Großes Unternehmen + defensive Strategie = hohe Rendite

Die Finanzmarktkrise und ihre Folgen: 13,8 Prozent weniger Dividende schütten die Unternehmen im Prime Standard in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr aus, absolut sind das 27,258 Milliarden Euro.

Dies ist das Ergebnis der ersten gemeinsamen Dividenden-Untersuchung 2010 des dips Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) e.V., die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.

Laut der Untersuchung überweisen die 332 Unternehmen, die im Qualitätssegment Prime Standard der Deutschen Börse gelistet sind, insgesamt 27,3 Mrd. Euro an ihre Aktionäre. Im Vorjahr waren es noch 31,6 Mrd. Euro gewesen. Allerdings: Die Unterschiede sind von Unternehmen zu Unternehmen beträchtlich.

Prof. Dr. Eric Frère, Direktor des dips: „Sowohl die Ausschüttungsquote als auch die Ausschüttungswahrscheinlichkeit hängen stark von der Unternehmensgröße und von der strategischen Ausrichtung ab. So schütten 87 Prozent der Dax-Unternehmen eine Dividende aus, während es im MDax nur 42,1 Prozent, im SDax 39,8 Prozent und im TecDax sogar nur 15,2 Prozent sind. Im Schnitt zahlt jedes zweite Unternehmen im Prime Standard eine Dividende.“

Dennoch ist die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz angesichts der fundamentalen Wirtschaftsdaten mit dem Ergebnis zufrieden: „Unsere Untersuchung zeigt, dass viele Unternehmen den hohen Stellenwert der Dividende als notwendigen Risikopuffer für Privatanleger erkannt haben“, erklärt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW. Wie wichtig dies für das Gesamtergebnis eines Investments ist, zeigt der Blick auf die Zahlen: „Im Dax repräsentiert die Dividende bis zu 30 Prozent der Gesamtrendite“, so Prof. Dr. Joachim Rojahn, Co-Direktor des dips und wissenschaftlicher Leiter der Studie.

Allerdings sind auch in der 1. Liga der deutschen Wirtschaft die Folgen der Finanzmarktkrise deutlich sichtbar. So ließen zwar elf Dax-Konzerne die Dividendenhöhe unverändert und fünf hoben die Zahlungen an die Aktionäre sogar an, aber bei zehn Unternehmen wurde die Dividende gekürzt und bei vier Unternehmen sogar gestrichen. Im Gegenzug warnt die DSW aber vor der Entwicklung, Aktionäre zu besänftigen, indem eine Dividende aus der Substanz finanziert wird. Stattdessen plädiert die DSW für eine nachhaltige Ausschüttungspolitik und atmende Dividenden: „Wenn es Unternehmen gelingt, auch in wirtschaftlich mageren Zeiten Dividenden zu zahlen ohne die Substanz anzuknabbern, ist das ein positives Signal“, so Hocker. „Wenn darüber hinaus sogar für die nächsten Jahre stabile oder steigende Gewinnbeteiligungen in Aussicht gestellt werden, dann kann die Dividende ihre volle Kraft als Risikopuffer entfalten.“

Prof. Dr. Rojahn: „Größte Dividendenzahler sind Unternehmen mit einer tendenziell defensiveren Strategie. So entfällt auf RWE, Deutsche Telekom, E.ON, Allianz und BASF ein Cash-Ausschüttungsvolumen von insgesamt über 13,6 Mrd. Euro. Diese fünf Großkonzerne zahlen also fast die Hälfte der gesamten Dividendensumme aus.“

FOM HOCHSCHULE FÜR OEKONOMIE & MANAGEMENT
Die 1993 von Wirtschaftsverbänden gegründete private FOM Hochschule für Oekonomie & Management ist eine staatlich anerkannte Hochschule der Wirtschaft mit bundesweit 18 Hochschulstudienzentren und einem in Luxemburg. Die Studiengänge richten sich überwiegend an Berufstätige und Auszubildende, die sich neben ihrer betrieblichen Tätigkeit akademisch qualifizieren wollen. Sie können an der FOM Bachelor- und Master-Abschlüsse erwerben. Der Wissenschaftsrat, Deutschlands höchstes Gremium zur Sicherung der Qualität in Forschung und Lehre, hat die FOM als Institution akkreditiert, sämtliche Studiengänge verfügen zusätzlich über eine Akkreditierung der FIBAA. Namhafte Unternehmen wie Aral, Bertelsmann, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, E.ON, RWE und Siemens kooperieren seit Jahren mit der FOM und empfehlen ihrem Führungsnachwuchs ein berufsbegleitendes Studium. Weitere Informationen unter www.fom.de.
Dips Deutsches Institut für Portfolie-Strategien
Das dips Deutsches Institut für Portfolio-Strategien ist die finanzwirtschaftliche Forschungseinrichtung der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Essen. Im Fokus der wissenschaftlichen Arbeit stehen insbesondere praxisrelevante Problemstellungen des Portfolio-Managements – mit dem Ziel, privaten und institutionellen Anlegern normative, akademisch validierte Grundlagen für die Analyse und das Monitoring von Investment-Strategien zur Verfügung zu stellen. Hauptforschungsfelder sind dabei: Strategische Asset Allocation/Passives Portfoliomanagement, Optimized Indexing/Quantitative Investment-Modelle sowie Wechselbeziehungen zwischen Corporate Finance und Asset Management. Nähere Informationen www.fom-dips.de
Deutsche Schutzvereinigung für wertpapierbesitz (DSW) e.V.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist Deutschlands größte Investorenvereinigung. Sie wurde 1947 gegründet und hat 25 000 Mitglieder. Gleichzeitig ist die DSW Dachverband für 7000 Investmentclubs. Mit über 70 Sprechern vertritt die Schutzvereinigung jährlich Stimmrechte auf 800 Hauptversammlungen. Weitere Hauptaktivitäten sind aktive Lobbyarbeit bei Gesetzgebungsvorhaben in Berlin und Brüssel; kostenlose juristische Erstberatung für Mitglieder; Unterstützung bei der Geltendmachung von Ansprüchen. Die DSW ist Gründungsmitglied des europäischen Investorenverbandes Euroshareholders, außerdem gehört sie vielen kapitalmarktrelevanten Gremien in Deutschland an, etwa der Corporate-Governance-Kommission, der Börsen-Sachverständigen-Kommission sowie der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung. Sitz der DSW-Bundeszentrale ist Düsseldorf. Zur DSW gehören acht Landesverbände.

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Carsten Döpp idw

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