Ausbildungsvergütungen stark differenziert nach Branche und Region – Analyse des WSI-Tarifarchivs

Die tariflichen Ausbildungsvergütungen in Deutschland sind stark differenziert und orientieren sich an der Leistungsfähigkeit der Branche, in der ausgebildet wird. Je nach Wirtschaftszweig und regionalem Tarifbereich variieren sie um mehrere hundert Euro, wie die neue Auswertung des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.


2005 reichte die Spanne im ersten Ausbildungsjahr von 332 Euro im privaten Verkehrsgewerbe Thüringen bis zu 763 Euro in der Druckindustrie. Im letzten, das heißt dem dritten oder vierten Ausbildungsjahr, variierten die Vergütungen bundesweit zwischen 442 Euro und 1.222 Euro (siehe Tabelle, abrufbar über Link am Ende dieser PM). Die niedrigste Vergütung für das letzte Ausbildungsjahr zahlten wiederum die Unternehmen im privaten Verkehrsgewerbe in Thüringen, die höchste erhielten Auszubildende im westdeutschen Bauhauptgewerbe. Generell sind die Vergütungen in der Industrie und im Handel meist höher als im Handwerk, in den freien Berufen oder in der Landwirtschaft.

Die Auszubildenden erhielten im vergangenen Jahr in 15 der Wirtschaftszweige bzw. Tarifbereiche höhere tarifliche Ausbildungsvergütungen als 2004. Bezogen auf das dritte Ausbildungsjahr lagen die Erhöhungen in der Mehrzahl der Bereiche zwischen einem und drei Prozent. Anhebungen deutlich oberhalb der Inflationsrate gab es für Auszubildende der Bahn und der chemischen Industrie in Ostdeutschland als Teil der langfristigen Tarifanpassung an das Westniveau, im Transportgewerbe Nordrhein-Westfalens sowie bei der Shell Deutschland Oil GmbH. In elf Tarifbereichen wurden die Ausbildungsvergütungen nicht erhöht. Das Ergebnis basiert auf einer Untersuchung von 26 Wirtschaftszweigen bzw. Tarifbereichen.

In zahlreichen Tarifverträgen haben die Tarifparteien das Ziel festgelegt, bestehende Lehrstellen abzusichern und zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Nach Daten des WSI-Tarifarchivs finden sich in rund 30 Branchen und Tarifbereichen mit 2,7 Millionen Beschäftigten tarifvertragliche Aussagen bzw. Vereinbarungen zum Erhalt und zum Ausbau der Ausbildungskapazität.

In einigen Branchen und regionalen Tarifbereichen haben Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände finanzielle Anreize vereinbart. Beispielsweise werden in der westdeutschen Stahlindustrie die Ausbildungsvergütungen zweimal nicht angehoben, im Gegenzug jeweils 50 zusätzliche Ausbildungsplätze angeboten. Im Groß- und Außenhandel Berlin können die Ausbildungsvergütungen um 16 Euro gesenkt werden, wenn die Zahl der Auszubildenden steigt. In der chemischen Industrie West erklärte sich die IG BCE bei positiver Ausbildungsentwicklung grundsätzlich zu Verhandlungen über das Einfrieren der Ausbildungsvergütungen bereit. In der Mehrzahl der Branchen gibt es Regelungen zur Übernahme nach der Ausbildung.

Media Contact

Rainer Jung idw

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