"Strukturwandel – was kann man von Jenoptik lernen?"


Dr. Lothar Späth, Chef der Jenoptik AG, und NRW-Wirtschaftminister Ernst Schwanhold zu Besuch am Institut Arbeit und Technik

Wie man mit Phantasie und unorthodoxen Methoden ein vom Konkurs bedrohtes Unternehmen zum international erfolgreich operierenden Technologiekonzern umstrukturieren, Tausende von Arbeitsplätzen retten und in einer Ostregion prosperierende Wirtschaftsstrukturen schaffen kann, zeigte jetzt Dr. Lothar Späth, Vorstandsvorsitzender der Jenoptik AG, in einem Gastvortrag am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) auf. Strukturwandel und Globalisierung waren die Themen der Diskussionsveranstaltung mit Führungskräften und Experten aus Wirtschaft, Arbeit, Politik und Wissenschaft, zu der IAT-Präsident Prof. Dr. Franz Lehner auch den "neuen" Minister für Wirtschaft, Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Ernst Schwanhold, begrüßen konnte.

Als Späth 1991 nach Jena gerufen wurde, stand das nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt übernommene Unternehmen mit 27 000 Beschäftigten in 12 Betrieben kurz vor dem Konkurs. 16 000 Arbeitsplätze mussten abgebaut werden und bis 1993 machte das Unternehmen noch 2,5 Milliarden DM Verlust. Ab 1996 gab es erste Gewinne, 1998 ging die Jenoptik AG an die Börse. Jena, wo der Mechaniker Carl Zeiss vor mehr als 150 Jahren seine feinmechanische Werkstatt eröffnete, ist heute Sitz einer Holding, deren weltweit über 100 mittelständische Gesellschaften hauptsächlich in den Bereichen Reinraumtechnik für die Mikrochip-Fabrikation, Optoelektronik und Lasertechnik sowie Risikokapitalmanagement tätig sind.

Das Beispiel der Technologieregion Jena zeigt, dass der Zwang zum Neuanfang viel mehr Chancen für den Strukturwandel eröffnet, als der Versuch, auf alten Strukturen – wie im Ruhrgebiet – neu aufzubauen. Zwei Ratschläge gab Späth: Auf der Suche nach neuen Produkten und Märkten "versuche nie Dinge zu machen, die andere besser können!" und "frage den Markt, was gebraucht wird!". Die deutsche Industrie gehe zu produktbezogen in die Globalisierung, mehr Markt- und Kundenorientierung müsse beispielsweise von den USA gelernt werden.

NRW-Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold betonte gleichfalls die Notwendigkeit von mehr Marktorientierung, die die Industrie unabhängig von der Ausgangssituation des Standortes entwickeln müsse. Bei der neuen Offensive für den Strukturwandel im Ruhrgebiet gehe es darum, zunächst die Kernkompetenzen für die Zukunft zu bestimmen und zu überlegen, wie sie sich in der vorhandenen Industriestruktur realisieren lassen. Schlüsselkompetenzen für die Zukunft sieht er vor allem in den Bereichen Gentechnologie, Information und Kommunikation, Lifescience und Wellness sowie Logistik. Globalisierung und Informationsgesellschaft sind aber nicht nur Herausforderungen für die Wirtschaft, hob Schwanhold hervor. "Auch die politischen und gesellschaftlichen Instrumente müssen neu definiert werden, wenn man z.B. dem Ziel "Gerechtigkeit" in einer Gesellschaft völlig unterschiedlicher Geschwindigkeiten Geltung verschaffen will."

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