Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die EU braucht eine einheitliche Haltung gegenüber ausländischen Investoren

13.11.2008
"Safe and Sound - An EU Approach to Sovereign Investment": Wirtschaftsforschungsinstitut Breugel veröffentlicht neuen Policy Brief von Lars-Hendrik Röller und Nicolas Véron

Immer mehr Direktinvestitionen in die EU werden künftig aus Ländern kommen, deren politische Systeme nicht mit unserem vergleichbar sind. Ausländische Staatsfonds, aber auch Unternehmen aus solchen undemokratischen Ländern wollen zunehmend in der EU Fuß fassen.

Im jüngsten Policy Brief des Wirtschaftsforschungsinstitutes Breugel fordern die Autoren Lars-Hendrik Röller und Nicolas Véron eine einheitliche Grundhaltung gegenüber solchen Investoren.

Es muss ein Konsens geschaffen werden, welche Investitionen willkommen sind und welche nicht. Die Autoren schlagen daher eine EU-Richtlinie vor, die die wichtigsten Grundprinzipien auf europäischer Ebene festlegt.

Einzelfallentscheidungen sollen aber den Mitgliedsstaaten vorbehalten bleiben.

Röller und Véron sehen die Ursache für den Erfolg von Staatsfonds vor allem in einem strukturellen Wachstum der internationalen Investitionsfähigkeit. Nicht-europäische staatliche Investoren sind immer häufiger in der Lage, überall auf der Welt zu investieren. Die Autoren betonen, dass ein steigender Anteil der Direktinvestitionen nach Europa voraussichtlich aus Ländern kommen wird, deren Regierungsformen anders und häufig deutlich weniger liberal sind, als die der EU Staaten oder die der klassischen Investitionspartner. Dies bietet nicht nur Potential für politische Spannungen, sondern kann auch ernsthafte Sicherheitsrisiken bergen. Diese Risiken sollten allerdings nicht überbewertet werden. Eingeschränkte Offenheit gegenüber ausländischen Direktinvestitionen oder Barrieren innerhalb des EU-Binnenmarktes sind sowohl grundsätzlich falsch als auch schädlich. Denn die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise wird Europas Bedarf an Investitionen aus dem Ausland weiter vergrößern. Sie macht aber auch deutlich, dass es politische und sicherheitsbezogene Bedenken bezüglich der Auswirkungen ausländischer Investitionen zu beachten gilt.

Initiativen von Staatsinvestoren, die sich den Bedenken von Empfängerländern widmen, sind grundsätzlich willkommen. Die von einer Gruppe von 26 Investorenländern in diesem Monat vorgestellten "Santiago Prinzipien" sind beispielsweise eine guter Ansatz. Aber solche Initiativen werden nicht alle Risikoszenarien abdecken können. Die Autoren plädieren daher für einen offenen, umfassenden und nachhaltigen politische Rahmen auf europäischer Ebene, anhand derer ausländische Direktinvestitionen in der EU beurteilt werden können. Diese Richtlinie sollte mit Mechanismen ausgestattet sein, die garantieren, dass Sicherheitsbedenken nicht als Vorwand für Wirtschaftsprotektionismus missbraucht werden können.

Röller und Véron erklären, wie dies am besten nach EU-Recht realisiert werden kann: In jedem einzelnen Fall blieben die Risikoabschätzung sowie die Verhandlungen von Firmenübernahmen in den Händen der betroffenen EU-Mitgliedsstaaten. Gleichzeitig müsste aber ein Rahmen geschaffen werden, der geeignete Methoden, multilaterale Koordination und einen Best-Practise-Austausch ermöglichte. Die Verabschiedung eines von den Autoren vorgeschlagenen politischen Gerüstes würde es erlauben, nationalen und europäischen Sicherheitsrisiken zu begegnen und gleichzeitig die Offenheit des europäischen Wirtschaftsraumes für ausländische Direktinvestitionen zu wahren.

Die Autoren
Lars-Hendrik Röller arbeitet als non-resident Senior Fellow für das Forschungsinstitut Breugel. Er ist Präsident der European School of Management and Technology in Berlin, einer internationalen Managementschule, die von 25 führenden internationalen Firmen und Institutionen gegründet wurde. Von 2003 bis 2006 war Röller Chefvolkswirt für Wettbewerbsfragen der Europäischen Kommission. Dort war er verantwortlich für ökonomische Analysen in den Bereichen Firmenzusammenschlüsse, Kartelluntersuchungen, Missbrauch von Marktmacht und Kontrolle staatlicher Beihilfen. Zu diesen Themen hat Röller zahlreiche Bücher und Aufsätze veröffentlicht.

Nicolas Véron ist Research Fellow bei Bruegel. Er konzentriert seine Forschung auf die Bereiche Kapitalmärkte, Regulierung von Finanzmärkten, internationale Investitionspolitik und die globale Expansion von Firmen. Er war Berater für Firmenfragen des französischen Arbeitsministers, Finanzvorstand eines Pariser Technologieunternehmens und selbstständiger Unternehmensberater. Nicolas Véron hat eine regelmäßige Kolumne in der renommierten französischen Wirtschaftszeitung La Tribune.

ESMT
Die ESMT European School of Management and Technology wurde im Oktober 2002 durch die Initiative von 25 führenden deutschen Unternehmen und Verbänden gegründet. Das Ziel der Gründer war es, in Deutschland eine internationale Managementschule mit europäischem Fokus aufzubauen. Als private Hochschule bietet die ESMT Führungskräfteausbildung sowie die internationalen Full-time MBA- und berufsbegleitenden Executive MBA-Programme an. Die ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule.
Bruegel
Das in Brüssel ansässige Forschungsinstitut befasst sich schwerpunktmäßig mit internationalen Wirtschaftsfragen. Es wurde 2005 mit der Unterstützung europäischer Regierungen und internationaler Unternehmen gegründet. Breugel trägt durch offene, faktenbasierte und politikrelevante Analyse, Forschung und Diskussion zu der Qualität der Wirtschaftspolitik in Europa bei.
Kontakt:
Martha Ihlbrock
Tel.: 030-21 231 1043
Fax: 030-21 231 1069
E-Mail: martha.ihlbrock@esmt.org
ESMT European School of Management and Technology
Schlossplatz 1
10178 Berlin

Martha Ihlbrock | idw
Weitere Informationen:
http://www.esmt.org
http://www.esmt.org/fm/13/Bruegel_Policy_Brief.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften