Indexfonds sind notwendige Marktteilnehmer

Agrarflächen<br>Foto: Daniela Schimming (IAMO) <br>

Die Diskussion um landwirtschaftliche Warenterminmärkte rückt seit Mitte 2007 zunehmend in das Interesse der breiten Öffentlichkeit. Nach einer Niedrigpreisphase stiegen die Marktpreise für Getreide, insbesondere Weizen, Mais und Reis, binnen weniger Monate an und führten in einigen Entwicklungsländern zu Hungerrevolten.

Long-only-Indexfonds gerieten in den Verdacht, für die Preisanstiege auf den Agrarrohstoffmärkten verantwortlich zu sein. Anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse widerlegen Wissenschaftler des IAMO, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg diese Vorwürfe und weisen darauf hin, dass Long-only-Indexfonds langfristig sogar förderlich für die Funktionsfähigkeit von landwirtschaftlichen Warenterminmärkten sind.

Die aktuelle Veröffentlichung der Wissenschaftler Sören Prehn, Thomas Glauben, Jens-Peter Loy, Ingo Pies und Matthias Georg Will untersucht anhand partieller Gleichgewichtskonzepte die langfristige Marktwirkung von Long-only-Indexfonds. Die in Teilen der Öffentlichkeit und Politik bestehende Vermutung, dass der verstärkte Markteintritt von Long-only-Indexfonds die Preisfindungsprozesse an landwirtschaftlichen Warenterminmärkten gestört und die Marktpreise an den Kassamärkten verzerren würde, kann nicht bestätigt werden. Die theoretische Analyse zeigt, dass Long-only-Indexfonds keineswegs die Preise auf den Agrarrohstoffmärkten treiben, sondern tendenziell zur Preisstabilisierung beitragen können.

Der Markteintritt von Long-only-Indexfonds verringert die Risikoprämie und fördert somit die Versicherungsfunktion von landwirtschaftlichen Warenterminmärkten. „Landwirte können sich zu geringeren Kosten am Warenterminmarkt absichern, welches die Lagerhaltung fördert und so saisonale Preisschwankungen am Kassamarkt abschwächt. Der Markteintritt von Long-only-Indexfonds ist somit auch im Interesse der Konsumenten“, erläutert IAMO-Wissenschaftler Sören Prehn. Long-only-Indexfonds sind nicht mehr nur der „vierte Marktteilnehmer“ an landwirtschaftlichen Warenterminmärkten, sondern darüber hinaus ein systemrelevanter Marktpartner.

Lediglich die Long-only-Indexfonds selbst profitieren nicht von einem weiteren Markteintritt von Long-only-Indexfonds. Die Rentabilität von Long-only Indexfonds ist negativ korreliert mit der Anzahl der sich am Warenterminmarkt befindlichen Long-only-Indexfonds. Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse raten die Wissenschaftler des IAMO, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg von einer strengeren Regulierung von Long-only-Indexfonds ab. „Long-only-Indexfonds sind förderlich für die Funktionsfähigkeit landwirtschaftlicher Rohstoffmärkte und sollten nicht regulatorisch eingeschränkt werden“, so Jens-Peter Loy von der Universität Kiel.

Weiterführende Informationen

IAMO Discussion Paper No. 142 „Der Einfluss von Long-only-Indexfonds auf die Preisfindung und das Marktergebnis an landwirtschaftlichen Warenterminmärkten“: www.iamo.de/publikation/dp2013-142

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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