Deutsche Wirtschaft profitiert von stärkerer Kapitaldeckung aufgrund der Riester-Reform

Drastische Verschiebungen in der Vermögensstruktur der Deutschen

In ihrer soeben veröffentlichten Studie „Die Märkte für Altersvorsorgeprodukte in Europa“ untersuchen die Volkswirte der Dresdner Bank die zu erwartenden Marktvolumina für Altersvorsorgeprodukte in Deutschland und Europa sowie die Herausforderungen und Reformansätze in Zusammenhand mit dem Übergang zu ergänzenden, kapitalgedeckten Formen der Alterssicherung.

„Die Geldvermögensstruktur der Deutschen unterliegt einem dramatischen Wandel, Anlagen an den Kapitalmärkten spielen eine immer wichtigere Rolle“, erläuterte Dr. Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, die neue Studie. Entfielen 1991 noch 46 % des gesamten Geldvermögens auf Einlagen bei Banken und nur 11 % auf Aktien und Investmentfonds, so lagen die entsprechenden Anteile im Jahr 2000 bereits bei 34 bzw. 23 %. Anleger in Aktien und Investmentfonds erzielten in den letzten fünf Jahren einen Wert-zuwachs auf ihr Erspartes von rund 320 Milliarden Euro.

„Die Geldvermögensanlagen werden in Deutschland bis zum Jahr 2010 auf über 6,4 Billionen Euro anwachsen und damit in zehn Jahren um fast 80 % expandieren“, so Friedrich. Schätzungen der Volkswirte der Dresdner Bank zufolge wird der Aktienbestand im Jahr 2010 das Zweieinhalbfache und der Bestand an Investmentzertifikaten sogar das Dreifache gegenüber 2000 betragen. Der Anlagebestand bei Versicherungen werde mehr als doppelt so hoch sein. Der Anteil von Aktien, Fondsanlagen und Versicherungsprodukten am Geldvermögen dürfte 2010 in Deutschland fast 65 % und in den fünf bevölkerungsreichsten EU-Ländern – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien – über 70 % betragen.

Unter Berücksichtigung der neuen Förderung dürfte sich im Jahr 2010 der Gesamtbestand an Ersparnissen in Altersvorsorgeprodukten in Deutschland auf gut 900 Milliarden Euro (2000: 350 Milliarden Euro) belaufen. Da andere europäische Staaten ebenfalls eine stärkere Kapitaldeckung vorantrieben, könnten die entsprechenden Beträge in der Europäischen Union insgesamt in zehn Jahren mehr als 6 Billionen Euro (2000: 2,6 Billionen Euro) betragen.

Es wird der Einwand erhoben, eine stärker kapitalgedeckte Altersvorsorge sei mit erheblichen demographischen Risiken behaftet. Den Preissteigerungen während der Ansparphase der Babyboom-Jahrgänge stünden entsprechende Wertverluste gegenüber, sobald die Vermögenswerte wieder aufgelöst würden. „Diese Argumentation ist bei globaler Betrachtung des Problems nicht haltbar. Das Kapitaldeckungsverfahren bietet vor allem den Vorteil, dass es eine Loslösung von den demographischen und wirtschaftlichen Trends im Heimatland erlaubt. Angesichts einer möglichen internationalen Diversifikation der Anlagen erwarten wir, dass die Beträge aus zusätzlicher kapitalgedeckter Altersvorsorge zu keinen Verwerfungen an den Weltkapitalmärkten mit ihren gigantischen Volumina führen werden“, so die Volkswirte in ihrer Studie.

Weiterhin bestehe auch realwirtschaftlicher Kapitalbedarf, der aus dem Kapitalangebot der Altersvorsorgesparer bedient wird. Die bevorstehende Osterweiterung der EU und die spätere Teilnahme der Beitrittsländer an der Europäischen Währungsunion eröffnen den Unternehmen langfristig attraktive Investitionsmöglichkeiten im eigenen Währungsraum. Hinzu kommt, dass die meisten anderen OECD-Länder eine günstigere demographische Entwicklung aufweisen als Deutschland. Insoweit ist also nicht mit einer Belastung der Kapitalmärkte zu rechnen.

Eine stärkere Kapitaldeckung begünstigt auch den absehbaren Strukturwandel in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten. Im Ausland über Direkt- oder Portfolioinvestitionen angelegtes Kapital schaffe Eigentumsansprüche am dortigen Kapitalstock und finanziere zusätzliche Produktionsmöglichkeiten. Wenn dann zukünftig weniger Erwerbstätige einer steigenden Anzahl von Rentnern gegenüberstünden, könnten deren Konsumwünsche leichter durch Importe erfüllt werden. Damit stünden den heutigen Kapitalströmen zukünftige Güterströme in umgekehrter Richtung gegenüber.

Die Volkswirte der Dresdner Bank erwarten, dass die betriebliche Altersvorsorge ein Schwerpunkt bei Tarifverhandlungen wird und dass sich die Tarifpartner auf einen schnellen Einstieg in diese Vorsorgeform einigen werden. Den neu geschaffenen „Pensionsfonds“ wird dabei eine bedeutende Rolle zufallen. Insgesamt rechnen die Volkswirte der Dresdner Bank damit, dass drei viertel der im Zuge der Riester-Rente geschaffenen Mittel in Formen der betrieblichen Altersvorsorge fließen werden.

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