Von 8,8 auf 21 Prozent – IMK: Rezessionsrisiko nach Brexit-Votum spürbar gestiegen

Für den Zeitraum von Juli bis Ende September 2016 weist der IMK-Indikator, der die wichtigsten Informationen über die aktuelle Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 21 Prozent aus. Im Juni betrug das Rezessionsrisiko lediglich 8,8 Prozent. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument bleibt zwar im „grünen Bereich“ (keine Rezessionsgefahr bei Werten unter 30 Prozent), nähert sich allerdings der „gelben“ Stufe.

„Die latente Unsicherheit, die bereits in den vergangenen Monaten über der eigentlich günstigen Konjunkturentwicklung schwebte, und die zu starken Schwankungen der Rezessionswahrscheinlichkeit geführt hatte, hat sich mit dem Votum der Briten verfestigt“, ordnet IMK-Ökonomin Dr. Sabine Stephan den Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit ein.

Die stärksten negativen Impulse erhalte der Indikator aktuell von den Finanzmärkten, insbesondere den Börsen. Die kräftigen Kursverluste haben im Saldo durchaus positive Entwicklungen bei der Zinsdifferenz zwischen deutschen Staats- und Unternehmensanleihen (gesunken) und bei den Auftragseingängen deutscher Unternehmen (in der Tendenz aufwärtsgerichtet) überlagert, erklärt die Außenhandelsexpertin.

In seiner aktuellen Konjunkturprognose geht das IMK davon aus, dass der Brexit bereits im kommenden Jahr spürbare Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben wird. Die Forscher rechnen damit, dass durch die Unsicherheit die Investitionsdynamik in der deutschen Wirtschaft weitgehend zum Stillstand kommt und das schwache Pfund die deutschen Exporte nach Großbritannien dämpft.

Daher haben sie ihre Wachstumserwartung für 2017 kürzlich auf 1,3 Prozent reduziert. Das IMK plädiert in dieser Situation dafür, dass der Staat in Deutschland und anderen Euro-Ländern den Stau bei den öffentlichen Investitionen beschleunigt auflöst. Damit könne er auch den Unternehmensinvestitionen dringend benötigte Impulse verleihen.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Sabine Stephan
IMK, Expertin für Außenhandel
Tel.: 0211-7778-335
E-Mail: Sabine-Stephan@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

http://www.boeckler.de/imk – Zum IMK-Konjunkturindikator
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_115_2016.pdf – Die aktuelle Konjunkturprognose

Media Contact

Rainer Jung idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen

Aktuelle und interessante Meldungen und Entwicklungen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem bietet Ihnen der innovations-report Berichte aus den Teilbereichen: Aktienmärkte, Konsumklima, Arbeitsmarktpolitik, Rentenmarkt, Außenhandel, Zinstrends, Börsenberichte und Konjunkturaussichten.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Flexible Elektronik ohne Sintern

Leitfähige Metall-Polymer-Tinten für den Inkjet-Druck. Auf der diesjährigen Hannover Messe präsentiert das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien Hybridtinten für den Inkjetdruck. Sie bestehen aus Metallnanopartikeln, die mit leitfähigen Polymeren…

Grüner Wasserstoff nach dem Vorbild der Natur

Transregio-Sonderforschungsbereich verlängert … Das Sonnenlicht als Quelle für die klimafreundliche Energieversorgung nutzen: Lange vor großen Initiativen wie dem europäischen „Green Deal“ oder der „nationalen Wasserstoffstrategie“ hat der Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB) CataLight…

Molekulare heterogene Katalyse in definierten dirigierenden Geometrien

Katalyse-Sonderforschungsbereich geht in die zweite Runde. Der Sonderforschungsbereich „Molekulare heterogene Katalyse in definierten dirigierenden Geometrien“ (SFB 1333) an der Universität Stuttgart erhält eine zweite Förderperiode und damit Fördermittel in Höhe…

Partner & Förderer