dem plötzlichen Herztod

13.06.2008
Psyche von Herzpatienten ist of wie ein archäologisches Grabungsfeld

Zahlreiche Ärzte informierten sich auf einer Fortbildung der Kerckhoff-Klinik und der Klinik für Psychokardiologie über Therapie mit Defibrillatoren und Vorteile der psychotherapeutische Begleitung von Herzpatienten – Betroffener Patient berichtete über seine Erfahrungen

„Zu viele Herzpatienten sind mit ihren Ängsten sich selbst überlassen“, resümierte Prof. Dr. Jochen Jordan, Leiter der Klinik für Psychokardiologie in Bad Nauheim anlässlich einer Fortbildung, die seine Klinik gemeinsam mit der Kerckhoff-Klinik am Mittwochabend für Ärzte aus Klinik und Praxis veranstaltete. Oft könnten daraus dauerhafte psychische Störungen wie schwere Depressionen, völliger sozialer Rückzug oder starke Angst- und Panikattacken entstehen.

„Unsere psychotherapeutische Arbeit ist dann vergleichbar mit der eines Archäologen, denn wir müssen mit aller Vorsicht und Stück für Stück die Ursachen und Verhaltensmuster freilegen und richtige Verhaltensweisen gemeinsam mit dem Patienten rekonstruieren,“ so Jordan.

Thema der Fortbildung waren die Möglichkeiten der modernen medizinischen Therapie mit implantierbaren Defibrillatoren und die psychische Belastung für Betroffene und deren Angehörige, die diese Therapie mit sich bringen kann. Jordan legte dem sehr interessierten Publikum in seinem Vortrag ausführlich dar, welchen psychischen Risikofaktoren insbesondere Defi-Patienten ausgesetzt sind und welche Möglichkeiten der psychotherapeutischen Vorbereitung und Begleitung es gibt. „Gerade unter den Patienten, denen ein Defibrillator nach einem Herzstillstand und folgender Reanimation eingesetzt wurde oder die Mehrfachschocks des Gerätes erlebt haben, entwickelt jeder zweite eine so ge-nannten posttraumatischen Belastungsstörungen, wie sie auch bei Opfern von Entführungen, Krieg oder Naturkatastrophen häufig vorkommt.“

Eindringlich rief Jordan die teilnehmenden Ärzte auf, in ihrer täglichen Praxis bei Ihren Patienten auf Warnsignale für Stress, Angst, Depression oder Rückzugstendenzen zu achten. „Je früher eine Therapie beginnt, umso besser kommen diese Patienten mit der neuen Situation klar.“

Anschaulich stellte der Frankfurter Psychoanalytiker und Mitbegründer der Psy-chokardiologie, Dr. Benjamin Bardé, an einem Fallbeispiel dar, wie eine langfristige Psychotherapie einem Herzpatienten bei seinem Weg zurück in ein fast normales Leben helfen kann. Er appellierte an die Mediziner aus Klinik und Praxis, bei Herzpatienten noch stärker als bisher auf die psychischen Komponenten der Erkrankung zu achten: „Wir müssen in der Klinik zu Routinen kommen, mit denen psychische Symptome von Herzpatienten ebenso selbstverständlich erkannt werden können, wie die körperlichen.“

Abgerundet wurde der fallbezogene Teil der Fortbildung durch den Erfahrungsbericht eines Defi-Patienten, der den Zuhörern eindrücklich vermitteln konnte, wie er sich mit seiner Lebenssituation auseinandergesetzt hat und mit den Erfahrungen von Defi-Schocks umgeht, aber auch, welche Fehler aus Sicht eines Betroffenen von Ärzten im Umgang mit Patienten gemacht werden. „Wenn Patienten psychische Probleme bekommen, werden sie oft nicht ernst genommen.“

Im medizinischen Teil stellte Dr. Johannes Sperzel, Oberarzt in der Rhythmus-ambulanz der Kerckhoff-Klinik, die neuesten Technologien und deren Vorteile vor. Zentraler Punkt seines Vortrages war, welche Patienten für einen Defibrillator in Frage kommen. Sperzel erläuterte den anwesenden Ärzten dazu die neuen Leitlinien, die von internationalen Fachgesellschaften für die Indikationsstellung zur Implantation eines Defis erarbeitet wurden. Wichtig war ihm auch die Frage der Nachsorge bei Defi-Patienten: „Wir sehen häufig Patienten, bei denen die Defibrillatoren nicht optimal programmiert sind. Das kann dann zu unnötigen Schocks führen. Die Überprüfung und Programmierung der Geräte sollte daher möglichst in Zentren erfolgen, die über die nötige Erfahrung verfügen“, so Sperzel.

Pressekontakt:

Klinik für Psychokardiologie
Prof. Dr. Jochen Jordan (Leiter der Klinik)
Fon: +49 (0) 6032 / 999 - 54 50
Fax.: +49 (0) 6032 / 999 - 54 01
E-Mail: j.jordan@.psycho-kardiologie.de

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