Uni Bonn zeigt fossile Libelleneier auf einem Lorbeerblatt

Bogenförmig abgelegt überziehen die Libelleneier (helle längliche Flecken) wie kleine Reiskörner das Lorbeerblatt. Foto: Georg Oleschinski / Uni Bonn

Haute cuisine im Goldfuß-Museum der Universität Bonn? Die Paläontologen servieren dort im kommenden Monat „Libelleneier auf Lorbeerblatt“. Dahinter verbirgt sich jedoch kein Füllsel für den hohlen Zahn, sondern ein äußerst seltenes Doppelfossil.

Bei der Eiablage vollführen die Libellen ein besonderes Paarungsritual: Männchen und Weibchen bilden ein so genanntes „Paarungsrad“. Dann heftet das Weibchen die Eier an einer Blattoberfläche fest, wobei es sich leicht wippend hin und her bewegt. Das Resultat ist eine zick-zack-förmige „Eiloge“. Vor 25 Millionen Jahren verzierte so eine Libellendame im heutigen Siebengebirge ein Lorbeerblatt mit ihren Eiern. Das Resultat ist als „Fossil des Monats Mai“ in den kommenden Wochen im Bonner Goldfuß-Museum zu bewundern.

Fossile Libellen-Eilogen sind sehr selten. Ihre Form kann sich je nach Libellenart unterscheiden. Die gezeigten Eier stammen von einem Kleinlibellen-Weibchen. Zu diesen so genannten „Zygoptera“ gehören die Prachtlibellen, Teichjungfern, Quelljungfern, Federlibellen und Schlanklibellen. Man unterscheidet sie anhand der Augenabstände, der Flügelhaltung im Ruhezustand sowie der Ausbildung von Vorder- und Hinterflügel von den Großlibellen.

Viele Libellen legen ihre Eier auf Pflanzenteilen am Ufer flacher Gewässer ab. Drei bis vier Wochen später schlüpfen die Larven, fallen ins Wasser und entwickeln sich dort in einem Zeitraum von 2 Monaten bis 5 Jahren, bis sie sich außerhalb des Wassers ein letztes Mal häuten und zu erwachsenen Libellen heranreifen.

Das „Fossil des Monats Mai“ stammt ursprünglich aus der Lagersätte Rott bei Hennef. Es ist eines von gut 6.500 Fundstücken, die der Kölner Lehrer Dr. Georg Statz vor dem zweiten Weltkrieg zusammengetragen hatte. 1954 hatte das Los Angeles County Museum of Natural History die Sammlung gekauft. Einen Teil der Stücke haben die Amerikaner kürzlich dem Goldfuß-Museum überlassen.

Die Fossilien-Lagerstätte von Rott entstand vor rund 25 Millionen Jahren in einer Seenlandschaft auf den vulkanischen Aschen des Siebengebirgs-Vulkanismus. Die Pflanzen und die Tiere wurden nach ihrem Tod am Grund der Seen und Teiche von Faulschlamm überdeckt. Aus diesem Schlamm entwickelte sich später der Ölschiefer von Rott. Durch den raschen Sauerstoffabschluss im Sediment sind die Fossilien zum Teil ganz vorzüglich konserviert. So ist im Goldfuß-Museum auch eine perfekt erhaltene Großlibellen-Larve aus Rott zu sehen.

Die Lagerstätte Rott gibt einen exzellenten Einblick in den Lebensraum eines Sees im Oberoligozän. Nach der fossilen Vegetation zu schließen, wucherte dort ein dichter Laubwald, wie er heute in subtropischen Gebieten vorkommt. Am den Ufern der Seen wuchsen Seerosen und andere Wasserpflanzen – ein Lebensraum, wie er von Libellen bevorzugt wird.

Heute sind die fossilführenden Schichten nirgendwo mehr direkt zugänglich. Die Halden der alten Bergwerke stehen als Bodendenkmäler unter gesetzlichem Schutz. Die Fossilien von Rott werden im Stadtmuseum in Siegburg, im Goldfuß-Museum des Institutes für Paläontologie der Universität Bonn und zur Zeit in einer Sonderausstellung im Brückenhof-Museum (www.brueckenhof.de) in Königswinter-Oberdollendorf gezeigt.

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Frank Luerweg idw

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